Qualifizierte Zuwanderung Image
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Die Zuwanderung nach Deutschland erreicht in den letzten Jahren Rekordwerte. Im Jahr 2013 sind 437.000 mehr Personen nach Deutschland gekommen als das Land verlassen haben und für das Jahr 2014 sind neue Rekordwerte zu erwarten. Rund zwei Drittel der Zuwanderer stammen aus anderen EU-Ländern. Nach Angaben der OECD war Deutschland schon 2013 das zweitbeliebteste Zuwanderungsland der Welt – nach den USA. In den letzten Wochen und Monaten wird auch vor diesem Hintergrund diskutiert, inwieweit die Zuwanderung Deutschland nützt oder die öffentlichen Haushalte und den Wohlstand belasten könnte.

Der materielle Wohlstand in Deutschland basiert zu großen Teilen auf der Innovationskraft der Volkswirtschaft. Für viele vor allem ältere Menschen ist die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems besonders wichtig. Analysen zum Arbeitsmarkt zeigen, dass vor allem in technischen und Gesundheitsberufen bereits heute Engpässe bestehen. Und der demografische Wandel stellt eine weitere Herausforderung für die technologische Leistungsfähigkeit und die gesundheitliche Versorgung dar: Im Jahr 2012 waren rund 13,4 Millionen Personen im Alter zwischen 45 und 54 Jahren und werden voraussichtlich zwischen dem Jahr 2025 und 2035 aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden. Im Jahr 2012 waren jedoch nur 7,2 Millionen Menschen im Alter zwischen 5 und 14 Jahren, die im Zeitraum von 2025 bis 2035 in den Arbeitsmarkt eintreten werden. Bereits die Zuwanderung der letzten Jahre hat zur Fachkräftesicherung beigetragen – überproportional viele Zuwanderer sind Ingenieure, Ärzte oder Pflegekräfte.

Für die Zukunft bewirkt eine dauerhafte Erhöhung der Nettozuwanderung um 100.000 nach Berechnungen des Sachverständigenrates langfristig eine Erhöhung der jährlichen Wachstumsrate des Bruttoinlandsprodukts um 0,2 bis 0,4 Prozentpunkte. Dies führt damit auch zu einer Stärkung der Steuerbasis und höheren Steuereinnahmen. Da die Schulden- und Zinslast nicht mit dem Bevölkerungsrückgang schrumpft, hilft die Zuwanderung schon allein dadurch, dass die Bevölkerung langsamer abnimmt. Nach dem aktuellen Gutachten des Sachverständigenrates trägt mehr Zuwanderung daher langfristig zur Sicherung der Finanzierung der öffentlichen Haushalte bei. Der positive Effekt ist umso höher, je besser die Zuwanderer qualifiziert sind.

Tatsächlich weisen Neuzuwanderer heute ein deutlich höheres Qualifikationsniveau auf als früher. Im Jahr 2000 hatten lediglich 16,1 Prozent der Zuwanderer im Alter von 25 bis 64, die in den zehn Jahren zuvor nach Deutschland gekommen waren, einen Hochschulabschluss. Im Jahr 2005 betrug der Akademikeranteil der Neuzuwanderer bereits 22,2 Prozent, im Jahr 2012 sogar 31,1 Prozent. Der Anteil der Geringqualifizierten ist unter den Zuwanderern jedoch höher als in Deutschland insgesamt, ist aber in den letzten Jahren deutlich gesunken. Für die nächsten Jahre hat Deutschland jüngst die Bedingungen für qualifizierte Zuwanderung deutlich verbessert. So wurde im August 2012 die „Blaue Karte EU“ eingeführt, die Akademikerinnen und Akademikern aus Drittstaaten bessere Möglichkeiten bietet, in Deutschland zu arbeiten und mit ihren Familien zu leben. Besonders attraktiv sind die Zuwanderungsregeln für Studierende aus dem Ausland, die in Deutschland ihren Hochschulabschluss erwerben. Zum 1. Juli 2013 wurden mit der neuen Beschäftigungsverordnung auch attraktive Zuwanderungsregeln für Fachkräfte aus Drittstaaten mit Berufsausbildung in den Engpassberufen geschaffen.

Qualifizierte Zuwanderung leistet folglich bereits heute und zunehmend auch in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur Sicherung des Wohlstands in Deutschland und ist aus ökonomischer Sicht vorteilhaft. Dabei sollte die ökonomische Perspektive nicht allein relevant sein. Flüchtlingen, die für sich und ihre Familien in Deutschland einen sicheren Ort zum Leben suchen, ist aus ethischer Sicht zu helfen. Deutschland sollte sich weiter als weltoffenes Land verstehen, Chancen der Zuwanderung nutzen und Verantwortung für Menschen in Not übernehmen.

Ansprechpartner

Arbeit für Flüchtlinge
Gastbeitrag, 22. Juni 2017

Regina Flake in der Welt Arbeit für FlüchtlingeArrow

Wenn Politik und Wirtschaft eng zusammenarbeiten und die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt gelingt, kann Deutschland vom Zuzug profitieren. Den Fachkräfteengpass wird dies aber kurzfristig kaum abmildern, schreibt IW-Ökonomin Regina Flake in einem Gastbeitrag für der Welt. mehr

22. Juni 2017

Berit Schmiedendorf 110.000 neue BundesbürgerArrow

Rund 110.000 Ausländer haben sich im Jahr 2016 in Deutschland einbürgern lassen - gut 3.000 mehr als 2015. In den Jahren 2013 und 2014 war die Zahl der neuen Bundesbürger noch zurückgegangen. mehr auf iwd.de

Es gibt keine Krise bei Facharbeitern
IW-Nachricht, 14. Juni 2017

Holger Schäfer Arbeitsmarkt: Es gibt keine Krise bei FacharbeiternArrow

Einer neuen OECD-Studie zufolge ist der Anteil von Arbeitsplätzen mit mittlerer Qualifikation auch in Deutschland stark gesunken. Grund ist die Digitalisierung – dafür steigt die Beschäftigung der Hoch- und Niedrigqualifizierten. Allerdings gibt es für diese These zumindest hierzulande keine Belege. mehr