Draghi, ein Fachmann aus Italien Image
EZB-Chef Mario Draghi Quelle: INSM

Anfang November wird aller Voraussicht nach der italienische Notenbankchef Mario Draghi neuer Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Ein Italiener in Frankfurt– als Gralshüter der Geldwertstabilität. Für viele hierzulande ist das noch eine sehr gewöhnungsbedürftige Vorstellung. Ausgerechnet einem Italiener– man könnte auch allgemeiner sagen: einem Südeuropäer– sollen wir unser gutes Geld anvertrauen? Die Antwort sollte ein beherztes Ja sein!

Die fachliche Qualifikation von Mario Draghi ist über jeden Zweifel erhaben. Seine akademische Karriere hat ihn an die besten Universitäten der USA geführt. Wichtige Stationen seines weiteren Berufslebens hat er bei renommierten internationalen Organisationen und Unternehmen der Privatwirtschaft verbracht. Als Notenbankpräsident in Rom hat er seiner Regierung häufig die Leviten gelesen. Einen besseren Kenner der Geld- und Finanzpolitik wird man in Europa kaum finden.

Für Deutschland eröffnet sich damit eine Chance. Wir können das hierzulande weit verbreitete Vorurteil abbauen, nur Deutsche verstünden etwas von Preisstabilität. Gewiss war Deutschland zu den alten D-Mark-Zeiten in Europa Vorreiter in Sachen Stabilitätspolitik. Aber das lag weniger an einem spezifisch deutschen Gen als an dem institutionellen Rahmen einer von der Politik völlig unabhängigen Deutschen Bundesbank. Die Europäische Zentralbank besitzt die gleiche institutionelle Unabhängigkeit. Sie hat zudem den Vorteil, dass es nicht nur eine nationale Regierung gibt, die ihr vielleicht gerne ins Handwerk pfuschen möchte– sondern weit mehr als ein Dutzend mit jeweils ganz unterschiedlichen Wünschen. Da fällt es dem EZB-Chef leicht, die Ohren auf Durchzug zu stellen. Schon Amtsinhaber Jean-Claude Trichet hat das eindrucksvoll bewiesen. Als Franzose stieß auch er in Deutschland anfangs auf Skepsis. Fachlich nicht minder versiert und erfahren als Draghi, hat Trichet in seinen acht Jahren an der Spitze der EZB nie Zweifel an der Unabhängigkeit und der Stabilitätsorientierung der Notenbank aufkommen lassen. Entscheidend sind die Institution und die Kompetenz des Manns an der Spitze, nicht dessen Nationalität.

Auch für die Südeuropäer ist die Berufung eines Italieners als EZB-Chef eine Chance. Das gilt erst recht in der schwierigen aktuellen Lage, wo alle südeuropäischen Euro-Staaten mehr oder minder starke Finanzkrisen durchleben. Das Pochen seitens der EZB auf möglichst harten Regeln gegenüber den Defizitsündern wird dort gerne als teutonisches Diktat gebrandmarkt. In Wahrheit ist es nichts weiter als ein Gebot, um langfristig den Geldwert zu sichern. Daran sollten auch die Menschen rund ums Mittelmeer ein elementares Interesse haben. Niemand kann ihnen das glaubhafter und überzeugender vermitteln als ein Italiener in Frankfurt.

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