Der Kursrutsch an den internationalen Börsen ist nicht durch ein besonderes Vorkommnis oder neue Informationen zu erklären, sondern einzig dadurch, dass sich an den Finanzmärkten neue Bewertungen bekannter Fakten durchsetzen. Es ist ja geradezu aberwitzig, dass in dem Maße, in dem die Staaten das Schuldenproblem angehen und Maßnahmen auf den Weg bringen, die Märkte und die Ratingagenturen solche dramatischen Reaktionen zeigen. Wer jetzt argumentiert, dass die Kapitalmärkte (und die Ratingagenturen) informationseffizient seien, der ist entweder blind oder naiv.

Denn die Schuldenkrise hat doch auch damit zu tun, dass die Märkte zuvor – im Falle Griechenlands seit 2001 – nicht genau hingeschaut haben und unabhängig von der Entwicklung der Auslandsverschuldung des Staates und der Schuldenstandsquote eine positive Stimmung hatten, wie die niedrigen Spreads der griechischen Staatsanleihen zur Bundesanleihe bis in den Herbst 2009 dokumentieren.

Finanzmärkte sind nicht in dem Maße informationseffizient, dass sie fortlaufend risikoadäquate Preise stellen, vielmehr sanktionieren sie sprunghaft über die Einschränkung der bereitgestellten Liquidität. Nun scheint auch der Letzte aufgewacht zu sein.

Das Szenario einer Weltwirtschaftskrise erscheint mir wenig plausibel, da erstens kein schockartiges Event wirkt – wie im Falle der Lehman Insolvenz – und zugleich alle Staaten mehr oder weniger angemessen das Schuldenproblem angehen. Zweitens hat sich in den Jahren 2009 und 2010 gezeigt, wie wenig die Industrie in ihrer Finanzierung durch Finanzmärkte und Banken beschränkt wurde. Drittens ist derzeit auch noch nicht zu erkennen, dass die Bankensysteme in gleicher Weise wie vor drei Jahren destabilisiert werden. Die Risikovorsorge hat sich verbessert, die Robustheit tendenziell ebenfalls.

Entscheidend ist letztlich, in welchem Maße sich die Unternehmen in ihrem Investitionsverhalten verunsichern lassen. Dafür haben wir bisher keine Hinweise. Die Megatrends im globalen Strukturwandel jedenfalls tragen und sprechen für einen stabilen Investitionstrend.

Veranstaltung
Veranstaltung, 23. November 2017

20. Finanzmarkt Round-Table Der Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik – Erlösung oder neuer Schock?Arrow

Während die einen ein schnelles Ende des Niedrigzinses herbeisehnen, befürchten andere einen neuen Schock mit Rückwirkungen auf die Stabilität der Finanzmärkte. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln, die DekaBank und die Börsen-Zeitung laden ein zum 20. Finanzmarkt Round-Table in Frankfurt am Main. mehr

Markus Demary in LSE Business Review
Gastbeitrag, 20. September 2017

Markus Demary in LSE Business Review The US should not roll back financial regulation Arrow

The Dodd-Frank Act is not perfect, but it's a framework that can mitigate systemic risks, writes Markus Demary, senior economist in the research unit financial and real estate markets at the Cologne Institute for Economic Research (Institut der deutschen Wirtschaft Köln). mehr