Sollen wir den Euro aufgeben? Image
Quelle: Fotolia

Finanzmärkte und Finanzpolitik finden offenbar nicht zueinander. Die Beschlüsse, die der Europäische Rat bisher zur Krisenbekämpfung getroffen hat, beruhigten die Finanzmärkte allenfalls kurzfristig. Steigende Risikoaufschläge für Regierungsanleihen führen bei den Medien reflexartig zu gesteigerter Dramatik in der Berichterstattung - und bei Mitgliedern der Europäischen Kommission zu großer Hektik sowie zu neuen, in der Regel nicht abgestimmten Vorschlägen. All das wirkt wie eine Mahnung: Das Ende des Euro sei unvermeidlich!

Die jüngst gelungene Platzierung italienischer Staatsanleihenmit einem Volumen von 7,5 Milliarden Euro bei verschiedenen Laufzeiten, zu einem Zinssatz von mehr als sieben Prozent, spricht indes eine andere Sprache: Die Sanktionswirkung der Märkte funktioniert, Italien erfährt eine angesichts seiner Schuldensituation angemessene Risikobewertung, einen Käuferstreik gab es nicht. Wo ist das Problem? Mitte der neunziger Jahre lag die Rendite für italienische Regierungsanleihen deutlich höher, bei einer vergleichbaren Schuldenstandsquote wie heute. So sieht das übrigens auch der Vizepräsident der Banca d'Italia.

Das Misstrauen der Finanzmärkte gegenüber dem budgetpolitischen Gebaren der Staaten ist offenkundig so tief verankert, dass nur Taten zählen. Konsolidierung dauert aber nun einmal. Vollbremsungen sind gesamtwirtschaftlich nicht zu empfehlen. Das Zeitproblem aufgrund verunsicherter Finanzmärkte einerseits und langwieriger Haushaltssanierung andererseits muss anders gelöst werden. Dafür ist die glaubwürdige Selbstbindung der Politik so wichtig: durch verfassungsverankerte Schuldenbremsen und durch verschärfte europäische Verträge.

Vor allem aber sind die europäischen Staats -und Regierungschefs gut beraten, zu ihren eigenen Beschlüssen zu stehen. Das Ergebnis vom vergangenen Gipfel am 26. Oktober war angemessen: Hebelung des Rettungsschirms EFSF, Beteiligung der privaten Gläubiger, Rekapitalisierung der Geschäftsbanken, Schuldenbremsen für alle. Daran keinen Zweifel aufkommen zu lassen, erfordert Disziplin. Beharrlichkeit beeindruckt am Ende auch die Finanzmärkte. Ein Grund, die Währungsunion zu beenden, ist dies alles nicht.

Ansprechpartner

The Future of Mercorsur: What’s at stake for the EU?
Veranstaltung, 16. Oktober 2017

Debate The Future of Mercorsur: What’s at stake for the EU?Arrow

The Cologne Institute for Economic Research (IW Köln) and the German Institute for International and Security Affairs – Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) are kindly inviting you to a jointly organised expert exchange on the on-going negotiations for a new trade agreement between the EU and Mercosur. mehr

11. Oktober 2017

Matthias Diermeier Wohlstand: Ohne die Hauptstadt meist geringerArrow

Berlin ist sexy, aber nach wie vor relativ arm – würde man die Hauptstadt und ihre Bewohner herausrechnen, wäre das deutsche Bruttoinlandsprodukt je Einwohner um 0,2 Prozent höher. Im übrigen Europa sieht das Bild jedoch ganz anders aus. mehr auf iwd.de

Gastbeitrag, 28. September 2017

Daniel Bendel und Markus Demary auf Focus Online Hebt die EZB die Zinsen an, bekommen 800.000 Unternehmen ProblemeArrow

Mit ihren niedrigen Zinsen hat die EZB vielen Unternehmen geholfen, die Krise zu überwinden - aber nicht allen. Würden die Zinsen steigen, hätten vor allem Firmen aus Italien, Griechenland und Frankreich ein Problem, schreiben die IW-Ökonomen Daniel Bendel und Markus Demary in einem Gastbeitrag auf Focus Online. mehr