Jetzt die Löhne erhöhen? Image
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Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hat erklärt: "Wenn die Wirtschaft boomt, sind auch kräftige Lohnerhöhungen möglich." Mit dieser populären Sicht werden zwei wichtige Fakten übersehen. Erstens sind die Stundenlöhne tariflich wie tatsächlich während der Krise 2008/2009 zwischen 2,3 und 3,0 Prozent gestiegen, während die Produktivität um 0,2 und 2,2 Prozent schrumpfte. Damit war die Lohnpolitik inmitten der Krise expansiv, die Lohnstückkosten sind vor allem im produzierenden Gewerbe explodiert. Im Aufschwung muss es zunächst darum gehen, die Lohnstückkosten wieder ins Lot zu bringen. Das setzt eine moderate Lohnpolitik voraus.

Zweitens legen die Löhne nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes derzeit ohnehin kräftig zu, auch preisbereinigt. Viele Arbeitnehmer profitieren vom Aufschwung, indem sie nicht länger kurzarbeiten. Die Zahl der Kurzarbeiter sank von 1,5 Millionen auf unter 290.000. Damit steigen aber auch die Einkommen der Betroffenen, was den privaten Konsum stützt. Die lange geübte Lohnzurückhaltung hat sich ausgezahlt. Die Beschäftigung stieg ab 2006 kräftig an, in der Industrie konnte der Beschäftigungsrückgang gestoppt werden. Hier wurde in den Jahren 2007 und 2008 Personal aufgestockt. Und durch die Verbesserung der Ligenkapitalausstattung der Betriebe– auch eine Folge der Lohnzurückhaltung– war es möglich, massiv auf Kurzarbeit zu setzen, um so Entlassungen zu vermeiden. Die Früchte einer moderaten Lohnpolitik sind reichlich, das gilt auch im Aufschwung.

IW-Gewerkschaftsspiegel, 8. Juni 2017

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Gastbeitrag, 29. Mai 2017

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