Wenn von Gerechtigkeit die Rede ist, denkt man zunächst an die Verteilungsgerechtigkeit – zwischen Personen mit unterschiedlichen Einkommen, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, zwischen Staaten im Norden und im Süden. Viel seltener wird über die Gerechtigkeit zwischen den Generationen gesprochen. Dabei ist es gerade die Generationengerechtigkeit, die über die Zukunftsfähigkeit von Gesellschaftsmodellen und damit letztlich den Aufstieg und Fall von Nationen entscheidet. Denn die Generationengerechtigkeit ist der eineiige Zwilling des Langfristdenkens einer Gesellschaft, welches die Voraussetzung für nachhaltiges Leben, Wirtschaften und Arbeiten ist. Ohne „intertemporale Gerechtigkeit“ lebt eine Generation auf Kosten einer anderen und untergräbt deren zukünftige Lebenschancen.

Unsere Tagung will den verschiedenen Dimensionen der Generationengerechtigkeit und Nachhaltigkeit nachspüren: Ist nachhaltige Finanzpolitik der Königsweg, um die Überforderung des Staates und seiner Bürger und die Lastverschiebung in die Zukunft zu verhindern? Wie kann die Sozialpolitik nachhaltig im Sinne von Daseins- und Zukunftsvorsorge gemacht werden? Wie können faire Aufstiegschancen für alle geschaffen werden, damit nicht Vererbung und Elternhaus zukünftige Lebenschancen bestimmen? Durch welche institutionellen Vorkehrungen kann das Langfristdenken statt des Denkens in Wahlzyklen zum Markenzeichen einer Demokratie gemacht werden? Wie kann eine ökologische Nachhaltigkeitsstrategie in der Nachkarbonzeit gestaltet werden?

Wie ein solcher Zukunftsentwurf für eine Langfristorientierung in Wirtschaft und Gesellschaft in seinen Einzelteilen und in der Gesamtschau aussehen kann, diese Frage stand im Mittelpunkt der diesjährigen Tutzinger Gespräche zur Ordnung der Wirtschaftmit hochkarätigen Fachleuten aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft.

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