IW-Direktor Michael Hüther widmete seinen Vortrag nicht nur den allgemeinen Corona-Risiken, sondern auch den positiven Effekten: So werden die Lieferketten beispielsweise stabiler und resilienter, die Digitalisierung hat einen großen Sprung gemacht, zudem dürften innovativen Erfindern künftig mehr Türen offenstehen als noch vor der Pandemie. Das gilt besonders für Innovationen aus dem Medizinbereich.

MPlfG-Direktor Lucio Baccaro verwies in seinem Impulsvortrag auf die besonderen Bedrohungen für Südeuropa und den Euro. Besonders kontrovers diskutierten die Teilnehmer über die künftige Rolle des Staates: So ist unklar, welche Rolle er zukünftig einnehmen soll, wenn es beispielsweise um die Sicherung von systemrelevanten Gütern und Dienstleistungen geht.

MPlfG-Wissenschaftlerin Lisa Suckert erklärte in ihrem Vortrag, wie sich Zeit in der Pandemie anders wahrgenommen, genutzt und verstanden wird. Ihre These: Der Kapitalismus beschleunigt das Leben, die Pandemie stellte bisherige Grundgesetze auf den Kopf: Manch einer entdeckt die Langsamkeit, andere widmen einen Großteil ihres Tages nicht der Erwerbsarbeit, sondern dem Homeschooling. Dadurch geht die Krise einher mit einer radikalen Unsicherheit und Verunsicherung.

IW-Verteilungsökonomin Judith Niehues stellte ihre Forschungsergebnisse zur Einkommensentwicklung in der Pandemie vor. Demnach sind in der Krise die Markteinkommen in niedrigeren Einkommensschichten zwar deutlich gesunken – aber dank Arbeitslosenversicherung, Kurzarbeitergeld und anderen staatlichen Unterstützungen blieben die Einbußen im Rahmen. Einige Gruppen hatten aufgrund der zusätzlichen staatlichen Leistungen sogar mehr Geld zur Verfügung als früher. Die oberen Schichten haben hingegen große Einbrüche verzeichnet.