Deutschland steht am Pranger: Die Wettbewerbsfähigkeit sei zu hoch, bemängeln Kritiker. Die Preise in Deutschland müssten kräftig steigen, um den Krisenländern Luft zum Atmen zu geben und ihnen eine schwere Deflation mit stark sinkenden Löhnen zu ersparen. Damit befindet sich Deutschland in der Zwickmühle, denn es muss seine preisliche Wettbewerbsfähigkeit auch gegenüber Ländern außerhalb der Eurozone erfolgreich verteidigen. Andernfalls droht ein Abbau gut bezahlter Arbeitsplätze in der deutschen Exportwirtschaft.

Aber: Ist die Annahme, die deutsche Wettbewerbsfähigkeit sei außergewöhnlich hoch, überhaupt richtig? Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat in einer Studie untersucht, wie Deutschland bei Niveau und Entwicklung der Lohnstückkosten im internationalen Vergleich abschneidet. Zudem haben die IW-Forscher die so gemessene Wettbewerbsfähigkeit mit der Entwicklung Deutschlands als Handelspartner im Euroraum verglichen. Dabei zeigt sich: Seit 1991 sind die Lohnstückkosten hierzulande stärker gestiegen als in den meisten anderen Industrienationen – Deutschland hat also keinesfalls einen Preisvorteil gegenüber der ausländischen Konkurrenz.

Lohnstückkostenniveau im Jahr 2014

Verarbeitendes Gewerbe Deutschlands = 100

Auf Basis der Wechselkurse und Preise von 2014. Euroraum: ohne Deutschland, Irland, Luxemburg, Malta und Zypern; einschließlich Litauen. Durchschnitt: Mittelwert der Länder ohne Deutschland; gewichtet mit deren Anteil am Weltexport im Zeitraum 2012 bis 2014. Quellen: Deutsche Bundesbank; Eurostat; nationale Quellen; OECD; Statistisches Bundesamt; U.S. Department of Labor; Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Pressemitteilung

Lohnstückkosten – Deutschland hat keinen Preisvorteil

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Statement

Deutschlands preisliche Wettbewerbsfähigkeit – eine Gefahr für Europa?

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IW-Trends

Christoph Schröder: Lohnstückkosten im internationalen Vergleich – Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit erodiert

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Ansprechpartner

21. September 2016

Personalkosten Arbeit in Deutschland ist teuerArrow

Westdeutsche Industriebetriebe mussten auch im Jahr 2015 mit sehr hohen Arbeitskosten zurechtkommen. Nur in wenigen kleineren Ländern war Personal teurer. Zu diesem Ergebnis kommt der 44 Länder umfassende Arbeitskostenvergleich des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). mehr auf iwd.de

Industrielle Arbeitskosten im internationalen Vergleich
IW-Trends, 20. September 2016

Christoph Schröder Industrielle Arbeitskosten im internationalen VergleichArrow

Die Arbeitskosten des westdeutschen Verarbeitenden Gewerbes beliefen sich im Jahr 2015 auf 40,90 Euro je Arbeitnehmerstunde. Damit liegt Westdeutschland an sechster Stelle des 44 Länder umfassenden Arbeitskostenvergleichs des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln und hat gegenüber dem Durchschnitt der fortgeschrittenen Industrieländer um fast ein Viertel höhere Arbeitskosten zu tragen. mehr

Steigende Arbeitskosten
IW-Nachricht, 9. Juni 2016

Steigende Arbeitskosten Höhere Kaufkraft zu einem hohen PreisArrow

Die Arbeitskosten in Deutschland sind im ersten Quartal 2016 im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum um über 3 Prozent gestiegen. Arbeitnehmer können sich also über mehr Kaufkraft freuen, weil die Inflationsrate momentan sehr niedrig ist. Doch Unternehmen sind zu Recht beunruhigt: Die steigenden Arbeitskosten bedeuten für sie Wettbewerbsnachteile – und letztlich könnte das auch die Arbeitnehmer empfindlich treffen. mehr