Jedes Jahr verlässt ein Fünftel der Schüler die Schule ohne Mindestkompetenzen im Sprechen, Lesen, Schreiben und Rechnen und hat somit erhebliche Schwierigkeiten, den Übergang ins Berufsleben zu meistern. Damit einher geht der Befund, dass es keine curriculare Festlegung von Grundbildung gibt. Da das allgemeinbildende Schulsystem seiner Qualifikationsfunktion nur unzureichend gerecht wird, ist es dafür verantwortlich, dass sichdie geschätzte Zahl von etwa vier Millionen funktionalen Analphabeten mittelfristig kaum verringert.

An dieser Problematik setzt das Verbundprojekt „Chancen erarbeiten“ an, das vom Bundesbildungsministerium im Rahmen des Förderschwerpunktes „Alphabetisierung und Grundbildung im Kontext von Wirtschaft und Arbeit“ finanziert wird. Auf der Fachtagung „Grundbildung für alle: Neue Chancen für Teilhabe und Arbeit“ des Projekts „Chancen erarbeiten“ stellten die Projektpartner, der Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung, die Universität Duisburg-Essen, die Universität Bielefeld, das Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft Regionalbüro Darmstadt und das IW Köln zentrale Ergebnisse sowie Produkte ihrer Forschungs- und Entwicklungsarbeit vor.

Helmut E. Klein, Bildungsforscher und Projektleiter im Institut der deutschen Wirtschaft Köln, präsentierte vorläufige Ergebnisse einerUnternehmensbefragung. „In der Wirtschaft gibt es einen eindeutigen Konsens darüber, was unter Grundbildung und somit als unverzichtbare Mindestkompetenzen zu verstehen ist“, soKlein. Dies betrifft basale literale Fähigkeiten und Fertigkeiten wie auch soziale Kompetenzen. Genauso eindeutig zeichne sich eine hohe Übereinstimmung der Unternehmensantworten ab, wenn es darum geht, Grundbildung im Sinne der Beschäftigungsfähigkeit bei der Einstellung von geringqualifizierten Erwachsenen zu definieren. „Situationsangemessen deutsch sprechen, Sachverhalte mündlich verständlich darstellen, tätigkeitsrelevante Texte verstehen, einfache Sachverhalte schriftlich formulieren und die Grundrechenarten beherrschen, sind heute für die meisten Unternehmen kaum verhandelbare Voraussetzungen. Nicht minder wichtig sind Merkmale des Arbeitsverhaltens und der Persönlichkeit wie Leistungsbereitschaft, Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Pünktlichkeit und Teamfähigkeit.“

Neben diesem empirischen Ansatz, der die Anforderungen ermittelt, die aus Sicht der Wirtschaft an die Grundbildung von Schulabsolventen gestellt werden, hat das IW in Kooperation mit einem Berufsschullehrerteam Fördermaterialien für junge Erwachsene mit unzureichender Schreibkompetenz exemplarisch entwickelt.

Programm
IconDownload | PDF

Mittagsprogramm
IconDownload | PDF

Präsentationen

Neue Risiken für Teilhabe und Arbeit. Ergebnisse der letzten Shell Jugendstudien
Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Hertie School of Governance Berlin
IconDownload | PDF

Grundbildung – eine Herausforderung an Bildung und Wirtschaft
Dr. Knut Diekmann, Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK)
IconDownload | PDF

Das Verbundprojekt „Chancen erarbeiten“
Ralf Häder, Verbundkoordinator „Chancen erarbeiten“, Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.
IconDownload | PDF

Die Bedeutung der Grundbildung
Prof. Dr. Michael Hüther, Direktor Institut der deutschen Wirtschaft Köln
IconDownload | PDF

26. August 2016

Regionale Armut Arme Eltern, schlechte SchülerArrow

Finanzielle Armut und Bildungsarmut gehen oftmals Hand in Hand. So zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), dass in den meisten Regionen, in denen vergleichsweise viele Kinder und Jugendliche in finanziell schwierigen Verhältnissen leben, auch mehr Schüler die Schule abbrechen als anderswo. mehr auf iwd.de

Armutsgefährdete Kinder
IW-Pressemitteilung, 25. August 2016

Armutsgefährdete Kinder Bildungsarmut wird vererbtArrow

In Regionen mit hoher Armutsquote brechen viele Jugendliche die Schule ab, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Das liegt nicht an fehlenden finanziellen Mitteln der Familien, sondern an der mangelnden Förderung von Kindern aus bildungsfernen Familien in Kitas und Schulen. mehr

IW-Kurzbericht, 25. August 2016

Wido Geis / Christoph Schröder Armutsgefährdete Kinder und Schulabbrüche im regionalen VergleichArrow

Berechnungen des IW Köln zeigen, dass es in Regionen mit vielen armutsgefährdeten Kindern auch häufiger zu Schulabbrüchen kommt. Die Armutsgefährdung geht dabei häufig mit geringerer Bildung der Eltern einher. Damit sich durch Vererbung von Bildungsarmut die Armutsgefährdung in betroffenen Regionen nicht verfestigt, sollten flächendeckend qualitativ hochwertige Betreuungs- und Ganztagschulangebote gemacht werden. mehr