Tarifpolitik und Arbeitsbeziehungen Image
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Für die deutsche Wirtschaft ist ein duales System der Interessenvertretung charakteristisch: Einerseits sind die Arbeitnehmer an der Willensbildung in ihrem Unternehmen beteiligt, andererseits werden auf überbetrieblicher Ebene Tarifverträge abgeschlossen. Die Tarifautonomie überträgt den Vertretern von Arbeitnehmern und Arbeitgebern die Aufgabe, tarifliche Rahmenbedingungen zu setzen. Das Ziel ist es, die Markteinkommen so zu verteilen, dass zum einen der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Akzeptanz der Sozialen Marktwirtschaft gewahrt bleibt, zum anderen aber auch Leistungsanreize bestehen. Auf betrieblicher Ebene ist die Mitbestimmung durch Betriebsräte und Aufsichtsräte die Grundlage der demokratischen Unternehmensverfassung in Deutschland. Die Betriebsräte sind als Vertreter der Belegschaften gesetzlich ermächtigt, die Bedingungen für die Beschäftigten mitzugestalten.

Arbeitsbereiche

  • Lohn- und Tarifpolitik: Die grundgesetzlich garantierte Koalitionsfreiheit legt den Tarifparteien Rechte und Pflichten auf. Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände haben das Recht, die Löhne und sonstigen Arbeitsbedingungen weitgehend frei von staatlicher Einflussnahme festzulegen. Demgegenüber stehen Pflichten, denn die Tarifpartner entscheiden maßgeblich darüber mit, wie sich die Einkommen in einer Gesellschaft verteilen. Der Gesetzgeber setzt mit dem Tarifvertragsgesetz für diese Aufgabe einen gesetzlichen Rahmen. Außerdem greift er über den gesetzlichen Mindestlohn und die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen direkt in die Lohnfindung ein. Die Forschung des Arbeitsbereichs "Lohn- und Tarifpolitik" umfasst makroökonomische Untersuchungen der Lohn- und Tarifpolitik sowie Analysen des rechtlichen Ordnungsrahmens.
  • Industrielle Beziehungen: Im Fokus dieses Arbeitsbereichs stehen die kollektiven Arbeitsbeziehungen und ihre Akteure: Betriebsräte, Gewerkschaften und Arbeitgeber. Ergebnisse der Untersuchungen sind unter anderem im vierteljährlich erscheinenden Gewerkschaftsspiegel und in den Eurofound-Vergleichsstudien nachzulesen. Darüber hinaus erstellen die Wissenschaftler wirtschaftspolitische und empirische Analysen der Mitbestimmung in Deutschland. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche neuen Formen der Partizipation entstehen und was daraus für die etablierten Institutionen folgt.
  • Arbeitszeiten und -kosten, Einkommenspolitik: Die Lohnstückkosten, also das Verhältnis von Arbeitskosten zu Produktivität, sind eine entscheidende Größe für die Entscheidung, an welchem Standort Unternehmer produzieren und wie sich infolgedessen die internationale Arbeitsteilung gestaltet. Die Wissenschaftler dieses Arbeitsbereichs analysieren und vergleichen daher regelmäßig die Arbeits- und Lohnstückkosten vieler Länder. Außerdem untersuchen sie die Verteilung der individuellen Einkommen und suchen mithilfe von Mikrodaten nach Zusammenhängen etwa mit soziodemografischen Merkmalen.

Kooperationspartner

  • European Industrial Relations Observatory (EIRO)
  • European Working Conditions Observatory (EWCO)
  • European Restructuring Monitor (ERM)

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