Studienfinanzierung

Akademiker-Ausbildung auf Pump

Das Studentenleben gilt als lustig, aber vor allem ist es teuer. Schließlich müssen sich die angehenden Akademiker während der Studienzeit finanziell über Wasser halten. Kommen Studiengebühren hinzu, wird der Gürtel noch enger geschnürt werden müssen. Zinsgünstige Studiendarlehen, die erst rückzahlbar sind, wenn die Kreditnehmer verdienen, sollen den Lebensunterhalt sichern helfen und gleichzeitig ein zügiges Studium ermöglichen. In den USA ist dies längst gang und gäbe – und auch für Studenten aus weniger betuchten Familien attraktiv.

 

Ein Studium zahlt sich aus: Im Schnitt verdient ein Akademiker im Berufsleben rund 60 Prozent mehr als jemand, der eine Lehre absolviert und danach keine weiteren Qualifikationen mehr erworben hat. Dabei muss ein Student den Lebensunterhalt während seiner Lernjahre aus eigener Kraft bestreiten, während der Azubi ab dem ersten Lehrtag bereits eine Vergütung erhält. Der Akademiker in spe wendet bis zum Examen für Miete, Bücher, Essen und Co. sogar ein kleines Vermögen auf:
Bei Lebenshaltungskosten von durchschnittlich rund 700 Euro pro Monat summieren sich die Ausgaben für ein Studium von zwölf Semestern auf 50.400 Euro.

 

Der Staat zahlt ebenfalls – schließlich stellt er die für das Studium notwendige Infrastruktur an den Hochschulen bereit. Im Schnitt der Studienfächer macht das je Studium 45.000 Euro.
Einzelne Bundesländer wollen die Studenten künftig auch an diesen Kosten beteiligen und Studiengebühren von im Schnitt 500 Euro pro Semester kassieren. Das würde das Leben für den angehenden Akademiker verteuern – für Lernen und Lebenshaltung hätte er bis zum Studienabschluss gut 56.000 Euro ausgegeben.
Studienfinanzierung in DeutschlandDas Bafög ist da eher ein Tropfen auf den heißen Stein: Nur jeder vierte Studiosus erhält überhaupt noch die staatliche Unterstützung, die als Mix aus Darlehen und nicht rückzahlbarem Zuschuss gewährt wird. Längst speisen die Studenten ihr Haushaltsbudget aus verschiedenen Einnahmequellen (Grafik):
Nach der 17. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks bestreiten die Eltern das Studentendasein zur Hälfte. Zu einem guten Viertel wird die studentische Haushaltskasse aus Einkünften durch Nebenjobs gefüllt.

 

Die Unterstützung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz macht nur noch 13 Prozent des Budgets aus. Das restliche knappe Zehntel des Lebensunterhalts finanzieren die Studenten mit Einnahmen aus Sparverträgen, sonstigen Familienunterstützungen, Waisenrenten, Stipendien und anderen Darlehen.
Gerade diese Geldquelle soll wegen der Einführung von Studiengebühren künftig deutlich stärker sprudeln. Ein entsprechendes Studienfinanzierungsmodell hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) entwickelt. Die mehrheitlich dem Bund gehörende Bank betreut bereits die Abwicklung der im Bafög enthaltenen Darlehensanteile. Zudem vergibt die KfW seit 2001 Bildungskredite in Höhe von bislang maximal 7.200 Euro für eine Laufzeit von maximal 24 Monaten. Diese Finanzspritze soll unter anderem solchen Studenten wirtschaftlich unter die Arme greifen, die normalerweise ihren Lebensunterhalt durch Nebenjobs verdienen, aber während der lernintensiven Examensphase keinem Broterwerb nachgehen können.

 

Das KfW-Konzept sieht vor, dass Studenten an einer deutschen Hochschule unabhängig vom Familieneinkommen ein Darlehen von monatlich maximal 650 Euro aufnehmen können. Der Kredit wird über höchstens zehn Semester ausgezahlt und mit etwa 5 bis 5,5 Prozent verzinst. Der Zinssatz orientiert sich an der durchschnittlichen Rate, zu der europäische Geschäftsbanken sich gegenseitig Geld leihen, zuzüglich Bearbeitungsaufschlag und einem Zuschlag für die Abdeckung von Ausfallrisiken. Studienfinanzierung
Der Kreditnehmer kann dennoch ruhig schlafen, denn zurückzahlen muss er erst, wenn er verdient, und auch dann nur ab einer bestimmten Einkommensgrenze. Die KfW-Banker peilen einen durchschnittlichen Rückzahlungszeitraum von zehn Jahren an; maximal dürfen es 25 Jahre werden – allerdings wird es dann teurer (Tabelle):
Für ein Darlehen in Höhe von 16.800 Euro werden bei einer Tilgungsdauer von zehn Jahren 24.088 Euro fällig. Zahlt der Darlehensnehmer den Betrag über 25 Jahre zurück, beläuft sich die Gesamtschuld auf mehr als 32.000 Euro.
Die Bank rechnet mit Kreditausfällen von maximal 15 Prozent, die durch die Zinseinnahmen gedeckt werden sollen. Auch höhere Marktzinsen will sie abfangen, damit die Kreditlast für die Studenten überschaubar bleibt. Darlehensnachlässe oder Stipendien für Studierende mit weniger solventen Eltern sind im KfW-Modell nicht vorgesehen.
Derzeit haben erst einige Bundesländer angekündigt, das Erststudium kostenpflichtig zu machen. Sollte dies flächendeckend geschehen, werden mehr Studenten mehr Geld brauchen – und wird das geplante Darlehensbudget der KfW womöglich zu knapp bestückt sein. In Deutschland machen Stipendien und Darlehen lediglich 15,5 Prozent der Hochschulausgaben aus – in den USA sind es mehr als 37 Prozent.

 

Dies hat sich dort positiv auf die soziale Zusammensetzung der Studentenschaft ausgewirkt: Im Jahr 2000 kamen an den öffentlichen, vier Jahre dauernden Colleges, die in etwa mit hiesigen Universitäten und Fachhochschulen vergleichbar sind, 22 Prozent der Studiosi aus einkommensschwachen Familien, an den teuren Privatcolleges sind es immerhin noch 20 Prozent, an den 50 besten US-Hochschulen sogar noch 18 Prozent der Studenten.
Bafög und Co. haben hierzulande indes nicht dazu geführt, dass mehr junge Leute aus weniger bildungsbeflissenen Schichten studieren:
An hiesigen Hochschulen stammten im Jahr 2000 nur 13 Prozent der Studenten aus Familien mit schwachem sozialen Hintergrund.
Dabei zahlten die amerikanischen Studiosi im vergangenen Jahr auch an den öffentlichen Hochschulen Studiengebühren von im Schnitt 5.100 Dollar. An den privaten Hochschulen, die rund jeder vierte Student besucht, wurden rund 20.000 Dollar Gebühren fällig. Zusammen mit den Lebenshaltungskosten, die 2004 zwischen 6.000 und 7.000 Dollar lagen, lassen sich derartige Summen nur mithilfe eines ausgefeilten Stipendien- und Darlehensangebots finanzieren. Dieses Budget ist durchaus stattlich bestückt:
Im Studienjahr 2003/2004 standen in den USA rund 122 Milliarden Dollar an öffentlichen Finanzierungsbeihilfen für Studenten bereit. Studienförderung in den USA
Gut die Hälfte der Summe wurde als Darlehen vergeben (Grafik), wobei der überwiegende Teil staatlich subventioniert war. Denn gut zwei Drittel der Studienfinanzierung übernimmt die amerikanische Bundesregierung, ein knappes Fünftel vergeben die Hochschulen. Knapp 9 Prozent der Studienfinanzierung bestreiten private Bankdarlehen.

 

In den Genuss von bundesstaatlich subventionierten Darlehen und Stipendien kamen im Jahr 2003 knapp 9 Millionen US-Studenten – damit wird bei sechs von zehn Studiosi das Budget auf diese Weise gefüllt. Im Schnitt erhielt jeder von ihnen 7.071 Dollar Staatshilfe.
Die große Reichweite der amerikanischen Finanzierungsprogramme kommt nicht zuletzt dadurch zustande, dass man in den USA den privaten Kapitalmarkt einbindet. Im Studienjahr 2003/2004 wurden 77 Prozent der bundesstaatlich subventionierten Darlehen von rund 56 Milliarden Dollar über das seit 40 Jahren existierende Federal Family Educational Loan Program (FFELP) von privaten Banken vergeben. Diese erhalten eine Ausfallbürgschaft in Höhe von 98 Prozent und die Zusage einer Mindestverzinsung. Zusätzlich vergeben sie rein private Darlehen, deren Zinssätze für Studierende sehr günstig sind.
Und diese sind verlässliche Klienten: Im Jahr 2000 mussten lediglich knapp 6 Prozent aller staatlich geförderten Darlehen abgeschrieben werden, weil die Kreditnehmer sie nicht zurückzahlen konnten.

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iwd - Nr. 17 vom 28. April 2005
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Wöchentliche Analysen zu wirtschafts-, sozial- und bildungspolitischen Themen.

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