65-Jährige und Ältere können einen immer größeren Beitrag zur Fachkräftesicherung in Deutschland leisten. Ihr Anteil an der Bevölkerung nimmt kontinuierlich zu und sie sind immer häufiger erwerbstätig. Während im Jahr 2005 nur 5,0 Prozent der 65- bis 74-Jährigen erwerbstätig waren, stieg dieser Anteil bis zum Jahr 2013 auf 8,7 Prozent und lag damit leicht über dem EU-Schnitt. Allerdings bestehen große regionale Unterschiede. So variierten die Erwerbstätigenquoten im Jahr 2012 zwischen 10,5 Prozent in Baden-Württemberg und 3,6 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern. Auch gibt es substanzielle Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Während 10,2 Prozent der 65- bis 74-jährigen Männer im Jahr 2012 erwerbstätig waren, traf dies nur auf 5,5 Prozent der Frauen zu. Bedeutende Einflussfaktoren auf die Wahrscheinlichkeit, dass Personen im Alter zwischen 65 und 74 Jahren länger am Erwerbsleben aktiv bleiben, sind ein hohes Bildungsabschlussniveau, eine hochqualifizierte Fach- oder Führungsposition und insbesondere eine selbstständige Tätigkeit. Damit einhergehend zeigt sich ein positiver Zusammenhang zwischen Haushaltsnettoeinkommen und Erwerbswahrscheinlichkeit. Im Jahr 2012 waren 24,3 Prozent der 65- bis 74-Jährigen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von über 4.500 Euro erwerbstätig, aber nur 4,9 Prozent derer mit einem Einkommen von unter 1.100 Euro. Eine Erwerbstätigkeit im höheren Alter ist heute also meist nicht Folge geringer Alterseinkommen, sondern guter Beschäftigungs- und Einkommensperspektiven.

Bedeutung von Fachkräften 65 plus für die Fachkräftesicherung

Für den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands ist die Fachkräftebasis von zentraler Bedeutung. Die Unternehmen können ihr Marktpotenzial nur voll ausschöpfen, wenn ihnen genügend qualifizierte Mitarbeiter für Entwicklung, Herstellung und Vertrieb ihrer Waren und Dienstleistungen zur Verfügung stehen. Allerdings tun sich bereits heute viele Unternehmen schwer, für die Besetzung offener Stellen geeignete Kandidaten zu finden. In einer Erhebung aus dem Jahr 2013 gaben 70 Prozent der Unternehmen an, dass zu wenig passende Bewerber für die Besetzung von Stellen für qualifizierte Tätigkeiten zur Verfügung stünden. 64 Prozent erwarten, dass auch in fünf Jahren die Bewerberzahl für qualifizierte Tätigkeiten nicht ausreichen wird (BMAS, 2013). In der längeren Frist dürften sich diese Engpässe noch verstärken, insbesondere wenn die geburtenstarken Jahrgänge 1955 bis 1969 altersbedingt aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden.

Vor diesem Hintergrund wird es immer wichtiger, dass die in Deutschland zur Verfügung stehenden Fachkräftepotenziale soweit wie möglich aktiviert werden. Ein bedeutendes Potenzial stellen Fachkräfte im Alter von über 65 Jahren dar, die in der Vergangenheit nur in relativ geringem Umfang im Erwerbsleben aktiv waren. Viele Personen verließen im Zuge von Vorruhestandsregelungen den Arbeitsmarkt weit vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze für die Rentenversicherung, die im Jahr 2014 bei 65 Jahren und drei Monaten lag. Im Rentenalter waren in der Vergangenheit nur wenige Personen im Erwerbsleben aktiv, obwohl sich viele Fachkräfte sehr gut vorstellen können, mit über 65 Jahren weiter zu arbeiten. In einer Repräsentativbefragung von 55- bis 64-Jährigen aus dem Jahr 2008 gaben insgesamt 47,3 Prozent an, bereit zu sein, auch nach dem Renten-/Ruhestandseintritt noch weiter zu arbeiten (Dorbritz/Micheel, 2010).

Dabei werden die Personen älterer Altersklassen immer wichtiger für die Fachkräftesicherung, da ihr Anteil an der Bevölkerung in Deutschland kontinuierlich zunimmt. Fielen im Jahr 1990 nur 19,1 Prozent der Personen in Deutschland in die Altersklasse der 55- bis 74-Jährigen, so waren es im Jahr 2000 bereits 22,3 Prozent. Bis 2014 stieg der Anteil weiter auf 24,0 Prozent und könnte Prognosen des Statistischen Bundesamts zufolge im Jahr 2020 bei 26,4 Prozent und im Jahr 2030 sogar bei 27,9 Prozent liegen (Tabelle 1). Während dabei im Jahr 2014 der Anteil der 55- bis 64-Jährigen mit 13,6 Prozent noch deutlich größer war als der Anteil der 65- bis 74-Jährigen mit 10,4 Prozent, wird sich dieses Verhältnis in den nächsten Jahren umdrehen. Bis zum Jahr 2030 werden voraussichtlich mehr Personen im Alter zwischen 65 und 74 Jahren als im Alter zwischen 55 und 64 Jahren in Deutschland leben. Damit nimmt auch die Bedeutung der Fachkräftepotenziale dieser Altersgruppe besonders zu.

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Entwicklung der Erwerbsbeteiligung von Fachkräften 65 plus

Bereits in den letzten Jahren hat die Erwerbsbeteiligung Älterer in Deutschland stark zugenommen. Waren im Jahr 2000 nur 37,4 Prozent der 55- bis 64-Jährigen in Deutschland erwerbstätig, so stieg dieser Anteil bis zum Jahr 2013 um 26,1 Prozentpunkte auf 63,5 Prozent an (Abbildung 1). Damit lag die Erwerbstätigenquote für die 55- bis 64-Jährigen im Jahr 2013 nur noch um 13,1 Prozentpunkte niedriger als der Wert für alle Personen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren mit 77,1 Prozent, wohingegen sie im Jahr 2000 nur rund halb so hoch war wie die Gesamtquote von 68,7 Prozent (Eurostat, 2014). Dieser Vergleich macht nicht nur deutlich, wie stark die Erwerbsbeteiligung der 55- bis 64-Jährigen in den letzten Jahren gestiegen ist, er zeigt auch, dass in dieser Altersgruppe nur noch in beschränktem Umfang ungenutzte Fachkräftepotenziale bestehen. Anders sieht es bei Personen im Alter zwischen 65 und 74 Jahren aus. Zwar hat sich auch die Erwerbstätigenquote für diese Altersgruppe von 3,7 Prozent im Jahr 2000 auf 8,7 Prozent im Jahr 2013 mehr als verdoppelt (Abbildung 1). Dennoch ist sie noch immer sehr niedrig. Die gestiegene Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen erhöht für die kommenden Jahre die Möglichkeit, eine weitere Zunahme bei den 65- bis 74-Jährigen zu erreichen.

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Wie dynamisch die Entwicklung der Erwerbsbeteiligung Älterer in Deutschland in den letzten Jahren verlaufen ist, macht ein Vergleich mit den anderen EU-Ländern deutlich. Lag die Erwerbstätigenquote für die 55- bis 64-Jährigen im Jahr 2005 mit 45,5 Prozent noch nahe am EU-Schnitt von 42,2 Prozent, war sie im Jahr 2013 mit 63,5 Prozent bereits um 13,4 Prozentpunkte höher als der EU-Schnitt von 50,1 Prozent (Abbildung 1). Damit war die Erwerbstätigenquote in dieser Altersgruppe höher als etwa im Vereinigten Königreich mit 59,8 Prozent, in Frankreich mit 45,6 Prozent und in Italien mit 42,7 Prozent. Im Vergleich zu Schweden lag sie allerdings immer noch um über 10 Prozentpunkte niedriger. Bei den 65- bis 74-Jährigen lag Deutschland im Jahr 2005 mit einer Erwerbstätigenquote von 5,0 Prozent noch deutlich unter dem EU-Schnitt von 6,8 Prozent und überschritt mit 8,7 Prozent erstmals im Jahr 2013 leicht den EU-Schnitt von 8,5 Prozent (Abbildung 1). Im Vereinigten Königreich und in Schweden sind die Erwerbstätigenquoten in der Altersgruppe zwischen 65 und 74 Jahren mit 15,5 und 14,5 Prozent allerdings noch immer nahezu doppelt so hoch, was zeigt, dass vor allem in dieser Altersgruppe jenseits der aktuellen Regelaltersgrenze für die gesetzliche Rentenversicherung noch große ungenutzte Fachkräftepotenziale bestehen.

Inwieweit die Fachkräftepotenziale von Fachkräften im Alter von über 65 Jahren bereits heute genutzt werden, unterscheidet sich sehr stark zwischen den Bundesländern. Waren im Jahr 2012 in Baden-Württemberg 10,5 Prozent der 65- bis 74-Jährigen erwerbstätig, so lag dieser Anteil in Mecklenburg-Vorpommern mit 3,6 Prozent bei nur rund einem Drittel dieses Wertes. Neben Baden-Württemberg wiesen Bayern mit 9,9 Prozent und Bremen mit 9,0 Prozent die zweit- und dritthöchste Erwerbstätigenquote auf. Hingegen lagen die Anteile in allen ostdeutschen Flächenländern bei unter 6 Prozent. Auch bei den 55- bis 64-Jährigen war die Erwerbstätigenquote in Baden-Württemberg mit 66,7 Prozent am höchsten, gefolgt von Bayern mit 63,5 Prozent und Schleswig-Holstein mit 62,3 Prozent. Die niedrigste Erwerbstätigenquote fand sich wiederum in Mecklenburg-Vorpommern mit 55,9 Prozent (Abbildung 2).

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Effekte von Qualifikationen und (vormaliger) beruflicher Position

Noch stärker als im Bundesländervergleich unterscheidet sich die Erwerbsbeteiligung zwischen Personen im Alter von über 65 Jahren mit unterschiedlichen Bildungsniveaus. Während 16,6 Prozent der Männer und 9,7 Prozent der Frauen mit Hochschulabschluss im Alter zwischen 65 und 74 Jahren im Jahr 2012 erwerbstätig waren, traf dies nur auf 6,2 Prozent der Männer und 4,5 Prozent der Frauen ohne berufsqualifizierenden Abschluss in der entsprechenden Altersgruppe zu (Abbildung 3). Dabei sind auch die Unterschiede zwischen den Geschlechtern bemerkenswert. So liegt die Erwerbstätigenquote bezogen auf alle 65- bis 74-jährigen Männer mit 10,2 Prozent nahezu doppelt so hoch wie die entsprechende Quote für die Frauen von 5,5 Prozent. Differenziert man nach Bildungsabschluss, so zeigt sich bei den Akademikern mit einem Unterschied von 6,9 Prozentpunkten die größte Abweichung. Vor allem bei den besser Qualifizierten besteht demnach ein großes Gefälle zwischen Männern und Frauen, was die Erwerbsbeteiligung im Rentenalter betrifft.

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Anders als das Abschlussniveau hat die Abschlussrichtung kaum einen Einfluss darauf, ob Personen im Alter zwischen 65 und 74 Jahren erwerbstätig sind. Einzige Ausnahme bildet hier ein Medizinstudium. So liegt der Anteil der Erwerbstätigen unter den Medizinern mit 30,6 Prozent etwa doppelt so hoch wie im Schnitt über alle Akademiker mit 14,5 Prozent (FDZ der statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus, 2012; Institut der deutschen Wirtschaft Köln). Der Grund hierfür dürfte sein, dass ein großer Teil der Mediziner als niedergelassene Ärzte selbstständig ist und Selbstständige sehr viel öfter im Alter noch erwerbstätig sind als abhängig Beschäftigte.

Was die Erwerbsbeteiligung im Alter betrifft, ist der Unterschied zwischen Selbstständigen und abhängig Beschäftigten enorm. Während in der Altersklasse von 65 bis 74 Jahren im Jahr 2012 noch 35,4 Prozent der aktuell oder zuletzt Selbstständigen erwerbstätig waren, traf dies nur auf 5,2 Prozent der aktuell oder zuletzt Angestellten (inklusive Arbeitern) und 1,3 Prozent der Beamten zu (Abbildung 4). Diese große Abweichung dürfte mehrere Ursachen haben. So möchten sich viele Selbstständige erst zur Ruhe setzen, wenn die Unternehmensnachfolge geklärt ist und dies ist nicht immer mit dem Erreichen des 66. Lebensjahrs der Fall. Bei abhängig Beschäftigten erschwert der arbeitsrechtliche Rahmen hingegen eine Weiterbeschäftigung im Alter, da die Arbeitsverhältnisse mit dem Erreichen der Altersgrenze für die gesetzliche Rentenversicherung regulär enden und im Anschluss eine befristete Beschäftigung auf derselben Stelle häufig nicht möglich ist.

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Allerdings gilt zu beachten, dass Personen, die über die Regelaltersgrenze für die gesetzliche Rentenversicherung hinaus beschäftigt bleiben, zum Teil ihren Beschäftigungsstatus wechseln. Insbesondere arbeiten manche vormals abhängig Beschäftigte auf Werkvertragsbasis weiter und werden damit erst im Rentenalter selbstständig. Die sich hierdurch ergebende Verschiebung ist jedoch insgesamt gesehen nur sehr gering. So lag der Anteil der aktuell oder vormals Selbstständigen im Jahr 2012 unter allen 55- bis 64-Jährigen bei 11,4 Prozent und unter allen 65- bis 74-Jährigen bei 10,1 Prozent (FDZ der statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus, 2012; Institut der deutschen Wirtschaft Köln). Die hohe Erwerbsbeteiligung Selbstständiger im Alter von 65 bis 74 Jahren ist demnach vorwiegend darauf zurückzuführen, dass Selbstständige länger im Erwerbsleben aktiv bleiben und weniger auf Änderungen des Beschäftigungsstatus.

Nicht nur der Beschäftigungsstatus, auch der aktuell oder vormals ausgeübte Beruf hat einen Einfluss auf die Erwerbsbeteiligung von Fachkräften 65 plus. In Abbildung 5 sind die Erwerbstätigenquoten 65- bis 74-Jähriger für das Jahr 2012 differenziert nach Berufshauptgruppen gemäß der Internationalen Standardklassifikation der Berufe (ISCO-88) ausgewiesen. Der höchste Erwerbstätigenanteil findet sich bei den Fachkräften in der Landwirtschaft und Fischerei mit 15,6 Prozent, was zu großen Teilen darauf zurückzuführen sein dürfte, dass die meisten von ihnen als Selbstständige eigene Betriebe bewirtschaften. An zweiter Stelle liegen mit 14,9 Prozent die Akademikerberufe – das sind zum Beispiel Mediziner, Ingenieure und Anwälte – gefolgt von den Führungskräften (Angehörige gesetzgebender Körperschaften, leitende Verwaltungsbedienstete und Führungskräfte in der Wirtschaft) mit 11,5 Prozent. Die niedrigsten Erwerbstätigenquoten finden sich mit 2,5 Prozent bei den Handwerksberufen (Bauberufe, (Industrie-) Mechaniker) und mit 4,9 Prozent bei den Bürokräften und kaufmännischen Angestellten. Insgesamt lässt sich sagen, dass Personen, die über eine sehr gute berufliche Positionierung verfügen, häufig lange im Erwerbsleben aktiv bleiben, wohingegen Personen mit Fachtätigkeiten im mittleren Qualifikationsbereich selten bis ins Rentenalter erwerbstätig bleiben.

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Erwerbsumfang

Auch wenn Frauen und Männer über das Erreichen der Regelaltersgrenze für die gesetzliche Rentenversicherung hinaus im Erwerbsleben aktiv bleiben, reduzieren sie in der Regel ihren Erwerbsumfang. So war im Jahr 2012 mit 26,7 Prozent nur rund ein Viertel der Erwerbstätigen im Alter zwischen 65 und 74 Jahren in Vollzeit erwerbstätig. Hingegen arbeiteten mit 65,1 Prozent rund zwei Drittel in kleiner Teilzeit mit einem Umfang von weniger als 20 Stunden in der Woche; 41,1 Prozent sogar mit einem Umfang von weniger als zehn Wochenstunden (Abbildung 6). Anders als bei Jüngeren nimmt die Arbeit bei den Erwerbstätigen im Alter von über 65 Jahren also meist nur noch einen geringen Teil der alltäglichen Zeitgestaltung ein.

Dabei bestehen allerdings sehr große Unterschiede zwischen abhängig Beschäftigten und Selbstständigen. Während mit 54,1 Prozent über die Hälfte der abhängig Beschäftigten im Alter zwischen 65 und 74 Jahren einer Erwerbstätigkeit im Umfang von weniger als zehn Stunden in der Woche nachgeht, trifft dies nur auf rund ein Viertel (24,9 Prozent) der Selbstständigen zu. Hingegen arbeitet mit 42,6 Prozent deutlich über ein Drittel der Selbstständigen in dieser Altersgruppe noch in Vollzeit, wohingegen dies nur rund jeder Siebte (13,9 Prozent) abhängig Beschäftigte tut. Während die Erwerbstätigkeit abhängig Beschäftigter dieser Altersklasse also in den meisten Fällen eher den Charakter eines Nebenjobs hat, sind Selbstständige häufig auch über das 65. Lebensjahr hinaus noch in vollem Umfang im Erwerbsleben aktiv.

Darüber hinaus unterscheiden sich auch die 65- bis 74-jährigen Frauen und Männer mit Blick auf den Erwerbsumfang. Arbeiten über die Hälfte (50,3 Prozent) der erwerbstätigen Frauen in dieser Altersgruppe weniger als zehn Stunden in der Woche, tut dies nur gut ein Drittel (35,5 Prozent) der Männer. Hingegen arbeitet rund ein Drittel der Männer (32,9 Prozent), aber nur ein Sechstel (16,3 Prozent) der Frauen in Vollzeit. Auch jenseits der Regelaltersgrenze für die gesetzliche Rentenversicherung ist der Erwerbsumfang von Frauen im Schnitt also deutlich niedriger als der von Männern. Des Weiteren steigt der Erwerbsumfang von Fachkräften 65 plus auch mit dem Qualifikationsniveau. Während die Hälfte (50,7 Prozent) der 65- bis 74-jährigen Erwerbstätigen ohne berufsqualifizierenden Abschluss weniger als zehn Stunden in der Woche arbeitet, trifft dies auf weniger als ein Drittel (31,0 Prozent) der Akademiker zu. In Vollzeit arbeiten hingegen 39,6 Prozent der erwerbstätigen Akademiker, aber nur 18,8 Prozent der Erwerbstätigen ohne berufsqualifizierenden Abschluss.

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Gesundheit

Für die Ausübung einer Erwerbstätigkeit sind ausreichende physische und psychische Kräfte eine Grundvoraussetzung. Da gesundheitliche Einschränkungen jedoch mit zunehmendem Alter häufiger werden, ist der Gesundheitszustand eine zentrale Determinante für die Erwerbsbeteiligung Älterer. Dies gilt umso mehr für Personen, die bereits das Rentenalter erreicht haben. Da für sie die Erwerbstätigkeit in der Regel nicht mehr die Haupteinkommensquelle darstellt, sind sie in ihrer Entscheidung darüber, ob und in welchem Umfang sie im Erwerbsleben aktiv werden wollen, deutlich freier als Jüngere, sodass für sie Faktoren wie das subjektive Wohlbefinden deutlich mehr Gewicht erhalten können.

Die Selbsteinschätzung der 65- bis 74-Jährigen mit Blick auf den Gesundheitszustand hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Empfanden im Jahr 2002 noch 30,0 Prozent der Personen dieser Altersgruppe ihren Gesundheitszustand als weniger gut oder schlecht, so waren es im Jahr 2012 nur noch 26,7 Prozent. Hingegen stieg im selben Zeitraum der Anteil derjenigen, die ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut einschätzen, von 23,6 auf 29,2 Prozent. Dabei unterscheidet sich der subjektiv wahrgenommene Gesundheitszustand allerdings relativ stark zwischen Personen mit unterschiedlichen Qualifikationsniveaus. Während 36,2 Prozent der Akademiker im Alter zwischen 65 und 74 Jahren ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut einschätzen, trifft dies nur auf 25,5 Prozent der Personen ohne berufsqualifizierenden Abschluss zu (Abbildung 7).

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Wie zu erwarten, bestehen auch zwischen erwerbstätigen und nicht erwerbstätigen Fachkräften 65 plus große Unterschiede. So schätzt mit 45,4 Prozent fast die Hälfte der Erwerbstätigen im Alter zwischen 65 und 74 Jahren ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut ein im Vergleich zu nur 27,3 Prozent der Nichterwerbstätigen. Allerdings sagen auch 14,2 Prozent der Erwerbstätigen, dass ihr Gesundheitszustand weniger gut oder schlecht sei. Ein subjektiv wahrgenommener guter oder zumindest zufriedenstellender Gesundheitszustand ist also offensichtlich zwar eine gute Ausgangslage, jedoch keine zwingende Voraussetzung für eine Erwerbsbeteiligung im Rentenalter.

Nicht in jedem Fall stimmen selbst eingeschätzter und tatsächlicher Gesundheitszustand überein. Daher sollen Einschränkungen beim Treppensteigen und bei weiteren anstrengenden Tätigkeiten im Alltag im Folgenden als weitere Indikatoren für die Gesundheit betrachtet werden. Auch hier zeigt sich eine deutliche Verbesserung in der vergangenen Dekade. Während im Jahr 2002 noch 23,5 Prozent der 65- bis 74- Jährigen starke Einschränkungen beim Treppensteigen (Abbildung 8) und 29,8 Prozent bei anderen anstrengenden Tätigkeiten im Alltag (Abbildung 9) hatten, traf dies im Jahr 2012 nur noch auf 20,9 und 27,0 Prozent zu. Ebenso zeigt sich bei diesen Indikatoren dasselbe Gefälle zwischen Hoch- und Niedrigqualifizierten wie beim selbst eingeschätzten Gesundheitszustand.

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Auch die Ergebnisse mit Blick auf die Erwerbsbeteiligung bestätigen sich. So liegen die Anteile der beim Treppensteigen und bei anderen anstrengenden Tätigkeiten stark Eingeschränkten mit 22,2 und 28,9 Prozent bei den Nichterwerbstätigen zwar mehr als doppelt so hoch als mit 9,2 und 10,1 Prozent bei den Erwerbstätigen. Dennoch ist ein bedeutender Teil der erwerbstätigen Fachkräfte im Alter zwischen 65 und 74 Jahren trotz dieser Einschränkungen im Erwerbsleben aktiv.

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Bedeutung des Haushaltskontexts

Vorwiegend bedingt durch die Tatsache, dass gut Qualifizierte in gehobenen beruflichen Positionen besonders lange im Erwerbsleben aktiv sind, zeigt sich auch ein positiver Zusammenhang zwischen der Erwerbsbeteiligung über 65-Jähriger und dem ihnen zur Verfügung stehenden Haushaltseinkommen. Während im Jahr 2012 nur 4,9 Prozent der 65- bis 74-Jährigen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von unter 1.100 Euro erwerbstätig waren, traf dies auf 24,3 Prozent derjenigen mit einem Einkommen von über 4.500 Euro zu (Abbildung 10). In der höchsten Einkommensklasse lag die Erwerbsbeteiligung also rund fünfmal so hoch wie in der niedrigsten.

Differenziert man zwischen Männern und Frauen, zeigt sich für beide Geschlechter ein ähnliches Bild, das deutlich macht, dass die Erwerbsbeteiligung bei höherem Haushaltsnettoeinkommen höher liegt. Einzige Ausnahme bilden die niedrigsten Einkommensklassen. So ist die Erwerbsbeteiligung bei den Männern bei einem Haushaltseinkommen von 1.100 bis unter 1.700 Euro um 0,7 Prozentpunkte niedriger als bei einem Haushaltseinkommen von unter 1.100 Euro. Bei den Frauen ist die Erwerbsbeteiligung in der Einkommensklasse zwischen 1.700 und 2.300 Euro am niedrigsten, wobei sich die Anteile in den untersten Einkommensklassen nur marginal unterscheiden. In den hohen Einkommensklassen zeigen sich beträchtliche Unterschiede in der Erwerbsbeteiligung zwischen Männern und Frauen. Während mit 31,5 Prozent rund ein Drittel der Männer im Alter zwischen 65 und 74 Jahren mit Haushaltseinkommen von über 4.500 Euro erwerbstätig ist, ist der Anteil bei den Frauen in dieser Einkommensklasse mit 15,0 Prozent nur rund halb so hoch. Dies spiegelt teilweise die deutlichen Unterschiede zwischen hochqualifizierten Männern und Frauen wider.

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Vor dem Hintergrund der großen Unterschiede zwischen Männern und Frauen ist bemerkenswert, dass der Beziehungsstatus kaum einen Einfluss auf die Erwerbsbeteiligung von Fachkräften 65 plus hat (Abbildung 11). So waren im Jahr 2012 mit 8,1 Prozent unwesentlich mehr Verheiratete im Alter zwischen 65 und 74 Jahren erwerbstätig als Alleinstehende mit 7,2 Prozent und Personen in nichtehelichen Lebensgemeinschaften mit 7,7 Prozent. Bei den Frauen sind, wie zu erwarten, zwar die Alleinstehenden mit 6,0 Prozent etwas häufiger erwerbstätig als die Verheirateten mit 5,3 Prozent. Allerdings ist der Unterschied auch hier letztlich marginal.

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Ein völlig anderes Bild ergibt sich, wenn nach dem Erwerbsstatus der Partnerin oder des Partners differenziert wird. So sind 30,8 Prozent der 65- bis 74-Jährigen, die sich in einer Ehe oder nichtehelichen Lebensgemeinschaft befinden und deren Partner erwerbstätig ist, auch erwerbstätig, aber nur 4,5 Prozent derjenigen, deren Partner nicht erwerbstätig ist (Abbildung 12). Dabei sind Frauen im Alter zwischen 65 und 74 Jahren, deren Partner erwerbstätig ist, mit 31,7 Prozent sogar noch häufiger erwerbstätig als Männer, deren Partnerin erwerbstätig ist, mit 30,3 Prozent. Ein Grund hierfür kann sein, dass in Partnerschaften die Frauen typischerweise jünger sind als die Männer. Differenziert man nach Art des Bildungsabschlusses, so zeigt sich für alle Qualifikationsstufen, dass die Erwerbsbeteiligung wesentlich höher ist, wenn der Partner auch erwerbstätig ist. Ein Zusammenhang der im Übrigen auch für Personen im Alter zwischen 55 und 64 Jahren gilt (FDZ der statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus, 2012; Institut der deutschen Wirtschaft Köln). Der Hauptgrund hierfür dürfte darin liegen, dass die meisten Paare ihren Lebensabend gemeinsam gestalten wollen. Ist der Partner nicht mehr erwerbstätig, so wird viel Zeit für gemeinsame Aktivitäten wie Reisen benötigt, ist er noch erwerbstätig, bleibt hingegen auch Zeit für eine eigene Erwerbstätigkeit.

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In der Zusammenschau legen die Ergebnisse nahe, dass eine Erwerbstätigkeit im Rentenalter in den allermeisten Fällen nicht aus geringen Alterseinkommen und damit verbundenen finanziellen Engpässen resultiert. Vielmehr arbeiten vor allem die gut Qualifizierten weiter, denen das Erwerbsleben besonders interessante berufliche Positionen bietet. Dabei sind Selbstständige besonders häufig im Alter zwischen 65 und 74 Jahren im Erwerbsleben aktiv, was zu bedeutenden Teilen darauf zurückzuführen sein dürfte, dass ein Weiterarbeiten von abhängig Beschäftigten auf der bisherigen Stelle arbeitsrechtlich schwierig sein kann. Allerdings deutet einiges darauf hin, dass das erzielbare Einkommen bei der Entscheidung darüber, ob sie weiterhin erwerbstätig bleiben wollen, nur eine untergeordnete Rolle spielt. So sind etwa Fachkräfte 65 plus, deren Partner nicht erwerbstätig ist, unabhängig vom Qualifikationsniveau weitaus seltener erwerbstätig als Personen im entsprechenden Alter, deren Partner noch erwerbstätig ist.

IW-Trends

Ina Esselmann / Wido Geis: Fachkräfte 65 plus - Erwerbstätigkeit im Rentenalter

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Literatur

BMAS - Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 2013, Unternehmensbarometer - Fachkräftesicherung 2013, Berlin

Dorbritz, Jürgen / Micheel, Frank, 2010, Weiterbeschäftigung im Rentenalter - Potenziale, Einstellungen und Bedingungen, Bevölkerungsforschung: Mitteilungen aus dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 31. Jahrgang, Wiesbaden

Eurostat, 2014, Bevölkerung

FDZ der statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus, 2012, Wiesbaden

Statistisches Bundesamt, 2014, Genesis-Online Datenbank: Bevölkerungsstand, Wiesbaden

Statistisches Bundesamt, 2015, Bevölkerung Deutschlands bis 2060 – Ergebnisse der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden

Ansprechpartner

Die Alten kommen
iwd, Nr. 19 vom 7. Mai 2015

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Die deutsche Bevölkerung altert. Im Jahr 2030 werden bereits 27 Prozent der Bundesbürger das 65. Lebensjahr erreicht haben. Weil die Zahl der Jüngeren gleichzeitig sinkt, müssen Ältere dafür gewonnen werden, länger berufstätig zu bleiben, damit genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen. mehr

Erwerbstätigkeit im Rentenalter
Pressemitteilung, Nr. 22 vom 6. Mai 2015

Erwerbstätigkeit im Rentenalter Mit 65 ist immer seltener SchlussArrow

Im Jahr 2013 arbeiteten in Deutschland 8,7 Prozent der 65- bis 74-Jährigen. Damit sind hierzulande mittlerweile mehr Angehörige der Generation „65 plus“ erwerbstätig als im EU-Durchschnitt. Die Quote ist allerdings noch weit entfernt von den europäischen Spitzenreitern. Das zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Die Analyse räumt zudem mit dem Vorurteil auf, dass Ältere vor allem arbeiten gehen, um der Altersarmut zu entkommen. mehr