Die Hoffnung, dass die Weltwirtschaft im Sommer 2002 beschleunigt aufwärts tendieren würde, hat sich nicht erfüllt. Der neuerliche Kurssturz an den amerikanischen und europäischen Aktienbörsen, die anziehenden Rohölpreise und die Sorge vor einer Eskalation des Irak-Konflikts haben hierfür gesorgt. Dies wirkte sich auch auf die deutsche Konjunktur aus. Sie wurde im Laufe dieses Jahres von einer neuerlichen Schwäche befallen. Doch es waren keinesfalls nur ungünstige weltwirtschaftliche Einflüsse, die hierzu beigetragen haben. Im Kern der neuerlichen Konjunkturschwäche stehen vielmehr die bekannten Defizite des Investitions- und Produktionsstandorts Deutschland, vor allem die verhärteten ordnungspolitischen Mängel. Hinzu kamen die Tarifkonflikte und die zu hohen Abschlüsse der Lohnrunde 2002. Der damit erzeugte Lohnstückkostendruck hat zusammen mit der Höherbewertung des Euro die Wettbewerbskraft der deutschen Wirtschaft vermindert. Vor diesem Hintergrund wird das reale Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr mit etwa der gleichen unbefriedigenden Rate wie 2001 (0,6 Prozent) zulegen. Im kommenden Jahr könnte ein Wirtschaftswachstum von etwa 1¾ Prozent erreicht werden. Hinter dieser recht zuversichtlichen Prognose steht die Annahme, dass die Aktienkurse in diesem Herbst eine untere Auffanglinie erreichen und dann freundlicher tendieren. Außerdem wurde unterstellt, dass von den Rohölpreisen und dem Euro-Wechselkurs keine konjunkturschädigenden Wirkungen ausgehen werden. Diese leichte Konjunkturerholung wird den Arbeitsmarkt nur wenig entlasten. Der diesjährige Rückgang der Erwerbstätigen um 190.000 kann 2003 bei weitem nicht wettgemacht werden. Die Zahl der Arbeitslosen wird die 4-Milllionen- Grenze im Jahresdurchschnitt nicht unterschreiten.

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