Das französische Bruttoinlandsprodukt ist im Zeitraum 1995 bis 2002 insgesamt deutlich stärker gewachsen als das der deutschen Wirtschaft. Dieser Wachstumsvorteil Frankreichs kann im Wesentlichen durch die ökonomischen Folgewirkungen der deutschen Wiedervereinigung erklärt werden. Das sind zum einen die wachstumsbremsenden Anpassungsprozesse in der deutschen Bauwirtschaft, zum anderen die vorwiegend vereinigungsbedingt höhere Abgabenbelastung. Wenn man dies berücksichtigt, erlebte Frankreich lediglich in den Jahren 1998 und 1999 im Gegensatz zu Deutschland einen sehr kräftigen, aber bald darauf wieder abflachenden Konjunkturboom. Dieser wurde vor allem von einem kräftigen Beschäftigungsaufbau getragen, der wiederum auf eine im Vergleich zu Deutschland ausgeprägte Lohnzurückhaltung Frankreichs in den Vorjahren zurückzuführen ist. Zudem haben Arbeitsmarktreformen diesen Beschäftigungserfolg erleichtert, wenngleich der französische Arbeitsmarkt insgesamt immer noch stärker reguliert ist als der deutsche. Die Wachstumsbedingungen sind insgesamt gesehen in Frankreich nicht besser als in Deutschland.

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