Seit der Wiedervereinigung haben die deutschen Gewerkschaften mehrere Millionen Mitglieder verloren. Eine empirische Analyse auf Basis der seit dem Jahr 1980 im Zwei-Jahres-Rhythmus durchgeführten Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS) zeigt, dass sich die Verluste in Westdeutschland fast gleichmäßig auf verschiedene Berufs- und Qualifikationsgruppen verteilen und in kleineren Betrieben ebenso wie in größeren Betrieben zu beobachten sind. Eine Ausnahme stellen Großbetriebe mit 4.000 und mehr Beschäftigten dar. Dort war die Mitgliederentwicklung relativ stabil. Das deutet darauf hin, dass trotz der Erosion gewerkschaftlicher Organisationsmacht noch Gewerkschaftsdomänen bestehen. Ursächlich für die abnehmende Organisationsneigung ist zum einen ein sich selbst verstärkender Prozess: Wo immer weniger Arbeitnehmer Gewerkschaftsmitglied sind, sinken die Chancen, dass ein Nichtmitglied in seinem sozialen Umfeld Kontakt mit einem Mitglied aufnimmt, das ihn wirbt. Zum anderen ist die Bereitschaft, sich in einer Gewerkschaft zu organisieren, in den neunziger Jahren deutlich zurückgegangen.

IconDownload | PDF