Zu Weihnachten darf es etwas Besonderes sein und so landen auf den Weihnachtstafeln häufig Fleischgerichte – die Weihnachtsgans ist weiterhin sehr beliebt. Entsprechend hoch ist die Fleischproduktion in den Wintermonaten. Insgesamt aber nimmt der Fleischkonsum in Deutschland in den letzten Jahren ab. Diese Entwicklung lässt sich nicht in erster Linie auf Preissteigerungen zurückführen. Vielmehr zeichnet sich ein genereller Trend zu weniger Fleischkonsum in Deutschland ab. Im europäischen Vergleich wird Umfragen zufolge in Deutschland sogar am seltensten Fleisch verzehrt. Der Anteil der Vegetarier ist jedoch weiterhin mit geschätzten rund 3 Prozent der Bevölkerung sehr gering. Hinzu kommen noch 12 Prozent sogenannte Flexitarier, die Fisch und Fleisch nur ab und zu konsumieren.

Fleischskandale bewirken einen Rückgang des generellen Fleischkonsums, allerdings vergessen die Verbraucher schnell und der Konsum steigt wieder an. Es gibt somit einen allgemeinen Trend zu weniger Fleischkonsum, der immer mal wieder durch kurzfristige Ausweichreaktionen überlagert wird, wenn außergewöhnliche Skandale das Vertrauen in das Lebensmittel erschüttern. Die Warnung der WHO, basierend auf mehr als 800 Studien, dass mehr als 50 Gramm Wurst und rotes Fleisch pro Tag krebserregend sein könnte, wird den allgemeinen Trend deshalb allenfalls unterstützen.

Denn schon heute ist die Bereitschaft zu alternativem Konsum (Gemüse, weniger rotes Fleisch, mehr Geflügel oder Fisch) vor allem in den südeuropäischen Staaten hoch, während die Skandinavier lieber bei Steak und Schweinefilet bleiben. Beim Spitzenreiter im Fleischkonsum Dänemark steht sogar bei 80 Prozent Fleisch mehr als viermal pro Woche auf dem Speiseplan. Obwohl es dort ein Fünftel mehr kostet als im EU15 Durchschnitt. Zumindest die Dänen scheint das Fleisch (bisher) weder unglücklich noch krank zu machen, sind sie doch seit Jahrzehnten die zufriedensten Menschen aller OCED Staaten. Umfragen bestätigen auch, dass Fleisch Männersache ist. Männer essen mehr und lieber Fleisch als Frauen – fast ein Drittel der deutschen Männer, aber nur knapp 13 Prozent der Frauen sagen, sie würden mehr als viermal pro Woche Fleisch essen. Zugleich kommt Fleisch bei einem Drittel der Frauen nur höchstens ein-mal pro Woche auf den Tisch – dabei liegt Schweinefleisch mit fast 2/3 des Fleischkonsum von über 60 Kilo pro Person und Jahr seit Jahrzehnten an der Spitze.

Während der Konsum in Deutschland rückläufig ist, boomt der Export (v.a. in die EU28 Staaten) und damit auch die Fleischproduktion – 800 Millionen Tiere, und damit 300 Millionen mehr als noch vor 15 Jahren, wurden in Deutschland 2014 geschlachtet.

Fleisch ist und bleibt somit in Deutschland ein wichtiger Bestandteil der Ernährung und der Produktion. Die weitere Verbesserung der konventionellen Tierhaltung und der Ausbau beim Biofleisch sowie die Umsetzung der guten Vorsätze („weniger Fleisch tut es auch“) werden die Entwicklungen in den nächsten Jahren begleiten. Eine radikale Veränderung wird es aber kaum geben, da die Menschen ihre Gewohnheiten nur sehr langsam ändern. Und der Kauf von Biofleisch scheitert dann oft an der fehlenden Bereitschaft den höheren Preis bezahlen zu wollen. Vielleicht hilft da ein verhaltensökonomischer „Trick“: „Der Preis für Biofleisch ist höher als für konventionelles Fleisch? Davon habe ich nichts bemerkt, ich kaufe immer Fleisch für 30 Euro pro Woche.“ Da zudem viele Lebensmittel im Abfall landen, ist dies ein Weg, der allen nutzt – der Umwelt, den Tieren und der Gesundheit der Menschen.

Datenanalyse

Theresa Eyerund: Fleischkonsum in Deutschland und Europa – Ausgewählte Zahlen und Fakten

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

11. Januar 2017

Lohnstückkosten Die Kostenbelastung bleibt hochArrow

Die deutsche Industrie muss im Vergleich zur internationalen Konkurrenz weiterhin mit einem deutlichen Kostennachteil zurechtkommen. In den Jahren seit der Finanz- und Wirtschaftskrise sind die Lohnstückkosten in Deutschland sogar deutlich schneller gestiegen als im Ausland. mehr auf iwd.de

5. Januar 2017

Forschungsausgaben Aller guten Dinge sind 3,5Arrow

Die deutsche Wirtschaft hat im Jahr 2015 mehr denn je in Forschung und Entwicklung investiert. Doch um zur internationalen Spitze aufzuschließen, reicht das gesamtwirtschaftliche Engagement noch nicht aus. Die Bundesregierung wäre deshalb gut beraten, endlich eine steuerliche Forschungsförderung auf den Weg zu bringen. mehr auf iwd.de

14. Dezember 2016

Pressefreiheit Wenig Vertrauen in die Medien Arrow

Die EU-Kommission hat untersucht, inwieweit die EU-Bürger Vertrauen in die Arbeit der Medien haben. In Deutschland schneiden die Berichterstatter gut ab. Andernorts sind die Menschen deutlich skeptischer. mehr auf iwd.de