In vielen Ländern der Eurozone haben Regierungen, Unternehmen und private Haushalte den Prozess der Bereinigung ihrer Bilanzen noch nicht erfolgreich abgeschlossen. Die Schuldenstände sind nach wie vor hoch und drohen bei negativen Entwicklungen, wie dem Entstehen einer Deflation, nicht mehr tragfähig zu werden. Die Situation in einigen Ländern der Eurozone ist vergleichbar mit der eines Patienten, der sich von einer schweren Krankheit erholt, dessen Immunsystem ihn aber noch nicht hinreichend vor weiteren Infektionen schützt.

Trotz der noch instabilen Situation der Eurozone stehen die umfangreichen geldpolitischen Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Kritik. Dieser Beitrag zeigt, dass die aktuelle Geldpolitik der EZB vor dem Hintergrund einer noch nicht überwundenen Bilanzrezession geboten ist. Zudem sind diese Maßnahmen weder ein Abgesang an einen möglichst baldigen Ausstieg aus dem Niedrigzinsumfeld, noch ein Abgesang an eine Fortführung von angebotsseitigen Reformen. Vielmehr müssen das Potentialwachstum der Eurozone steigen und die Inflationserwartungen in die Nähe des geldpolitischen Inflationsziels zurückkehren, um eine erfolgreiche Entschuldung zu ermöglichen und die Bilanzrezession zu beenden. Erst nach Überwindung der Bilanzrezession kann ein erfolgreicher Ausstieg aus dem Niedrigzinsumfeld erfolgen.

Trotz ihrer erheblichen Nebenwirkungen ist die aktuelle ultra-expansive Geldpolitik geboten; es ist aber erforderlich, dass die Politik sämtliche ihrer Nebenwirkungen abmildert. Dazu gehört u.a. eine entschlossene Fortführung der angebotsseitigen Reformmaßnahmen durch die Regierungen der Eurozone.

IW policy paper

Markus Demary / Michael Hüther: Gefährden die unkonventionellen Maßnahmen der EZB den Ausstieg aus dem Niedrigzinsumfeld?

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IW policy paper

Markus Demary / Michael Hüther: Does the ECB’s Unconventional Monetary Policy Endanger the Exit from the Current Low Interest Rate Environment?

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Ansprechpartner

10. Januar 2017

Geldpolitik Bargeld bremst Wirkung der GeldpolitikArrow

Die Europäische Zentralbank flutet die Märkte seit Jahren mit Geld, um die Inflation anzukurbeln. Die althergebrachte Methode funktioniert jedoch nicht mehr. Einer der Gründe: Die EU-Bürger horten Bargeld. mehr auf iwd.de

The U.S. experience should lead the way
Gastbeitrag, 3. Januar 2017

Michael Hüther in The International Economy The U.S. experience should lead the wayArrow

Despite of the European Central Bank’s (ECB) accommodative monetary policy stance, Euro Area inflation expectations remain persistently depressed. Financial intermediaries’ interest rate margins have been squeezed and the secondary market for sovereign debt is running out of bonds. As a consequence more and more European economists call for a tool of last resort – helicopter money. A contribution by Michael Hüther for The International Economy, a specialized quarterly magazine. mehr

IW-Analyse, 22. Dezember 2016

Jürgen Matthes / Anna Iara / Berthold Busch Die Zukunft der Europäischen WährungsunionArrow

Diese IW-Analyse untersucht, welche institutionelle Architektur nötig ist, um den Euroraum dauerhaft zu stabilisieren. In der öffentlichen Debatte wird zunehmend behauptet, die Krise habe gezeigt, dass die Europäische Währungsunion (EWU) ohne mehr fiskalische Integration nicht zukunftsfähig sei. mehr