Unternehmen haben längst erkannt, dass Frauen auch in Führungspositionen gehören. Wissenschaftliche Untersuchungen der Einführung einer Quote in Norwegen und im Experimentallabor legen hingegen nahe, dass die Förderung der Aufstiegsmöglichkeiten von Frauen über eine Quotenregelung sowohl von den Benachteiligten als auch von den Begünstigten als ungerecht wahrgenommen wird und schließlich zu Effizienzverlusten führt. Vor allem eine starke Diskrepanz von gesetzlichem Quotenniveau zu aktuellem Frauenanteil führte in Norwegen zu Umsetzungsschwierigkeiten und Umsatzeinbußen. In männerdominierten Unternehmen, welche ad hoc bis zu 40 Prozent ihrer Aufsichtsräte durch Frauen ersetzen mussten, sank der Börsenwert signifikant stärker als bei Unternehmen, die bereits einen hohen weiblichen Führungsanteil aufwiesen (der durchschnittliche Kursabschlag lag bei 17 Prozent) – und zwar auch über mehrere Jahre hinweg.

Auch die Zahlung von gerechten Löhnen liegt im Interesse des Unternehmens, da nur als gerecht angesehene Löhne auch eine hohe Arbeitsleistung der Mitarbeiter als Gegenleistung hervorrufen. Die Festlegung eines Mindestlohns durch Dritte verändert jedoch das Gerechtigkeitsempfinden nachhaltig. Durch die gesetzte Lohnuntergrenze steigt die Lohnerwartung insgesamt und der Arbeitgeber muss höhere Löhne zahlen, um die Arbeitsmotivation aufrecht zu erhalten. Das bedeutet, es entstehen höhere Personalkosten – auch für die Gruppen oberhalb des Mindestlohns – bei gleicher Arbeitsmotivation.

Die Ergebnisse der experimentellen Studien verdeutlichen, dass eine kurzsichtige und vorschnelle Einführung einer Frauenquote oder eines überhöhten Mindestlohns zur Schwächung von Chancen- und Leistungsgerechtigkeit sowie Arbeitsmotivation führen kann. Damit die betroffenen Mitarbeiter nicht in ihrem Gerechtigkeitsempfinden enttäuscht werden und in der Folge weniger motiviert und leistungsorientiert sind, sollten politische Maßnahmen niemals eine kurzfristige Zielerreichung über den langfristigen Entwicklungsvorgang heben und externe Effekte außer Acht lassen. Geht eine politische Intervention schief, lässt sie sich nicht ohne weiteres rückgängig machen, da sich Einstellungen und Präferenzen der betroffenen Akteure bereits an den neuen Status Quo angepasst haben.

IW policy paper

Mara Ewers / Andrea Hammermann: Quid pro quo – Die Rolle des Gerechtigkeitsempfindens bei politischen Interventionen

IconDownload | PDF

Ansprechpartner

RHI-Diskussion-28
RHI-Publikation, 21. September 2016

Bernhard Dietz / Dominik Enste / Theresa Eyerund Mythos Generation Y?Arrow

Die Generation Y – gibt es die wirklich? Ein Historiker und zwei Ökonomen gehen dem populären Mythos über die Jugend von heute nach und zeigen, worin und warum diese sich von ihren Eltern unterscheidet. mehr

8. September 2016

Nachruf Reinhard Selten Der – begrenzt – rationale MenschArrow

Der einzige deutsche Träger des Wirtschaftsnobelpreises ist am 23. August im Alter von 85 Jahren gestorben. Reinhard Seltens Arbeiten zur Spieltheorie prägen die moderne Wirtschaftsforschung, weil sie zwei Grundannahmen des Fachs hinterfragen: die Rationalität der Menschen und ihr ausschließliches Streben nach dem eigenen Gewinn. mehr

1. September 2016

Ernährung Gesundheitsbewusste BundesbürgerArrow

Ziemlich genau die Hälfte der Bundesbürger gibt an, „stark“ oder sogar „sehr stark“ auf eine gesundheitsbewusste Ernährung zu achten. Dabei gibt es jedoch große regionale Unterschiede. mehr auf iwd.de