In jüngerer Zeit werden in der internationalen ökonomischen Debatte wirtschaftspolitische Forderungen laut, die deutlich von einer Nachfrageorientierung und weniger von einer angebotsorientierten liberalen Sicht geprägt sind. Sie gehen teilweise recht weit oder scheinen einer stabilitätsorientierten Wirtschaftspolitik entgegenzustehen. So wird beispielsweise vorgeschlagen, die fiskalpolitischen Regeln in Europa aufzuweichen, die extrem expansive Geldpolitik mit sehr niedrigen Zinsen für lange Zeit beizubehalten, die Inflation deutlich zu erhöhen, das Bargeld abzuschaffen, Schuldenschnitte bei Staaten durchzuführen sowie die Umverteilung von Einkommen und Vermögen stark zu erhöhen.

Diese Forderungen erhalten aus verschiedenen Gründen hohes Gewicht in der öffentlichen internationalen Debatte. Erstens werden sie durch plakative Schlagworte in die öffentliche Debatte eingebracht. Das gilt zum einen für die Diskussion über eine vermeintlich drohende Säkulare Stagnation, zum anderen für die von Piketty angestoßene Kapitalismus- und Umverteilungsdebatte. Zweitens werden sie von prominenten ökonomischen Vertretern befürwortet. Zahlreiche renommierte internationale Makroökonomen äußern die Sorge vor einer Säkularen Stagnation – und auch der vormals wenig bekannte Piketty hat inzwischen einen hohen Grad an Bekanntheit erreicht. Drittens basieren diese Forderungen auf einem zunächst wohlfundiert erscheinendem makroökonomischem Fundament.

Obwohl diese ökonomischen Debatten bisher nur auf begrenzten Widerhall in der deutschen Öffentlichkeit stoßen, darf ihre Relevanz nicht unterschätzt werden. Die international geführte Diskussion wird in Zukunft auch hierzulande immer mehr zu spüren sein. Denn die internationalen Organisationen IWF, EU-Kommission und vor allem die OECD scheinen ihre wirtschaftspolitische Ausrichtung teilweise grundlegend zu ändern. War der Blickwinkel zuvor recht klar angebots-, effizienz- und wachstumsorientiert, sieht es nun nach einer Prioritätsverschiebung hin zu mehr Nachfrage-Orientierung und zu einer stärkeren Befürwortung von Umverteilung aus. Studien einiger internationaler Organisationen mit Forderungen nach mehr Umverteilung auch in Deutschland und die Flexibilitätsinterpretation der EU-Kommission zum Stabilitäts- und Wachstumspakt sind dafür nur zwei Beispiele.

Das vorliegende IW policy paper unterstreicht die Relevanz dieser makroökonomischen Debatten. Es erläutert die Begründungsmuster der oben genannten wirtschaftspolitischen Forderungen und gibt eine erste kritische Bewertung ab. Auch zeigt es den weiteren Forschungsbedarf vor allem mit Blick auf das Thema Säkulare Stagnation auf.

IW policy paper

Jürgen Matthes: Liberale Wirtschaftspolitik im Zeichen der Debatte über Säkulare Stagnation und Pikettys Kapitalismuskritik

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26. September 2016

Geldpolitik Draghische EntscheidungenArrow

Seit 2008 zieht die Europäische Zentralbank (EZB) ein geldpolitisches Instrument nach dem anderen aus dem Hut, um die Märkte zu stabilisieren, die Wirtschaft zu beleben oder – wie derzeit – die Inflation anzukurbeln. Weil bislang nicht alle erhofften Wirkungen eingetreten sind, soll EZB-Chef Mario Draghi nach dem Willen einiger Ökonomen noch tiefer in die geldpolitische Trickkiste greifen. Doch das ist nicht notwendig. Denn tatsächlich wirkt die Niedrigzinspolitik – auf dem Arbeitsmarkt. mehr auf iwd.de

Zinsentscheidung der Federal Reserve
IW-Nachricht, 22. September 2016

Zinsentscheidung der Federal Reserve Normalisierung der Geldpolitik immer unwahrscheinlicher Arrow

Die US-amerikanische Federal Reserve Bank (Fed) hat die Erhöhung des Leitzinses erneut aufgeschoben. Im vorigen Jahr hatte die Fed ihre Niedrigzinspolitik zwar offiziell beendet. Doch trotz guter Arbeitsmarktdaten gab es seitdem keine weiteren Zinsschritte. Vom „normalen“ Leitzins, der in den USA bei 4 Prozent läge, ist die Zentralbank also weit entfernt – und müsste im Abschwung wie Europa auf negative Zinsen setzen. mehr

The Contribution of Supply and Demand Factors to Low Inflation
IW-Kurzbericht, 20. September 2016

Michael Hüther / Markus Demary IW Monetary Outlook: The Contribution of Supply and Demand Factors to Low InflationArrow

Eurozone inflation underperforms since the beginning of 2013 and monetary policy struggles to stabilize it since then. The items of the aggregate inflation rate indicate that low inflation is due to both supply and demand factors and weak demand is caused by indebtness and unemployment. Additional monetary policy measures are not required in the current situation because monetary policy has long lags when economies are indebted and it already helped to reduce cyclical unemployment. mehr