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Der World Giving Index (WGI), der jährlich von der Charities Aid Foundation veröffentlicht wird, bietet umfassende Ergebnisse zu Wohltätigkeit im internationalen Vergleich. Für den Index wurden durchschnittlich 1.000 Personen pro Land gefragt, ob sie innerhalb des vorherigen Monats (1.) Geld an eine Wohlfahrtsorganisation gespendet, (2.) ehrenamtlich gearbeitet oder (3.) einer fremden Person geholfen haben.

Platz eins der jüngsten WGI-Auswer¬tung aus dem Jahr 2011 belegen die USA, dicht gefolgt von Irland und Australien. Deutschland belegt im weltweiten Ranking der Wohltätigkeit Platz 26. Doch nicht nur zwischen den Ländern, sondern auch innerhalb der Länder zeigen die Ergebnisse deutliche Unterschiede in der Form der Wohltätigkeit auf (siehe Abbildung). Die Anzahl der Personen, die Geld gespendet haben, ist in nahezu allen Ländern größer, als die der ehrenamtlich engagierten Personen. In Deutschland haben in den Jahren 2010 und 2011 jeweils 49 Prozent der Befragten im Untersuchungszeitraum Geld gespendet, während nur 26 bzw. 28 Prozent (2010) einer ehrenamtlichen Tätigkeit nachgegangen sind.

Wohltätigkeit ist in Deutschland verbreitet...

In Deutschland hat das Spenden von Geld eine lange Tradition. Geldspenden liefern einen wesentlichen Beitrag zur Katastrophenhilfe und erfüllen eine wichtige Rolle bei der Realisierung oder Unterstützung von Aufgaben im sozialen und kulturellen Bereich sowie in internationalen Hilfsorganisationen. Auch das ehrenamtliche Engagement ist in der deutschen Gesellschaft fest verankert. Rund 600.000 eingetragene Vereine, über 16.000 Stiftungen und zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen in anderen Rechtsformen belegen eine große Bereitschaft der Bürger, Zeit, Energie und Ideen für gesellschaftliche Belange einzusetzen.

…, aber was macht Geldspenden attraktiver?

Teilweise werden Geldspenden als eine Art „Freikauf“ von ehrenamtlichem Engagement dargestellt. Personen, die nur ungern ihre Freizeit opfern, aber sich dennoch wohltätig engagieren möchten – so die Hypothese –, geben lieber Geld als Zeit. In zahlreichen Studien konnte jedoch nachgewiesen werden, dass insbesondere engagierte Personen auch häufiger bereit sind Geld zu spenden als der Durchschnitt der Bevölkerung. Das Spenden von Geld ist also nicht als ein komplementäres Gut zu ehrenamtlichem Engagement anzusehen.

Anreize und Gelegenheiten für das Ehrenamt

Neben Altruismus und den gesellschaftlichen Forderungen besteht noch ein weiterer Anreiz zum Geldspenden: Wer spendet, kann in vielen Ländern diese Beträge von der Steuer absetzen. Außerdem mangelt es im Gegensatz zu Spendenmöglichkeiten häufig an Informationen über Möglichkeiten des Engagements. Unausgeschöpfte Engagementpotenziale könnten zum Beispiel durch entsprechende regionale Cluster, Förderungen zur Kooperation von NGOs und Unternehmen sowie einen erleichterten Zugang zu Informationen über Gelegenheiten für freiwilliges Engagement genutzt werden.

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