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Laut der jüngsten Eurobarometer-Umfrage zum Anstieg der Korruption, die im September 2011 in den 27 EU-Mitgliedstaaten durchgeführt wurde, empfinden 74 Prozent der Europäer und 57 Prozent der Deutschen die Korruption in ihrem Land als großes Problem. 12 Prozent der befragten Deutschen gaben an, im Alltagsleben von Korruption betroffen zu sein. Laut Bundeskriminalamt lag der durch gemeldete Korruptionsfälle verursachte Schaden allein im Jahr 2010 bei rund 176 Millionen Euro. Das gesamte Schadensausmaß kann nicht exakt beziffert werden, wird für Deutschland aber auf über 5 Milliarden Euro jährlich geschätzt.

Angesichts dieser Zahlen darf nicht vergessen werden, dass eine Marktwirtschaft grundsätzlich auf Kooperationen zielt und dadurch Vertrauen entsteht. Denn häufige, freiwillige Interaktion fördert das Vertrauen. Jedes Tauschgeschäft, und sei es nur der morgendliche Brötchenkauf beim Bäcker, geht mit Kooperationen einher. Die Interaktionspartner schließen das Geschäft ab, wenn sie damit einen Vorteil erzielen können. Je geringer die Transaktionskosten sind, desto eher lohnt sich der „Vertrag“. Wenn man dem Tauschpartner vertrauen kann, braucht man keine zusätzlichen Verträge abzuschließen und spart auch Such- und Informationskosten. Die Arbeitsteilung wird erleichtert und das Wirtschaftswachstum angekurbelt.

Der Übergang, ab dem eine erwünschte Kooperation zur Korruption wird, ist schwammig und kann im Alltag nicht immer exakt bestimmt werden. Ist eine Tafel Schokolade für die Erzieherin schon Bestechung? Ist die Essenseinladung für den Steuerfahnder ein unmoralisches Angebot? Exquisite Urlaubsreisen oder Schmiergeldzahlungen führen jedoch vielfach dazu, dass der Wettbewerb außer Kraft gesetzt wird, da nicht der ‚beste‘ Anbieter einen Auftrag erhält, sondern der korrupteste. Der Korruptionsnehmer nutzt die ihm von Amts wegen oder vom Arbeitgeber anvertraute Befugnisse aus, um einen persönlichen Vorteil zu erlangen, der ihm (vertragsgemäß) nicht zusteht. Dies kann sich aus Sicht von Korruptionsgeber und -empfänger kurzfristig lohnen, da sie einen Dritten schädigen. Aber gleichzeitig entsteht zum Beispiel durch das so genannte Anfüttern eine Abhängigkeit, die nicht nur bei Entdeckung zu Problemen führen kann. Auch aus gesamtwirtschaftlicher Sicht ist Korruption fatal, da sie den Wettbewerb verzerrt, seit 1999 in Deutschland einen Gesetzesverstoß darstellt und zu Vertrauensverlusten in der Bevölkerung führt.

Das in der Bevölkerung bereits vorhandene Misstrauen zeigt die Eurobarometer-Umfrage, in der bis zu 70 Prozent der befragten Deutschen angeben, Korruption in nationalen, lokalen und regionalen Institutionen zu vermuten. Zudem halten 50 Prozent der Befragten Korruption für einen Teil der Geschäftskultur in Deutschland. Um derartigen Vermutungen strategisch entgegenzuwirken, empfiehlt sich eine gezielt transparente Kommunikation nach außen. Am Beispiel der Public Private Partnerships (PPP), die vertraglich geregelte Kooperationsprojekte von öffentlicher Verwaltung und privaten Wirtschaftsunternehmen darstellen, verdeutlicht sich die Wichtigkeit der Kooperation. Denn das Gemeinwohl wird durch die effizientere Umsetzung öffentlicher Aufgaben durch PPPs erhöht, aber nur offene Kommunikation und Transparenz können Korruptionsverdacht und Vetternwirtschaft vermeiden helfen.

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