Mindestanforderungen an Geringqualifizierte
Mindestanforderungen an Geringqualifizierte

Aufgrund der geltenden Schulpflicht erscheint eine solch hohe Zahl von Menschen, die zum Beispiel Hinweisschilder nicht richtig verstehen oder keine Formulare ausfüllen können, kaum nachvollziehbar. Dennoch werden diese grundlegenden Kompetenzen durch den Schulbesuch nicht immer vermittelt. Dabei sind Sprechen, Lesen, Schreiben und Rechnen schon für Geringqualifizierte unabdingbare Voraussetzung für die tägliche Arbeit (Grafik).

Wer über eine unzureichende Grundbildung verfügt, hat nicht nur geringere Chancen auf den Einstieg in den Arbeitsmarkt. Auch bei Veränderungen von Arbeitsaufgaben, etwa die Einführung neuer Maschinen, hat er größere Schwierigkeiten oder fühlt sich schnell überfordert. Hinzu kommt, dass Geringqualifizierte bei der Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen besondere Hemmschwellen überwinden müssen.

Momentan bietet die Mehrheit der Unternehmen fach- bzw. tätigkeitsbezogene betriebliche Weiterbildungsmaßnahmen für Geringqualifizierte – wie Produkt-, Maschinen- oder Qualitätsschulungen – an. Darüber hinausgehende Angebote, wie das Thema „nachholende Grundbildung“, nehmen in der betrieblichen Weiterbildung demgegenüber bislang einen nur sehr geringen Stellenwert ein. Entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen werden in der Regel dann angeboten, wenn mangelnde basale Kompetenzen bei Tätigkeiten im Arbeitskontext zum Problem geworden sind. Implizit wird bei der Teilnahme an betrieblicher Weiterbildung vorausgesetzt, dass die Mitarbeiter ausreichend lesen und schreiben und zum Beispiel Informationen verstehen und weitergeben können. Dieses Handicap könnte ein Grund dafür sein, weshalb die Beteiligung von Geringqualifizierten an Weiterbildungsmaßnahmen seit Jahren am niedrigsten ist. Im Vergleich zu Hochschulabsolventen nehmen Geringqualifizierte etwa viermal seltener an Weiterbildungsmaßnahmen teil.

Im Rahmen des Verbundprojekts „Chancen erarbeiten – Alphabetisierung und Grundbildung für Erwachsene im Kontext von Wirtschaft und Arbeit“, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird, hat das IW Köln einen Leitfaden zur arbeitsplatzorientierten Grundbildung für Unternehmen entwickelt. Der Leitfaden richtet sich an Personalexperten, die sich über das Thema der arbeitsplatzbezogenen Grundbildung informieren und in Zukunft die Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen, aber auch Problemlösungsstrategien, Teamarbeit oder die Computeranwendung von geringer qualifizierten Mitarbeitern stärker in die Weiterbildung einbeziehen wollen.

Angebote zur arbeitsplatzbezogenen Grundbildung sind zudem eine Möglichkeit für Unternehmen, sich im Rahmen der Corporate Social Re¬sponsibility zu engagieren. Denn das Eingeständnis, Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben zu haben, ist für die meisten Mitarbeiter mit Tabus und mit der Sorge um den Arbeitsplatz belegt.

Der Leitfaden stellt unterschiedliche Ansätze arbeitsplatzbezogener Grundbildung vor. Good-Practice-Beispiele aus Unternehmen sowie Praxistipps und Checklisten bieten Anregungen zur nachholenden Grundbildung am und für den Arbeitsplatz. Der Leitfaden ist kostenlos als Print- oder Download-Version beim IW Köln (www.iwkoeln.de/grundbildung) erhältlich.

Ansprechpartner

26. August 2016

Regionale Armut Arme Eltern, schlechte SchülerArrow

Finanzielle Armut und Bildungsarmut gehen oftmals Hand in Hand. So zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), dass in den meisten Regionen, in denen vergleichsweise viele Kinder und Jugendliche in finanziell schwierigen Verhältnissen leben, auch mehr Schüler die Schule abbrechen als anderswo. mehr auf iwd.de

Armutsgefährdete Kinder
IW-Pressemitteilung, 25. August 2016

Armutsgefährdete Kinder Bildungsarmut wird vererbtArrow

In Regionen mit hoher Armutsquote brechen viele Jugendliche die Schule ab, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Das liegt nicht an fehlenden finanziellen Mitteln der Familien, sondern an der mangelnden Förderung von Kindern aus bildungsfernen Familien in Kitas und Schulen. mehr

IW-Kurzbericht, 25. August 2016

Wido Geis / Christoph Schröder Armutsgefährdete Kinder und Schulabbrüche im regionalen VergleichArrow

Berechnungen des IW Köln zeigen, dass es in Regionen mit vielen armutsgefährdeten Kindern auch häufiger zu Schulabbrüchen kommt. Die Armutsgefährdung geht dabei häufig mit geringerer Bildung der Eltern einher. Damit sich durch Vererbung von Bildungsarmut die Armutsgefährdung in betroffenen Regionen nicht verfestigt, sollten flächendeckend qualitativ hochwertige Betreuungs- und Ganztagschulangebote gemacht werden. mehr