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Im Juni 2013 enthüllte der damals 29-jährige, ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden Informationen über die geheimen Ausspähprogramme der National Security Agency (NSA). Seitdem veröffentlicht er immer wieder neue Informationen, wie die Geheimdienste scheinbar gegen den Schutz der Privatsphäre verstoßen und andere Regierungen ausspionieren.

Die Meinungen darüber, ob Snowden damit eine gute oder eine schlechte Tat begangen hat, gehen auseinander. In einer Umfrage kurz nach den ersten Veröffentlichungen im Juni 2013 hielten 54 Prozent der befragten Amerikaner die Aufdeckung für eine gute Tat. Etwa ein Drittel bewertet Snowdens Vorgehen dagegen als schlecht (siehe Grafik links). Trotz dieses positiven Stimmungsbildes für Snowden geben in derselben Befragung 53 Prozent an, dass die Regierung diejenigen verfolgen sollte, die geheime Informationen herausgeben. Nur 28 Prozent meinen, die „Leaker“ sollten nicht verfolgt werden, da die Öffentlichkeit ein Recht darauf habe, die Wahrheit zu erfahren. Dabei ist auffällig, dass die Meinungen je nach Altersgruppe unterschiedlich ausfallen. In der Gruppe der 18- bis 34-Jährigen hält eine große Mehrheit von 70 Prozent Snowdens Tat für richtig und nur 43 Prozent würden ihn verfolgen lassen.

Ein solch inkonsistentes Stimmungsbild ist nicht ungewöhnlich für Fälle des Whistleblowings. Wenn ein Mitarbeiter Dritten über illegale, gefährliche oder unmoralische Aktivitäten des Arbeitgebers berichtet, ist dies moralisch schwer zu bewerten. Denn Whistleblowing beinhaltet immer einen Trade-Off. Entweder der potenzielle Berichterstatter bricht seine Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber oder er verrät die Gesellschaft, indem er mögliche Gefahren verschweigt. Hier gilt es zu bewerten, welcher Loyalitätsbruch schwerer wiegt.

Im Fall Snowden ist die moralische Bewertung womöglich noch schwieriger, denn hier ist der Arbeitgeber der Staat. Darf sich ein Whistleblower gegen den Staat für die Gesellschaft einsetzen? Auch hier zeigt sich kein eindeutiges Stimmungsbild. 63 Prozent der Befragten haben Sorge, dass die Regierung die Spähprogramme nutzt, um in den Privatleben der Menschen „herumzuschnüffeln“. Gleichzeitig denken 64 Prozent, dass die Programme dazu beigetragen haben, das Land vor Terrorattacken zu schützen. Ausspähprogramme werden letztlich – nach Abwägung der Vor- und Nachteile von 48 Prozent der Amerikaner befürwortet, während sie 44 Prozent ablehnen.

Weil es so schwer fällt, eine moralische Richtlinie für das „Verpfeifen“ zu formulieren, tun Unternehmen gut daran, zum Beispiel eine Hotline einzurichten, an die sich Mitarbeiter anonym wenden können. So können Unternehmen frühzeitig von Fehlentwicklungen im Unternehmen erfahren und so die Missstände beheben, bevor ein Reputationsschaden entsteht.

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