Nach UNICEF und Weltgesundheitsorganisation WHO verringerte sich zwischen 1990 und 2006 der Anteil der unterversorgten Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern von 29 auf 16 Prozent, wobei in den ländlichen Gebieten trotz bemerkenswerter Verbesserungen im Jahr 2006 noch immer 26 Prozent der Bevölkerung nicht mit aufbereitetem Trinkwasser versorgt waren. Die Fortsetzung dieses Trends allein ist schon eine Herausforderung. Das UN-Millenniumsziel zum Thema Wasser, welches im Zeitraum von 2000 bis 2015 eine Halbierung des Anteils der Menschen, die keinen Zugang zu einwandfreiem Trinkwasser und zu sanitären Einrichtungen haben, vorsieht, scheint hingegen verfehlt zu werden.

Als begünstigende Faktoren für die Trinkwasserversorgung können die fortschreitende Urbanisierung, welche die Verteilung von Wasser erleichtert, die Verschiebung der wirtschaftlichen Tätigkeiten vom primären in den sekundären und tertiären Sektor und selbstverständlich die vielfältigsten Fortschritte im Bereich von Forschung und Entwicklung (in der Wassergewinnung, in wasserverbrauchenden Prozessen wie in der Kreislaufführung des Wassers) genannt werden. Trotzdem ist eine zuletzt um 3 Prozent jährlich wachsende Nachfrage nach Wasser zu konstatieren, die vor allem aus der weiter wachsenden Weltbevölkerung und einer vermehrten Nachfrage nach höherwertigen Nahrungsmitteln resultiert. Aus mehreren Gründen verschärft der Klimawandel diese Situation: Höhere Temperaturen gehen mit stärkerer Verdunstung und einem größeren Wasserbedarf einher, die wasserarmen Regionen trifft er besonders stark, und die sich ändernden Niederschlagsmuster und die häufiger auftretenden Extremwetterereignisse verringern die Aufnahme und Speicherung der Niederschläge an Ort und Stelle. Auch sinkende Grundwasserspiegel sind ein Zeichen für eine Verschärfung der Probleme auf der Wasserangebotsseite.

Die Herausforderungen sind dort am größten, wo eine schlechte Infrastruktur und natürliche Wasserarmut zusammenkommen. Doch auch in wasserreichen Regionen kann es an einer Versorgung mit sauberem Trinkwasser mangeln, wenn die Infrastruktur vor allem auch im Bereich der Wasserentsorgung unzureichend ausgebaut ist. Für die jeweiligen Problemlagen gibt es eine längere Reihe von Lösungsansätzen.

Abgesehen von den Golfstaaten ist in den meisten Ländern mit Wasserknappheit die Landwirtschaft der wirtschaftlich dominierende Sektor. Diese weist einen hohen Wasserbedarf auf. Verlustärmere Bewässerungsverfahren sind hier ein sehr wichtiger Stellhebel. Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Wiederaufbereitung von Brauchwasser, auch für die Landwirtschaft. Mit höheren Kosten sind Meerwasserentsalzungsanlagen verbunden, die überwiegend in wirtschaftlich starken Küstenregionen zum Einsatz kommen. In manchen Fällen stellen auch Wassertransfers über Pipelines eine Lösung dar. Nicht nur hierbei sind Leitungsverluste ein großes Problem. Die Verluste im Leitungsnetz werden zumeist auf über 10 Prozent geschätzt. Ein effektiver und weit verbreiteter Lösungsweg zur Wasserspeicherung und zugleich zur Regulierung des Wasserabflusses sind Stauanlagen.

Für die Nutzung dieser Lösungswege sind in unterschiedlichen Regionen jeweils passende Finanzierungs- und Regulierungsmodelle anzustreben. Da der Wassersektor in den meisten Ländern der Welt unter einem starken Einfluss des Staates steht, sind die Regierungen und Behörden in besonderer Weise gefordert, wasserwirtschaftliche Bestimmungen wie die Preissetzung anzupassen, die nötigen Investitionen in die Wasserinfrastruktur zu tätigen und Maßnahmen zur Einsparung von Wasser anzustoßen. Anreize zum Wassersparen und zu Investitionen in die Infrastruktur sollten, wo immer möglich, ausgebaut und nicht zurückgefahren werden. Subventionierte Wasserpreise konterkarieren jedoch diesen Effekt. Durch aufkommensneutrale Ausgleichszahlungen können die Folgen einer stärkeren Bepreisung der Ressource Wasser für die Betroffenen gemildert und die Akzeptanz und damit die politische Durchsetzbarkeit einer solchen Maßnahme erhöht werden.

In einer aktuellen Untersuchung weist die Deutsche Bank Research die größte Attraktivität für unternehmerische Angebote zum Ausbau der Wasserver- und -entsorgung den reichen Golfstaaten Katar, Vereinigte Arabische Emirate, Bahrain, Saudi-Arabien und Kuwait sowie dem Stadtstaat Singapur zu. In diesen Staaten kommen ein starker Bedarf, eine hohe Finanzkraft und stabile politische Verhältnisse zusammen. Deutsche Unternehmen finden hier Absatzmärkte für ihre Spitzentechnologien und ihre Systemkompetenz. Den weltweiten Investitionsbedarf schätzen die Autoren auf 400 bis 500 Milliarden Euro pro Jahr.

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