Viel Zuversicht
Viel Zuversicht

Von rund 1.000 repräsentativ befragten Bundesbürgern sieht die Mehrzahl die künftige wirtschaftliche Entwicklung mit Optimismus. Dies trifft besonders auf die junge Generation der unter 35-Jährigen zu. Mit 49 Prozent liegt bei ihnen der Anteil der Optimisten am höchsten. Nicht ganz so zuversichtlich ist die Altersgruppe der 55-Jährigen und älteren, von denen nur 38 Prozent optimistisch und 15 Prozent angstvoll auf das Jahr 2011 blicken. Aus einem anderen Blickwinkel sehen die Geringverdienenden mit einem monatlichen Haushaltseinkommen von unter 1.000 Euro die wirtschaftliche Entwicklung. Sie glauben, dass an ihnen der allgemeine Aufschwung vorbeigehe, ohne dass sie daran teilhaben könnten. Wohlhabende glauben hingegen, dass die Zukunft mehr Chancen bringen werde. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen (Grafik).

Die Bundesbürger sehen sich erstmals seit der Finanzkrise auch nicht mehr unter dem Druck, für schlechte Zeiten sparen zu müssen. Dies hat bereits das gute Weihnachtsgeschäft gezeigt, das im Jahr 2010 die Wende beim privaten Konsum brachte. Die Einschätzung der eigenen finanziellen Situation für 2011 wird eher positiv bewertet. Ebenfalls optimistisch blicken die Deutschen hinsichtlich Familie, Partnerschaft und Kinder in die Zukunft. Zuversicht besteht auch für die spätere Versorgung im Alter, selbst das Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung ist ein wenig gestiegen.

Wirft man einen Blick auf die einzelnen Bundesländer, so fallen doch erhebliche regionale Unterschiede bei der demonstrierten Zuversicht auf. Zum Beispiel ist in Baden- Württemberg der Optimismus am größten, während sich in den neuen Bundesländern die Menschen eher verhalten über die wirtschaftliche Entwicklung freuen. Dies stellt die Allianz in ihrer Zuversichtsstudie für das Jahr 2011 fest.

Auch Wirtschaftsverbände und Unternehmen haben in der zum Jahresende 2010 durchgeführten Verbandsumfrage des IW Köln mit ihren Zahlen die guten Aussichten bestärkt. Es wird mit steigenden Produktions- und Umsatzzahlen, mit höheren Investitionen sowie mit zusätzlichen Arbeitsplätzen gerechnet. Viele Bürger hoffen somit auch auf steigende Löhne und Gehälter. Sinkende Arbeitslosenzahlen und Wirtschaftsaufschwung stärken das Vertrauen in die Wirtschaft.

Trotz der überwiegend positiven Stimmung wird der wirtschaftliche Aufschwung nicht den Volksvertretern zugerechnet. Das Vertrauen in sie ist weiter gesunken. Enttäuschung und Frust macht sich derzeit bei der Bevölkerung breit. Trotz Aufschwung und damit auch höheren Steuereinnahmen muss der Bürger mit weiter steigenden Steuern und Gebühren rechnen. Leistungen werden im Gegenzug aber nicht erhöht, sondern reduziert oder gleich ganz abgeschafft. Durch die zunehmende Unzufriedenheit schwindet das Vertrauen in die Politik. 42 Prozent der Menschen glauben, dass die Zustimmung der Bürger zur derzeitigen Politik weiter sinken wird. Nur die wenigsten glauben, dass die künftige Entwicklung in naher Zukunft eine positive Wendung nimmt. Es wird wohl noch viel Zeit brauchen, um das verspielte Vertrauen wieder zurückzugewinnen. Aber: Umstürze wie in den arabischen Staaten sind deshalb hierzulande nicht zu erwarten, dank einer stabilen und bewährten Demokratie, einer erfolgreichen Wirtschaftsordnung, der Sozialen Marktwirtschaft und motivierten Menschen.

Besonderer Dank gilt den Autoren dieser Ausgabe: Dr. Michael Neumann, Simone Gottwald und Inna Knelsen.

Ansprechpartner