Kosten der CO2-Vermeidung
Kosten der CO2-Vermeidung

Es spielt keine Rolle, ob es sich bei dem Emittenten um eine Wohnungsheizung, einen Automotor oder ein Kraftwerk handelt. Daher sollten konkrete Maßnahmen zur Reduktion der CO2-Emissionen nur am Kriterium der Vermeidungskosten ausgerichtet werden. Mit anderen Worten: Es sollte zunächst dort CO2 vermieden werden, wo es billig ist. Am besten dort, wo mit der Emissionsminderung auch ein ökonomischer Gewinn erzielt werden kann. Das Ziel muss sein, die von der Politik vorgegebenen Emissionssenkungen mit möglichst wenig Kosten zu erreichen. Eine Verteilung der Emissionsminderungen auf einzelne Sektoren ohne Berücksichtigung der sehr unterschiedlichen Vermeidungskosten ist hingegen kontraproduktiv.

Leider hat sich diese Erkenntnis noch nicht durchgesetzt. Ein Beispiel dafür liefern die im Dezember vorgelegten Vorschläge der EU-Kommission zur Regulierung der CO2-Emissionen von Pkws. Nach den Vorstellungen der EU sollen ab 2012 für jeden Automobilhersteller spezifische Emissionsgrenzwerte gelten, die aus dem durchschnittlichen Gewicht der verkauften Neuwagen der Firma abgeleitet werden. Auf diese Weise wird für jeden Hersteller festgelegt, wie viel Gramm CO2 pro Kilometer von seinen Fahrzeugen im Durchschnitt ausgestoßen werden dürfen. Wird dieser Wert von den abgesetzten Neuwagen überschritten, so wird für jedes Gramm Überschreitung eine Strafzahlung fällig. Im Jahr 2012 müssen für jedes Gramm Überschreitung pro verkauftem Fahrzeug 20 Euro gezahlt werden. Bis 2015 soll die Strafe sogar auf 95 Euro erhöht werden. Rechnet man diese Strafen in Preise pro vermiedener Tonne CO2 um, so stellt man fest, dass die EU bereit ist, dem Straßenverkehr ungefähr 20 mal so hohe Kosten abzuverlangen als anderen Sektoren.

Geht man davon aus, dass ein Pkw bis zu seiner Verschrottung 200.000 Kilometer zurücklegt, so werden durch eine Emissionsreduktion von einem Gramm pro Kilometer insgesamt 200 Kilogramm CO2 vermieden. Diese 200 Kilogramm kosten im Jahr 2012 20 Euro Strafe, was 100 Euro pro Tonne entspricht. Im Jahr 2015 kostet die Tonne dann schon 475 Euro. Tatsächlich wird ein Auto in Deutschland jedoch im Schnitt nach zwölf Jahren stillgelegt, pro Jahr legt es rund 13.000 Kilometer zurück. Bei dieser Fahrleistung steigen die Kosten je Tonne CO2 auf 125 Euro beziehungsweise 600 Euro im Jahr 2015. Der Unterschied zu anderen Bereichen ist gewaltig. So kann ein Unternehmen im Rahmen des Clean Development Mechanism für 17,50 Euro ein Emissionszertifikat für eine Tonne CO2 erwerben. Diese Kosten entstehen, um in Entwicklungsländern eine Tonne CO2 einzusparen. Möchte man ein Emissionsrecht im europäischen Emissionshandel erwerben, so muss man derzeit knapp 24 Euro zahlen. Doch es geht auch günstiger: Vor allem im Bereich der Gebäudesanierung kann ein Hausbesitzer nicht nur CO2 vermeiden, sondern auch noch Geld sparen. Rüstet man einen Altbau so um, dass er mit 7 Litern Heizöl pro Quadratmeter Wohnraum im Jahr auskommt, sinken die Heizkosten, so dass pro vermiedener Tonne CO2 ein Gewinn von 70 Euro übrig bleibt. Bei der Modernisierung von Heizkesseln sieht das Verhältnis sogar noch günstiger aus.