Aufgrund neuer empirischer Untersuchungen musste die Verkehrsstatistik für den Zeitraum von 1994 bis 2003 einer großen Revision unterzogen werden. Nach der Neuberechnung stellt es sich nun so dar, dass die Fahrleistung in Deutschland nach 1999 weiter angestiegen ist, wenn auch mit langsameren Wachstumsraten als zu Beginn der 90er Jahre. Der Anstieg erfolgte trotz kräftig erhöhter Kraftstoffpreise. Der Benzinpreis stieg zwischen 1999 und 2003 um 27,4 Prozent, der Dieselkraftstoff sogar um 37,5 Prozent. Dieser Anstieg war etwa zu gleichen Teilen auf Steuererhöhungen und Produktpreissteigerungen zurückzuführen. Der Straßenverkehr reagiert in der kurzen Frist verhältnismäßig unelastisch auf Preissteigerungen. Empirische Untersuchungen weisen eine kurzfristige Preiselastizität der Fahrleistung von -0,15 bis -0,30 aus. Somit hat eine Mineralölsteuererhöhung vor allem einen fiskalische Auswirkungen.

Mittelfristig stehen den Autofahrern zudem weitere Ausweichstrategien zur Verfügung, welche den Lenkungseffekt von Mineralölsteuern weiter aushöhlen. Da diese Strategien bislang nicht ausreichend berücksichtigt wurden, musste auch die Verkehrsstatistik revidiert werden. Zum einen ist der Trend zum Dieselmotor zu nennen. Der Steuervorteil des Diesels sorgte in Kombination mit dem geringeren Verbrauch und einem verbesserten Fahrzeugangebot dafür, dass sich ein Diesel-Fahrzeug für immer mehr Autofahrer rechnet. Im Jahr 2003 betrug ihr Anteil an den Neuzulassungen bereits 40 Prozent. Für die Statistikrevision bedeutete dies, dass der der Fahrleistungsrech­nung zu­grunde liegende durchschnittliche Treibstoffverbrauch des Fahrzeugbestandes um 0,3 l pro 100 km reduziert werden musste.

Zusätzlicher Verkehr entsteht durch den seit 1999 gewachsenen Tanktourismus, der durch die gestiegene Mineralölsteuer ausgelöst wurde. Diese Form des Benzinimports hat inzwischen beachtliche Dimensionen angenommen. Für Ottokraftstoff schätzt das DIW ein Volumen von 2,5 Milliarden Liter, gegenüber etwa 1 Milliarde in den 90er Jahren. Noch größer ist die Veränderung beim Diesel. Hier war Deutschland bis zum Jahr 2000 eher Exporteur. Doch seit 2001 hat sich der Trend umgekehrt und vor allem Lkws tanken im Ausland. Die Importmenge wird für 2003 auf 2,7 Milliarden Liter geschätzt. In der Addition ergibt sich so ein „Importvolumen“ von nahezu 10 Prozent des Inländerverbrauchs.

Für die Fahrleistungsstatistik hatten diese Ausweichbewegungen den Effekt, dass sich ab 1999 eine systematische Unterschätzung der Fahrbewegungen einstellte. Die ausgewiesenen Zahlen waren aus heutiger Sicht deutlich zu niedrig. Nach der aktuellen Berechnung beträgt der auf Diesel und Tanktourismus zurückgehende Unterschied zur alten Statistik bis zu 69,2 Milliarden Fahrzeugkilometer. In Verkehrsleis­tung umgerechnet entspricht diese Steigerung im Pkw-Verkehr in etwa dem 2,4fachen der Gesamtleistung der Eisenbahn.