Aber auch in deutschen Städten, wie Frankfurt am Main und Berlin werfen Protestaktionen die Frage nach regulativen Eingriffen, mehr Verantwortungsübernahme und mehr Transparenz im Finanzsektor auf. Grund genug, in drei Tagungen den Dialog zu den Themen Spekulation, Einfluss von Menschenbildern auf die Wirtschaft und die Verantwortung der Unternehmen mit Kritikern und Wissenschaftlern zu suchen.

Spekulation – Die Moral des Risikos

XXIV. Wirtschaftsethisches Forum 2011
XXIV. Wirtschaftsethisches Forum 2011

Gier und Spekulation sind – wieder einmal – im Fokus der öffentlichen Diskussion, doch oft bleibt dabei unklar, ob Spekulieren generell schädlich ist oder lediglich das Fehlverhalten einzelner gewissenloser Spekulanten an den Pranger gestellt wird. Am 9. November 2011 diskutierten daher rund 180 Gäste des XXIV. Wirtschaftsethischen Forums in Berlin beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband mit Experten zum Thema „Spekulation – Die Moral des Risikos“. Für manchen Zuhörer mag die These, dass Spekulation bei offenen Zugangsmöglichkeiten der Akteure zu Informationen durchaus positive Effekte haben, Marktungleichgewichte anzeigen, zukünftige Krisen vermeiden oder deren Folgen mindern helfen kann, überraschend gewesen sein. Bestehende Informationsasymmetrien, die in der Vergangenheit zu Ausbeutungsstrategien zum Beispiel bei Nahrungsmittelspekulation und Machtmissbrauch führten, müssen dafür jedoch durch ein funktionierendes Ordnungssystem eingedämmt werden. Sonst leide die Akzeptanz des marktwirtschaftlichen Systems und der Globalisierung als Ganzes. Durch gezielte Regulierungen sollten künftig bestimmte destruktive Geschäftsmodelle und deren systemische Risiken unterbunden werden. Zentral sei dabei, dass die staatlichen Kontrollinstanzen Vertrauen zurückgewinnen und die Staatsschuldenkrise überwunden werde.

Wie Menschenbilder die Wirtschaft prägen

Doch bei allen Regelwerken für die Banken- und Wirtschaftswelt sollte nicht vergessen werden, die Brille der Moral auch mit Blick auf den Menschen aufzusetzen und die Individualmoral zu adressieren. Dabei geht es nicht nur um die Moral der Spekulanten und Hedgefonds-Manager, sondern auch um Konsumenten und Anleger. Denn ökonomisches Handeln ist in die Gesellschaft eingebettet und reagiert auf die am Markt geäußerten Bedürfnisse der Konsumenten. Inwieweit vorherrschende wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Menschenbilder das Denken und Handeln des Einzelnen prägen und beeinflussen, war deshalb Gegenstand der wissenschaftlichen Tagung des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung und des IW Köln am 23. November 2011 in Köln. Wissenschaftler und Fachleute reflektierten disziplinübergreifend, dass auch die Mitverantwortung und individuelle Moral der Wirtschaftsakteure für ein funktionierendes Ordnungssystem notwendig sind. Oder wie Helmuth Plessner (deutscher Philosoph und Soziologe, 1892-1985) treffend formulierte: „Man gibt den Menschen kein gutes Gewissen, wenn man ihnen sagt, dass sie überhaupt keines zu haben brauchen.“

Notwendigkeit und Grenzen von CSR

Gesellschaft und Unternehmen sind untrennbar miteinander verbunden. Unternehmen sind auf die „Licence to operate“ angewiesen, d.h. die Gesellschaft muss das Geschäftsgebaren der Unternehmen akzeptieren, sonst droht im Extremfall der Entzug der Erlaubnis zur privatwirtschaftlichen Gewinnerzielung. Gleichzeitig ist die Gesellschaft auf das erfolgreiche Produzieren von Gütern und Dienstleistungen durch Unternehmen angewiesen, um Wohlstand und Wohlbefinden zu sichern. Darüber hinausgehende Verantwortung der Unternehmen (CSR = Corporate Social Responsibility) zielt auf die Mitverantwortung der Unternehmen für das Gemeinwesen. Das Roman Herzog Institut hatte zum Gespräch über dieses Verhältnis von Gewinn und Verantwortung ins Schloss Nymphenburg zum Jahressymposium am 24. November 2011 in München eingeladen und freute sich über 200 Gäste, die intensiv mitdiskutierten.

Ansprechpartner

Europäische Bankenunion
IW-Nachricht, 8. November 2016

Europäische Bankenunion Noch viele BaustellenArrow

Die europäische Bankenunion soll den Euro krisenfest machen, denn die Währungsunion ist anfällig für einen Teufelskreis aus Banken- und Staatsschuldenkrise. In dieser Woche wurden deren Vertreterinnen vor der Eurogruppe in Brüssel angehört und es zeigt sich, dass noch viel zu tun ist. Dabei sollte die Reduzierung der Staatsschulden und der notleidenden Kredite in den Bankbilanzen höchste Priorität haben. mehr

Schadet die EZB-Geldpolitik mehr, als sie nützt?
Gastbeitrag, 19. Oktober 2016

Michael Hüther im Magazin Positionen Schadet die EZB-Geldpolitik mehr, als sie nützt?Arrow

Die Europäische Zentralbank will die Wirtschaft ankurbeln, indem sie die Zinsen gen null drückt: Sparen allein lohnt nicht mehr – wer sein Geld mehren will, muss investieren. Aber sorgt dieser Gedanke tatsächlich für den angestrebten Effekt? Diese Frage ergründet IW-Direktor in einem Gastbeitrag für Positionen, das Magazin der deutschen Versicherer. mehr