Das war ein wesentliches Ergebnis des ersten IW-Expertenpanels zu Umweltthemen, welches die Forschungsstelle Ökonomie/Ökologie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zu Beginn des Jahres 2007 startete. Die Umwelt- und Klimaschutzdiskussion des vergangenen Jahres hat gezeigt, dass die Themenpriorisierung der Wirtschaft richtig war. Die Themen „Klimawandel“ und „Klimapolitik“ waren 2007 dominierende Themen auf nationaler und internationaler Ebene. Welche sind nun aus der Sicht der Wirtschaft die wichtigsten Umweltthemen für das neue Jahr?

Der Frage nach umweltpolitischen Prioritäten der Wirtschaft wurde auch zu Beginn des Jahres 2008 im Rahmen der IW-Expertenbefragung zu Umweltthemen nachgegangen. Die Teilnehmer der Online-Befragung konnten sich von zehn Vorschlägen für ein Thema entscheiden, welches sie aus ihrer Perspektive als das wichtigste umweltpolitische Thema betrachteten. Es gab auch die Möglichkeit, zusätzliche Themen frei zu formulieren. Im Unterschied zur Panelbefragung 2007 wurden die Themen „Energieeffizienz“ und „REACH-Umsetzung“ zusätzlich aufgenommen. An der Befragung beteiligten sich 124 Experten aus Unternehmen und 48 Verbandsvertreter.

Für gut 37 Prozent der Befragten sind die Themen „Klimapolitik nach Kyoto“ und „Klimapolitik 2008/Emissionshandel“ nach wie vor die wichtigsten umweltpolitischen Bereiche. Neben der Klimapolitik nannten die befragten Umweltexperten das Thema „Energieeffizienz“ als weiteres umweltpolitisches Topthema. Gut jeder Vierte der Befragten gab dieses Thema an. Somit erreicht es innerhalb der vorgegebenen Themen mit 26 Prozent sogar die höchste Rangstelle. Für weitere 10 Prozent der Befragten sind „erneuerbare Energien“ das wichtigste Umweltthema. Werden alle vier Themen mit explizitem Klima- und Energiebezug zusammengefasst, ergibt sich das Megathema „Klima- und Energiepolitik“, das für knapp drei Viertel der befragten Umweltexperten ganz oben auf der umweltpolitischen Agenda steht.

Nach Ansicht von über 15 Prozent der Befragten ist die REACH-Umsetzung im Jahr 2008 für die Wirtschaft besonders wichtig. Die REACH-Verordnung trat im Juni 2007 in Kraft. Die Umsetzung hat bereits auf nationaler Ebene begonnen. Die Unternehmen bereiten sich auf die Vorregistrierungen vor, die zum 1. Juni 2008 beginnen sollen. Die bereits auf dem Markt vorhandenen Stoffe sollen erst im Rahmen dieser Vorregistrierungen erfasst und dann stufenweise registriert werden. Nicht nur die chemische Industrie, sondern auch viele Nutzer und Verbraucher von Stoffen in unterschiedlichen Branchen sind von REACH betroffen. Jenseits der Frage nach dem ökologischen und ökonomischen Sinn oder Unsinn der REACH-Verordnung sind viele erfassungstechnische und organisatorische Fragen noch offen, mit denen die betroffenen Unternehmen besonders in der Implementierungsphase konfrontiert sein werden. Hinzu kommt die Lösung von Kommunikations- und Informationsproblemen in der langen Lieferkette.

Ein weiteres relevantes Thema ist für gut 4 Prozent der Panelbeteiligten die Zusammenfassung aller umweltschutzbezogenen Gesetze und Verordnungen in einem „Umweltgesetzbuch“. Das Thema „Abfall/Kreislaufwirtschaft“ wurde nur von 3 Prozent der Befragten als wichtiges Umweltthema angegeben. Seltener als andere Themen wurden „Feinstaub und Stickoxide“, der „Lärmschutz“ und die „Entbürokratisierung“ für besonders wichtig gehalten. Zusätzlich zu vorgegebenen Themen wurden noch weitere Umweltthemen wie etwa „Biofuels“ oder die „europäische CO2-Gesetzgebung“ genannt.