Umweltmanagementsysteme
Umweltmanagementsysteme

Dies geht aus einer aktuellen Online-Befragung hervor, welche im Rahmen des IW-Expertenpanels zu Umweltthemen im April durchgeführt wurde. An dieser Befragung beteiligten sich 187 Vertreter aus Unternehmen und Verbänden. Alle Befragten haben die Frage bejaht, ob Umweltthemen in ihren Entscheidungsträgergremien aufgegriffen und diskutiert werden. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass diese Themen häufig in der Geschäftsführung bzw. im Vorstand ihres Unternehmens oder Verbandes diskutiert werden. Bei mehr als 44 Prozent erfolgt dies gelegentlich. Lediglich bei fünf Prozent der Befragten findet die Auseinandersetzung mit Umweltthemen in den einzelnen Abteilungen und vor allem in der Umwelt- und Qualitätsabteilung oder in speziellen Bereichen wie der Logistik statt.

Die hohe unternehmerische Bedeutung des Umweltschutzes schlägt sich auch in den vielfältigen umweltschutzbezogenen Maßnahmen nieder, welche die Unternehmen freiwillig über gesetzliche Anforderungen hinaus ergreifen. Neben den zahlreichen produkt- und prozessbezogenen Strategien und Instrumenten zur Realisierung ihrer umwelt- und klimaschutzpolitischen Ziele bauen viele Unternehmen freiwillig Umweltmanagementsysteme auf, um ihre Umweltleistungen kontinuierlich zu verbessern. Sie umfassen vor allem die Organisationsstruktur, Planungsaktivitäten, Verfahrensvorgaben und die Zuordnung von Verantwortlichkeiten. Zusätzlich zu den unternehmenseigenen Umweltmanagementsystemen orientieren sich viele Unternehmen an den geltenden europäischen und internationalen Standards. Dabei finden insbesondere die international gültige privatrechtliche ISO-Norm 14.001 und die EU-Öko-Auditverordnung EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) starke Anwendung. Sie unterscheiden sich in der Struktur und den inhaltlichen Anforderungen. So sieht beispielsweise EMAS die Erstellung, Veröffentlichung und jährliche Aktualisierung einer Umwelterklärung sowie eine Registrierung bei der Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer vor. Aufgrund des damit verbundenen Zeitaufwandes und der Bürokratiekosten sowie der eingeschränkten internationalen Akzeptanz und fehlender Anreize wird in der Praxis oftmals ISO 14.001 vorgezogen. Nach der aktuellen EMAS-Statistik vom 13. März 2008 richten derzeit 1.453 Organisationen mit 1.918 Standorten in Deutschland ihre Umweltmanagementsysteme nach EMAS aus. Zu Beginn des Jahres waren es 1.464 Organisationen mit 1.954 Standorten. Europaweit sind derzeit 3.966 Organisationen mit 5.956 Standorten EMAS-zertifiziert. Weltweit waren zu Beginn des Jahres 2007 knapp 130.000 Unternehmen und Organisationen, darunter 5.800 in Deutschland, nach ISO 14.001 zertifizert.

Der Vorzug, der von vielen Unternehmen dem internationalen Standard ISO 14.001 gegeben wird, wurde auch im Rahmen der Panelbefragung bestätigt. So gaben rund 65 Prozent der 124 befragten Unternehmen an, dass ihre Hauptstandorte in Deutschland nach ISO 14.001 zertifiziert sind. Eine EMAS-Zertifizierung liegt bei 22 Prozent der Befragten vor. Zehn weitere Unternehmen beabsichtigen eine Zertifizierung nach ISO 14.001 und zwei nach EMAS. 11 Prozent der Befragten (14 Unternehmen) sind bereits aus den erwähnten Gründen aus EMAS ausgestiegen, und ein Unternehmen zieht noch den Ausstieg in Erwägung. Lediglich ein einziges Unternehmen bestätigt den Ausstieg aus ISO 14.001 und keines beabsichtigt derzeit einen ISO-Ausstieg. Gut 15 Prozent der Befragten haben kein Umweltmanagementsystem. Knapp sechs Prozent gaben an, dass sie unabhängig von EMAS und ISO 14.001 ein eigenes betriebliches Umweltmanagementsystem aufgebaut haben.