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Sie beinhalten aufbau- und ablauforganisatorische Gestaltungsaspekte wie Zielfestlegung, Planung, Durchführung, Kontrolle von umwelt- und energierelevanten Prozessen und Maßnahmen sowie die Bestimmung von Verantwortlichkeiten. Damit wird den Unternehmen und Organisationen ein Instrument an die Hand gegeben, mit dem sie ihre Umwelt- und Energieleistungen durch die Optimierung der relevanten Prozesse kontinuierlich verbessern und die Kosten reduzieren können. Deutsche Unternehmen und Organisationen stehen solchen freiwilligen Managementsystemen offen gegenüber und orientieren sich dabei stark an europäischen und globalen Standards.

Umweltmanagementsysteme (UMS): In der Praxis genießen zwei Zertifizierungen für Umweltmanagementsysteme, nämlich ISO 14001 und EMAS, eine große Aufmerksamkeit. Wenn sie auch ziel- und strukturbezogene Gemeinsamkeiten und Kompatibilitäten aufweisen, unterscheiden sie sich doch in einigen Systemelementen und vor allem bezüglich der Validierung, Registrierung, Berichterstattung, Veröffentlichung der Umwelterklärung und des Geltungsbereichs sowie der anfallenden Kosten.

Der Aufbau der UMS nach international gültiger privatrechtlicher ISO-Norm 14001 ist in der Praxis sehr verbreitet. Nach aktueller Statistik von „The ISO Survey of certifications“ gehörte Deutschland im Jahr 2011 mit über 6.200 Zertifizierungen nach ISO 14001 weltweit zu den zehn Top-Ländern und besetzt innerhalb Europas den sechsten Rang. Im Vergleich hierzu übernimmt Deutschland bei den EMAS-Zertifizierungen eine klare Vorreiterrolle. Deutschland hat rund 1.200 nach EMAS registrierte Organisationen mit 1.840 Standorten. Derzeit gibt es europaweit rund 4.500 registrierte Unternehmen mit rund 7.500 Standorten. Die große Beliebtheit der ISO-Norm 14001 beim Aufbau von Umweltmanagementsystemen im Vergleich zu EMAS wurde auch im Rahmen des aktuellen IW-Umweltexpertenpanels deutlich. Nach Aussage der Umweltexperten aus den Unternehmen richten im direkten Vergleich mit EMAS III fast doppelt so viele der befragten Unternehmen, das heißt zwei Drittel, ihre UMS nach ISO 14001 aus. Die große Verbreitung der ISO 14001 lässt sich besonders vor dem Hintergrund des breiten räumlichen Geltungsbereichs und der internationalen Akzeptanz, der geringeren Dokumentations-, Registrierungs- und Veröffentlichungspflicht und damit auch der relativ geringeren Kosten erklären. So sieht EMAS III im Unterschied zu ISO 14001 eine Pflicht zur Veröffentlichung der Umwelterklärung und eine alle drei Jahre stattfindende komplette „Re-Validierung“ mit jährlich validierter Aktualisierung der Umwelterklärung vor.

Energiemanagementsysteme (EnMS): Sie umfassen die betriebliche Energiepolitik, Planung, Information, Dokumentation, Organisation, Kontrolle, Messung und das interne Audit aller energierelevanten Prozesse und Maßnahmen. Damit sollen sie eine systematische Erfassung der Energieströme ermöglichen und als Entscheidungsgrundlage für Investitionen zur Verbesserung der Energieeffizienz dienen. Als wichtige Grundlage für den Aufbau von EnMS gilt derzeit die im Juni 2011 veröffentlichte weltweit gültige ISO-Norm 50001. Nach aktueller Statistik des Umweltbundesamtes waren im April 2013 in Deutschland rund 1.390 Unternehmens- und Organisationsstandorte nach ISO 50001 zertifiziert (weltweit: 2.250).

Auch die aktuelle Befragung der Umweltexperten zeigt die hohe Praxisrelevanz der normierten und nichtnormierten EnMS. Bei rund zwei Drittel der befragten Unternehmen wurde bereits ein EnMS nach ISO 50001 aufgebaut oder geplant. Zudem gibt es bei fast jedem dritten befragten Unternehmen nach Angaben von Umweltexperten ein nichtzertifiziertes unternehmensspezifisches EnMS.

Als wichtiger Grund für die Verbreitung der EnMS vor allem in energieintensiven Unternehmen sind neben der hohen Bedeutung der Energie als Produktions- und Kostenfaktor auch die gesetzlichen Vorgaben zu nennen. So sieht die Novellierung des Energiesteuer- und Stromsteuergesetzes eine Weiterführung der Vergünstigung bei der Energie- und Stromsteuer für stromintensive Unternehmen ab 2013 nur dann vor, wenn Industrieunternehmen ein Energiemanagementsystem einführen und somit ihre Energieeffizienz verbessern.

Umwelt- und Energiemanagement auf der Website des Umweltbundesamtes

Bericht

Mahammad Mahammadzadeh: IW-Umweltexpertenpanel 2012 - Umwelt- und Energiepolitik im Meinungsbild der Wirtschaft
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