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Die Energiewende ist paradox: Während die Fördersummen für Strom aus Sonne oder Wind stetig steigen, bewirkt die zunehmende Einspeisung erneuerbarer Energien eine Senkung der Preise an der Strombörse. Das bringt besonders konventionelle Kraftwerke unter Druck, die auf Deckungsbeiträge am Strommarkt angewiesen sind. Die jüngst durch den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) vorgelegte Kraftwerksliste legt nahe, dass allein bis 2020 5,5 Gigawatt gesicherte Leistung weniger am Netz sein werden – dabei sind die zusätzlichen 8,1 Gigawatt, die mit dem Ausstieg aus der Kernenergie 2021/22 vom Netz gehen, nicht berücksichtigt. Kraftwerksprojekte seien zudem durch unklare ökonomische Rahmenbedingungen infrage gestellt – dabei sind sie derzeit zur Aufrechterhaltung der Systemstabilität unverzichtbar.

Um mehr Investitionsanreize für gesichert verfügbare Kapazitäten zu schaffen, werden sogenannte Kapazitätsmechanismen diskutiert. Dahinter steht die Idee, dass Leistung aus sicher verfügbaren Erzeugungsoptionen, beispielsweise aus konventionellen Kraftwerken, zusätzliche Refinanzierungsmöglichkeiten erhalten. Dies kann auch für die Betreiber Erneuerbarer-Energien-Anlagen relevant sein, sofern sie die Ausfallwahrscheinlichkeit ihrer Lieferung durch Pooling-Lösungen oder Speicher mindern. Bestimmte Kapazitätsmechanismen bergen allerdings die Gefahr, zu einem parallelen und preisverzerrenden Fördersystem für konventionelle Kraftwerke zu werden. Das IW Köln schlägt daher zur Differenzierung zwischen gesicherter und ungesicherter Leistung eine Weiterentwicklung der an der Strombörse handelbaren Produkte vor.

An der Strombörse werden Strommengen sowohl kurzfristig (Spotmarkt) als auch langfristig (Terminmarkt) gehandelt. Auch die Option, Strom zu einem bestimmten Zeitpunkt und zu einem bestimmten Preis zu erhalten, kann hier angeboten und erworben werden. Die sichere Verfügbarkeit wird mit dem Kauf des Stroms bisher allerdings in der Regel kostenlos mitgeliefert (Energy-only-Markt). Zur Kapazitätssicherung ist es vor allem notwendig, das Preissignal für Versorgungssicherheit explizit zu machen und die Verbindlichkeit derartiger Angebote zu erhöhen. Zu diesem Zweck kann ein erweiterter Optionsmarkt als Kernelement der Bepreisung von Versorgungssicherheit aufgebaut werden. Zukünftig sollten Optionen an der Börse stärker als bisher in hochaufgelösten Zeiten angeboten und gehandelt werden. Zudem sollten sie mit einer Verpflichtung zur Produktionsbereitschaft der Anlagen und entsprechend hohen Kompensationszahlungen im Fall eines Ausfalls versehen sein. Solche Optionen können den Wert, den Versorgungssicherheit hat (Value of Lost Load, – VoLL), stärker offenlegen. Voraussetzung für einen solchen VoLL-Optionsmarkt ist die technische Fähigkeit, einzelne Verbraucher kontrolliert vom Netz zu nehmen oder ihre in Anspruch genommene Leistung zu begrenzen, damit derjenige, der eine sichere Leistung zu einem höheren Preis gekauft hat, diese auch erhält. Bisher allerdings leiden meist alle Verbraucher gleichermaßen darunter, wenn es im Netz mal eng wird.

Hubertus Bardt / Esther Chrischilles
Marktwirtschaftliche Stromerzeugung und Energiewende – Ein integriertes Optionsmarktmodell für erneuerbare und fossile Energiequellen
IW-Positionen Nr. 64, Köln 2014, 54 Seiten, 11,80 Euro
Versandkostenfreie Bestellung unter: www.iwmedien.de/bookshop

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