Die Grenzwerte für den Bereitschaftszustand mit dem niedrigsten Energieverbrauch (Standby) könnten für die meisten Geräte bei 1 Watt und für den Zustand mit dem niedrigsten Energieverbrauch („schein-aus“) teilweise bei 0,3 und teilweise bei 0,5 Watt liegen. Die Auswirkungen für die betroffenen Unternehmen und Branchen sind zum großen Teil auch für die EU-Kommission selbst noch nicht absehbar. Durch eine praxisnahe und wissenschaftlich fundierte Gesetzesfolgenabschätzung können negative Auswirkungen der Durchführungsmaßnahme rechtzeitig vermindert und Revisionen vorgenommen werden.

Standby-Regulierung
Standby-Regulierung

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat deshalb vor kurzem die ökonomischen und ökologischen Folgen der EUP-Durchführungsmaßnahme untersucht. Die hierzu benötigten Daten wurden durch eine Unternehmensbefragung gewonnen. Die Bereitstellung dieser Informationen ist für die befragten Unternehmen nicht nur zeitlich aufwendig, sondern aufgrund des sensiblen Charakters der Daten zusätzlich eingeschränkt.

Die Ergebnisse der Untersuchung fallen für die einzelnen Produkte und die beiden Zustände „schein-aus“ und „echtes Standby“ unterschiedlich aus. Ohne eine gesetzliche Maßnahme würden im Jahr 2008 – dann wird die Durchführungsmaßnahme voraussichtlich verabschiedet –beispielsweise 90 Prozent der TFT-Monitore die Grenzwerte für den Schein-aus-Zustand erfüllen und 75 Prozent für den Standby-Zustand. Entsprechend gering ist in diesem Fall das Energieeinsparpotenzial, das durch eine gesetzliche Regelung erreicht wird.

Um die ökologischen Wirkungen bestimmen zu können, sind zudem die durchschnittliche Lebensdauer eines Geräts und die jährlichen Standby-Stunden sowie die CO2-Äquivalente für die Stromerzeugung zu berücksichtigen. In Deutschland könnten bei allen LCD-Fernsehern, die 2008 voraussichtlich verkauft werden, über ihre Lebensdauer etwa 7.000 Tonnen CO2 eingespart werden, das meiste durch einen geringeren Energieverbrauch im Standby-Modus. Bei TFT-Monitoren bleibt das Potenzial bei unter 1.000 Tonnen, bei Elektrorasierern, bei denen es keinen echten Standby-Zustand gibt, liegt das Potenzial bei über 2.000 Tonnen CO2. Dies spart dem Konsumenten Kosten, doch zunächst muss der Hersteller teurere Komponenten einbauen und bezahlen – pro Gerät zwischen 0,50 und 4 Euro.

Die betrieblichen Vermeidungskosten für eine Tonne CO2 liegen zwischen 21 und 1.234 Euro, dabei fallen die höchsten Vermeidungskosten für den Schein-aus- und den Standby-Zustand von Monitoren an, etwas geringere für den Schein-aus-Zustand von Fernsehern. Auf europäischer Ebene sind die Vermeidungskosten pro Tonne noch höher. Die im Europäischen Programm zum Klimawandel (ECCP) diskutierte Grenze von 20 Euro je Tonne wird also teilweise deutlich verfehlt. Volkswirtschaftlich sieht die Bilanz günstiger aus, da hierbei der eingesparte Strom gegengerechnet wird. Sehr kostenträchtig bleiben Maßnahmen bezüglich des Schein-aus-Zustands von Monitoren. Beim Standby-Zustand von Fernsehern und beim Schein-aus-Zustand von Rasierern ergibt sich unter dem Strich sogar noch ein Plus. Die Hersteller müssen aber davon ausgehen, dass sie fast vollständig auf den höheren Kosten sitzen bleiben werden, da der Markt eine Überwälzung auf den Kunden kaum erlauben wird.

Biebeler, Hendrik/Mahammadzadeh, Mahammad
Gesetzesfolgenabschätzung und Integrierte Produktpolitik, Ökonomische und ökologische Auswirkungen der EU-Durchführungsmaßnahme zum Standby-Energieverbrauch
IW-Analysen Nr. 17, Köln 200619,
80 Euro, ISBN 3-602-14729-0