Ein Konzept, welches in der letzten Zeit eine Renaissance erlebt, ist die City-Maut. Deren Einführung in London und Stockholm wird von vielen Städten aufmerksam beobachtet. Diese beiden Maut-Modelle haben ihre verkehrspolitischen Ziele weitgehend erreicht. In beiden Städten lag der Rückgang des Individualverkehrs über den Erwartungen, wobei viele Autofahrer auf Bus und Bahn auswichen. Wirklich entfallen ist nur ein geringer Teil der Fahrten. Erwähnenswert ist auch, dass sich die Verkehrsmengenreduktionen praktisch schlagartig einstellten. Längerfristige Anpassungsprozesse ließen sich bislang nicht beobachten. Auch eine Erhöhung der Maut um 60 Prozent erzielte in London praktisch keinen weiteren Effekt auf die Verkehrsmengen. Für die Umweltsituation konnten hingegen kaum Verbesserungen erzielt werden. Zwar wurden Emissionssenkungen im Straßenverkehr verzeichnet, aber das hatte fast keine Auswirkungen auf die viel wichtigeren Schadstoffimmissionen.

Bei Beurteilung der bisherigen Projekte kommen aber starke Zweifel auf, ob eine Bepreisung wirklich für viele Städte geeignet ist. Die City-Maut hat ihre Stärken in der Staubekämpfung. Im Sinne der Umweltverbesserung wirkte sie kaum. Daher sollten sich Überlegungen über die Einführung einer Maut auf Städte mit extremen Stauproblemen beschränken.

In Deutschland steht Stauvermeidung derzeit aber eher nicht im Mittelpunkt der Probleme im Stadtverkehr. Von Londoner Stauverhältnissen sind die deutschen Großstädte noch weit entfernt. Hierzulande dominiert die Umweltproblematik, da praktisch alle Großstädte gegen die Luftqualitätsrichtlinie der EU verstoßen. Aufgrund dieser Problemlage scheint die Einführung von City-Maut-Projekten in Deutschland wenig Erfolg versprechend.

Thomas PulsStadtverkehr im Fokus: Ist eine City-Maut die Lösung der Stauprobleme?IW-Analysen Nr. 37, Köln 200886 Seiten, 18,80 Euro, ISBN 978-3-602-14798-4