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Meist gilt die Aufmerksamkeit in der Debatte zur aktuellen Krise im Euroraum ausschließlich ökonomischen Kennzahlen. Staatsverschuldung, Wirtschaftswachstum oder die Entwicklung der Arbeitslosenquote dominieren die Diskussion über mögliche Rettungsmaßnahmen. Nur selten werden dabei die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen berücksichtigt, von denen das wirtschaftliche Geschehen in allen Staaten abhängt.

Die Institutionenökonomen Acemoglu und Robinson analysieren in ihrer aktuellen Studie den Einfluss politischer Institutionen eines Landes auf den wirtschaftlichen Erfolg oder Misserfolg. Ist in einem Land die wirtschaftliche und politische Macht beispielsweise auf wenige Menschen konzentriert, die sich korrupt auf Kosten der übrigen Menschen bereichern, fehlt das Vertrauen in die offzielle Wirtschaft. Die Folge: Die Menschen haben keine Anreize mehr, selber im offiziellen Sektor wirtschaftlich aktiv zu werden. Langfristig können solche Regime nicht im Wettbewerb zu anderen Staaten bestehen – und kämpfen mit großen Schattenwirtschaften.

Zur Entwicklung der Qualität von Institutionen Doch wie lassen sich schlechte institutionelle Rahmenbedingungen identifizieren und vergleichen? Unter www.worldbank.org findet sich zur quantitativen Messung institutioneller Rahmenbedingungen ein Katalog von Indikatoren. Bei der Betrachtung ausgewählter Indikatoren für den Euroraum fällt auf: insbesondere die Krisenländer Griechenland und Italien liegen weit unter dem Durchschnitt der übrigen Länder im Euroraum, was die Bekämpfung von Korruption und den Aufbau einer hochwertigen öffentlichen Verwaltung betrifft (Grafik). Zusätzlich zeigt sich, dass der Kampf gegen Korruption im Krisenverlauf sogar noch weiter abgenommen hat. Das Problem: Im Zeitverlauf kann es durch die unterschiedliche Qualität institutionellere Rahmenbedingungen innerhalb des Euroraums neben den wirtschaftlichen zu politischen Verzerrungen kommen, die sich in Krisenfällen noch verstärken und somit ein koordiniertes Handeln blockieren können.

Die Krisenlösung der Institutionenökonomik liegt nicht in kurzfristig orientierten Rettungspaketen, die nur eine Notfallhilfe sein können. Stattdessen stehen, die Schaffung von Transparenz zur Bekämpfung der Korruption, der Aufbau verlässlicher Verwaltungen und die Öffnung der Märkte zum Abbau von wirtschaftlicher Macht im Vordergrund. Die Entsendung von Steuerexperten zur Reform der Verwaltung weist hier in die richtige Richtung. Allerdings spielen die kulturell verankerte Steuermoral und -mentalität eine große Rolle und diese wandeln sich nur langsam.

Ansprechpartner

IW-Analyse, 22. Dezember 2016

Jürgen Matthes / Anna Iara / Berthold Busch Die Zukunft der Europäischen WährungsunionArrow

Diese IW-Analyse untersucht, welche institutionelle Architektur nötig ist, um den Euroraum dauerhaft zu stabilisieren. In der öffentlichen Debatte wird zunehmend behauptet, die Krise habe gezeigt, dass die Europäische Währungsunion (EWU) ohne mehr fiskalische Integration nicht zukunftsfähig sei. mehr

IW-Report
IW-Report, 19. Dezember 2016

Tobias Hentze Versorgungsfonds des Landes Schleswig-HolsteinArrow

Die Errichtung des „Versorgungsfonds des Landes Schleswig-Holstein“ zum 1. Januar 2018 und die Konzentration auf eine einzige unterstützende Finanzierungsquelle für die Versorgungslasten ist ein sinnvoller Schritt. Stellungnahme zur schriftlichen Anhörung des Finanzausschusses des Schleswig-Holsteinischen Landtags zum Gesetzentwurf der Landesregierung zur Errichtung eines Versorgungsfonds. mehr

Italiens Banken nach Referendum
IW-Nachricht, 5. Dezember 2016

Italien Unsicherheit kann Banken destabilisierenArrow

Die Banca Monte die Pasci di Siena, die drittgrößte Bank Italiens, muss bis zum Ende dieses Jahres einen Großteil ihrer Problemkredite ab- und Eigenkapital aufbauen. Der Ausgang des Referendums macht die Erfüllung dieser EZB-Auflage schwieriger. Andere italienische Banken stehen vor ähnlichen Problemen. mehr