Solvency II Image

Im Nachgang der Finanz- und Wirtschaftskrise wird kaum ein Thema so intensiv diskutiert wie die Regulierung der Finanzmärkte. Auch Versicherungen und deren Kapitalanlagen rücken in den Fokus der Aufsichtsbehörden. Und das nicht ohne Grund: In den letzten Jahrzehnten sind die Kapitalanlagen der Versicherungsunternehmen deutlich angestiegen. Allein deutsche Erstversicherer legten nach Angaben der Bundesagentur für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) im zweiten Quartal 2013 1,3 Billionen Euro an den Kapitalmärkten an und sind damit wichtige Geldgebern für Staaten, Banken, Unternehmen und private Haushalte.

Auch für die Immobilienwirtschaft spielt das Anlagevermögen der Versicherer eine Rolle. Zunächst investieren Versicherer über Käufe oder Beteiligungen direkt in Immobilien, wobei mehr als zwei Drittel der Investitionen auf Gewerbeimmobilien entfallen. Neben der direkten Anlage sind für Versicherer auch indirekte Investitionen in Immobilien über Fonds von Bedeutung. Schließlich zählen Versicherer zu den wichtigsten Abnehmern von Pfandbriefen, mit denen zahlreiche Kreditinstitute Hypothekarkredite refinanzieren.

Unter den neuen Anforderungen nach Solvency II werden Versicherer ihre bisherigen Anlagestrategien überdenken müssen. Künftig sollen sie für ihre Kapitalanlagen abhängig vom eingegangenen Risiko zusätzliches Eigenkapital vorhalten. Die Kapitalpuffer sollen ihnen im Krisenfall dabei helfen, Verluste an den Finanzmärkten abzufedern und so auch ihre Kunden zu schützen. Außerdem sollen die zusätzlichen Kosten riskanter Anlagen Anreize für die Versicherer setzen, in sichere Anlagen zu investieren. Dazu wurden von der Europäischen Aufsichtsbehörde EIOPA anlagenspezifische Eigenkapitalhinterlegungen festgelegt. Aktien müssen je nach deren Herkunft mit zusätzlichem Eigenkapital in Höhe von 39 bis 49 Prozent ihres Wertes hinterlegt werden (Schaubild). Für den Kauf von Unternehmensanleihen orientiert sich die Höhe der Kapitalanforderungen an dem Rating und der Laufzeit der Anlage. Immobilieninvestitionen werden in der Regulierung hingegen nicht nach Risikoklassen unterteilt. Die Anforderungen sind damit unabhängig von der Lage innerhalb Europas, dem Zustand oder der Nutzungsart der Immobilie: Alle direkten Investitionen müssen pauschal mit 25 Prozent Eigenkapital zu hinterlegt werden. Unklar ist demgegenüber noch die Zuordnung der Immobilienfonds: Entweder sie werden wie die direkte Anlage pauschal mit 25 Prozent bewertet, oder müssen wie Aktien mit bis zu 49 Prozent Eigenkapital unterlegt werden.

Experten gehen derzeit nicht davon aus, dass die Versicherer ihre Anlagestrategie für Immobilien innerhalb der nächsten Jahre komplett ändern und aus dem Immobiliengeschäft aussteigen werden. Dafür schätzen insbesondere Lebensversicherer die langfristigen Anlagemöglichkeiten und die stabilen Erträge bei Immobilien zu sehr. Auf lange Sicht drohen Immobilienanlagen jedoch wegen den hohen regulatorischen Kosten gegenüber alternativen Anlageformen an Attraktivität zu verlieren, was eine Umschichtung des Portfolios nach sich ziehen kann. Eine solche Reaktion wäre weder marktgerecht noch volkswirtschaftlich sinnvoll. Durch eine differenziertere Beurteilung der Immobilien nach Standortqualitäten und Nutzungsart würden Risiken regulatorisch besser abgebildet und zugleich Verzerrungen der Investitionsentscheidungen und die realwirtschaftlichen Folgen abgemildert.

The Case for Reviving Securitization
IW-Kurzbericht, 26. September 2016

Markus Demary The Case for Reviving SecuritizationArrow

European financial markets are still fragmented. A lack of cross-border lending and cross-border asset holdings hinders the financing of the economy, the conduct of monetary policy as well as cross-border risk-sharing against asymmetric shocks. Reviving the market for securitizations is vital for achieving these goals. A true European Capital Markets Union is needed, but there are still a lot of obstacles to overcome. mehr