Der Einsatz von Sekundärrohstoffen hat in einzelnen Industrien bereits eine lange Tradition mit erheblicher Bedeutung für die Produktionsstrukturen:

  • Metalle: Verschiedene Metalle wie Stahl und Aluminium gehören aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften zu den wichtigsten Sekundärrohstoffen. Die Abfälle werden somit zu einer inländischen Mine, während natürliche Vorkommen geschont werden können.
  • Papier: Altpapier ist der wichtigste Rohstoff der Papierindustrie. Um 100 Tonnen Papier herzustellen, werden heute 65 Tonnen Altpapier verwendet.
  • Glas: Durch den Einsatz von Altglas kann die Nutzung von Mineralien erheblich reduziert werden. Seit der Einführung flächendeckender Sammelsysteme im Jahr 1974 stieg die Recyclingquote in Deutschland auf 91 Prozent im Jahr 2004 an.
  • Verpackungen und Kunststoffe: Neben Glas und Papier sind vor allem Kunststoffe Ausgangsmaterialien für die Produktion von Verpackungen. Auch Weißblech und Aluminium spielen hier eine wichtige Rolle. Die gesammelten Verpackungen werden sortiert und, soweit technisch möglich, in die einzelnen Bestandteile zerlegt. Dabei hat der technische Fortschritt in den letzten Jahren zu einer deutlichen Verbesserung und Verbilligung der Sortierleistungen geführt, so dass inzwischen auch sortenreine Kunststoffreste separiert von Kunststoffverarbeitern eingesetzt werden.
  • Brennstoffe: Während zahlreiche Reststoffe als Sekundärrohstoffe wieder in den Produktionsprozess eingehen können, eignet sich für andere Stoffe eher eine thermische Verwertung. Durch den Einsatz von Sekundärbrennstoffen lassen sich Primärbrennstoffe wie Öl, Gas oder Kohle einsparen.

Im Hinblick auf die gesamtwirtschaftliche Bedeutung von Sekundärrohstoffen steht die Frage im Mittelpunkt, inwieweit unter Marktbedingungen Importe von Primärrohstoffen durch inländische Wertschöpfung substituiert werden.

Den größten Effekt auf das Bruttoinlandsprodukt leisten Sekundärrohstoffe bei der Elektrostahlerzeugung. Allein hier wurden 2005 Importe in Höhe von 2,3 Milliarden Euro eingespart. Die Aluminiumherstellung folgt mit 700 Millionen Euro. Die Nutzung von Sekundärbrennstoffen und das Recycling von Verpackungen steuern weitere 340 Millionen Euro beziehungsweise 225 Millionen Euro bei. Insgesamt ist der Beitrag der eingesparten Energierohstoffe mit 2,2 Milliarden Euro noch bedeutender als derjenige der Metallrohstoffe mit 1,4 Milliarden Euro. Zusammen führt der Einsatz von Sekundärrohstoffen in der hier getroffenen Auswahl zu einem volkswirtschaftlichen Wertschöpfungseffekt im Sinne von vermiedenen Importausgaben in Höhe von 3,7 Milliarden Euro. Diese zusätzliche Wertschöpfung geht mit einem direkten Beschäftigungseffekt von rund 60.000 Arbeitsplätzen einher.

Hubertus Bardt
Die gesamtwirtschaftliche Bedeutung von Sekundärrohstoffen
in: IconIW-Trends 3/2006