Während die Kernkraft politisch umstritten ist, sind die erneuerbaren Energien bisher wesentlich teurer als konventionelle Technik und werden auch in Zukunft nur einen geringen Teil der benötigten Energie bereitstellen können. Seit einiger Zeit wird unter dem Stichwort „Clean Coal“ als Alternative über CO2-freie Kohleverstromung durch Sequestrierung diskutiert. Im Gegensatz zu Gas oder Öl ist Kohle nach wie vor auch in Europa noch reichlich vorhanden und bietet daher ein hohes Maß an Versorgungssicherheit. Allerdings wird bei der Verstromung von Kohle wesentlich mehr CO2 freigesetzt als beispielsweise bei der Stromerzeugung mit Erdgas. Durch Sequestrierungsverfahren kann das anfallende Kohlendioxid abgetrennt und gespeichert werden.

Für die Abtrennung stehen prinzipiell zwei Möglichkeiten zur Verfügung. Das CO2 kann nach der Verbrennung durch eine so genannte Rauchgaswäsche abgeschieden werden. Alternativ wird es bereits vor der Verbrennung abgetrennt, wobei der Energieträger hierfür zunächst in ein Synthesegas umgewandelt werden muss. Bei beiden Verfahren kommt es allerdings zu einer Verringerung des Wirkungsgrades des Kraftwerks, je nach verwendeter Technologie um 6 bis 14 Prozentpunkte.

Noch nicht geklärt ist die Frage, was mit dem abgetrennten Gas geschehen soll. Grundsätzlich gibt es zwei Optionen. Das Kohlendioxid kann entweder verwertet oder in geeigneten Lagerstätten gespeichert werden. Eine Verwertung findet schon heute beispielsweise in der Lebensmittelproduktion, in der Landwirtschaft oder auch in der Industrie statt. Allerdings reichen diese Verwertungsmöglichkeiten gerade einmal für 0,1 Prozent der aktuell freigesetzten Menge an CO2.

Dementsprechend liegt der Schwerpunkt aller weiteren Überlegungen auf einer CO2-Speicherung. Zurzeit werden verschiedene Speicherarten und -technologien auf ihre Durchführbarkeit, die langfristige Sicherheit und bezüglich des bestehenden Speichervolumens hin erforscht. Grundsätzlich kommt hierbei eine Speicherung des Gases im Meerwasser oder in bestimmten geologischen Formationen in Betracht. Gegen eine Speicherung im Meer spricht, dass die Speicherdauer bisher nur sehr ungenau prognostiziert werden kann. Schätzungen über die Verweildauer des CO2 im Meer reichen von wenigen Jahrzehnten bis hin zu über tausend Jahren. Darüber hinaus sind auch die Auswirkungen des Kohlendioxids auf das Ökosystem der Meere nur schwer abzuschätzen. Kritiker rechnen mit einem absinkenden pH-Wert und möglicherweise gravierenden Folgen für die im Meer lebenden Organismen. Daher konzentrieren sich die weiteren Überlegungen auf die Speicherung in geologischen Formationen. Als geeignete Lagerstätte gelten in Deutschland tief gelegene Kohleflöze, erschöpfte Gasfelder sowie saline Aquifere (salzhaltige Grundwasserleiter), in die das gasförmige CO2 unter Druck eingeleitet wird. Andere mögliche Speicherstätten sind entweder in Deutschland nicht in ausreichendem Maße vorhanden (wie zum Beispiel aktive oder stillgelegte Ölquellen) oder bieten nach aktuellem Forschungsstand nicht die notwendige Sicherheit (stillgelegte Kohle- und Salzbergwerke). Wie groß das Speichervolumen der einzelnen Lagerstätten ist, lässt sich nur schwer abschätzen. Sicher scheint jedoch heute, dass in Deutschland tiefe, Salzwasser führende Aquifere die Lagerstätten mit dem größten Potenzial darstellen.

Die Gesamtkosten der Sequestrierung hängen von der Art der Abtrennung, der Entfernung zur Speicherstätte sowie von der Art der Endlagerung ab. Die Kosten der Abtrennung variieren je nach eingesetzter Technik zurzeit im Wesentlichen zwischen 20 und 40 Euro pro Tonne Kohlendioxid. Für den Pipeline-Transport und die Speicherung fallen zusammen zusätzliche Kosten zwischen 10 und 40 Euro je Tonne an. Insgesamt ergibt sich so folglich eine Belastung von etwa 30 bis 80 Euro je Tonne CO2 in Deutschland. Im Vergleich dazu liegt der Zertifikatspreis derzeit Nach einem Kurssturz nur noch bei rund 15 Euro je Tonne. Es ist damit zu rechnen, dass sich die Kosten der Sequestrierung durch die fortlaufenden Forschungsbemühungen in Zukunft weiter reduzieren lassen. Wenn gleichzeitig die Zertifikatspreise wieder steigen sollten, könnte die Sequestrierung von Kohlendioxid in 15 bis 20 Jahren die Schwelle zur Wirtschaftlichkeit erreicht haben.Die Energieerzeuger sehen große Chancen in der neuen Technik. RWE hat bereits den Bau des weltweit ersten Kohlegroßkraftwerks ohne CO2-Emissionen angekündigt. Bis zum Jahr 2014 soll die insgesamt etwa eine Milliarde Euro teure Anlage mit einer Leistung von 450 Megawatt ans Netz gehen.

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