Öl und Gas die dicksten Posten
Öl und Gas die dicksten Posten

Deutschland blickt auf eine lange Tradition als Rohstoffförderland zurück. Vor allem mineralische Rohstoffe sind in Deutschland auch heute noch reichlich verfügbar. Zu den wichtigsten heimischen Rohstoffen gehören Kies, Bausand und Natursteine, aber auch Kali und Braunkohle. Heute muss ein wichtiger Teil der genutzten Rohstoffe jedoch importiert werden. Während Eisenerz Anfang der sechziger Jahre noch zu gut einem Drittel aus heimischer Förderung stammte, wird es heute vollständig aus dem Ausland eingeführt. Generell liegt die Importquote für metallische Rohstoffe in Deutschland bei 100 Prozent.

Groß ist der Importanteil auch bei Energierohstoffen. Während Braunkohle praktisch vollständig aus heimischer Förderung stammt, steigt der Importanteil der Steinkohle. Vor allem aber Öl und Gas sorgen für eine hohe Importabhängigkeit, wobei Erdgas immerhin zu knapp 20 Prozent im Inland gefördert wird – mit leicht abnehmender Tendenz. So ist der Importanteil aller Energierohstoffe seit Anfang der neunziger Jahre von 58,3 Prozent des Primärenergieverbrauchs auf zuletzt 71,5 Prozent gestiegen.

Von den gesamten Rohstoffimporten nach Deutschland machen Energierohstoffe mit 70 Prozent den größten Teil aus. Erdöl und Erdgas kommen dabei auf 41 Prozent beziehungsweise 23 Prozent, der Wert der Kohleimporte ist mit drei Prozent vergleichsweise niedrig. Unter den nach Deutschland importierten Metallen nehmen die Nicht-Eisen-Metalle (NE-Metalle) mit 15 Prozent den wichtigsten Anteil ein, insbesondere Kupfer, Aluminium und Zink. Eisen und Stahl kommen immer noch auf 4 Prozent. Nennenswerte Anteile aus den Bereichen der Edelmetalle und Stahlveredler entfallen noch auf die Gruppe der Platinmetalle sowie auf Nickel und Molybdän.

Für die Verfügbarkeit von Rohstoffen sind neben den geologischen Gegebenheiten auch die Markt- und Regulierungsbedingungen wichtig. Problematisch bei vielen Metallrohstoffen sind vor allem die hohe Konzentration auf der Angebotsseite und ein damit zusammenhängendes Potenzial für Marktmacht. So ist es keine Seltenheit, dass drei Viertel der jährlich produzierten Menge nur aus drei Ländern kommen oder 50 Prozent und mehr aus lediglich drei Unternehmen stammen. Zudem gibt es zahlreiche Handelsbarrieren wie Zölle und Subventionen, die Europa den Zugang zu Rohstoffen erschweren.

Mit Hilfe des IW-Rohstoffversorgungs-Risiko-Ratings werden unter Versorgungsgesichtspunkten kritische Rohstoffe identifiziert und klassifiziert. Als „besonders kritisch“ sind die Stoffe Chrom, Molybdän, Niob, Zirkon und Tantal sowie die Platinmetalle einzustufen. Chrom, Molybdän und Niob werden in erster Linie als Stahlveredler verwendet, Tantal für Kondensatoren und die Medizintechnik, Zirkon in der Keramikindustrie und die Metalle der Platingruppe in der Chemieindustrie, der Medizintechnik und der Schmuckindustrie.

Als kritisch werden Baryt, Flourit und Lithium bewertet. Dadurch sind verschiedene Branchen betroffen – von der Papierherstellung über die Gusseisen- und Aluminiumproduktion bis hin zur Chemie und der Keramikindustrie. Weniger kritisch sind Blei, Titan, Wolfram und Zinn.

Hubertus BardtSichere Energie- und Rohstoffversorgungin: IW-Positionen – Beiträge zur Ordnungspolitik Nr. 36, Köln 2008