Über die Versorgung mit Rohstoffen macht man sich im Allgemeinen wenig Gedanken. Zumeist weiß man nicht einmal, welche Rohstoffe eigentlich verbraucht werden. Den wenigsten Produkten sieht man an, welche Roh-stoffe für die Herstellung eingesetzt werden mussten. Jeder benutzt Handy und Computer, aber kaum jemandem ist klar, dass darin Dutzende von Rohstoffen verbaut sind – zum Teil in kleinsten Mengen zu minimalen Kosten.Aus der öffentlichen Wahrnehmung waren Rohstoffe so gut wie verschwunden. Einzig die Preisanstiege der letzten Jahre und die Preisrekorde für Gold und Öl im Jahr 2008 haben es in die Schlagzeilen geschafft. Auch die hohen Kosten für Eisenerz und Kokskohle und daraus resultierende Preissteigerungen für Stahl und Stahlprodukte haben ein Stück weit für Aufmerksamkeit gesorgt. Nachdem die Preise für Rohstoffe im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise deutlich in den Keller gegangen waren, gingen sie in den letzten Monaten schon wieder nach oben. So hat der Ölpreis inzwischen die 80-Dollar-Marke erreicht, Gold ist auf Rekordniveau und der Preis für Eisenerz hat sich in der ersten Jahreshälfte verdoppelt.

Die Rohstoffversorgung ist aber nicht nur aufgrund von Preissteigerungen relevant. Steigende und schwankende Preise sind insbesondere für Massenrohstoffe ein Problem, die in großen Mengen und zu hohen Kosten eingeführt und verarbeitet werden müssen. Gerade auch Rohstoffe, die nur in kleinen Mengen verbraucht werden und nicht unbedingt einen hohen Kostenfaktor darstellen, können mit verschiedensten Risiken verbunden sein:

• Geologische Verfügbarkeit: Rohstoffe können tatsächlich knapp auf der Erde sein, dies ist derzeit aber nur in Ausnahmefällen problematisch.

• Länder-Konzentration: Oft sind die wirtschaftlich abbaubaren Rohstoffvorräte oder die zukünftigen Potenziale nur in wenigen Ländern vorhanden. Dies trifft beispielsweise auf die Gruppe der Seltenen Erden zu, die bis zu 95 Prozent in China konzentriert sind.

• Marktmacht: Viele Rohstoffe werden nur von wenigen Unternehmen angeboten. Die damit verbundene Marktmacht ist für die verbrauchenden Unternehmen problematisch, weil diese mit überhöhten Preisen rechnen müssen. So weisen beispielsweise die Stahlerzeuger darauf hin, dass weltweit nur wenige Unternehmen den Markt für Eisenerz kontrollieren.

• Instabilität: Viele Rohstoffländer sind politisch instabil, so dass ein Ausbau der Rohstoffförderung nur schwer möglich ist. Auch die Sicherheit von Investitionen ist oftmals nicht gewährleistet.

• Handelsschranken: Insbesondere China, aber auch andere Länder behindern mit Zöllen, Exportbeschränkungen und anderen Maßnahmen die Ausfuhr von Rohstoffen. Ziel dieser strategischen Industriepolitik ist es, die Weiterverarbeitung der Rohstoffe ins Land zu holen – zum Schaden der Produktion in Industrieländern wie Deutschland.Die deutsche Wirtschaft sieht insbesondere in steigenden und schwankenden Preisen ein wesentliches Rohstoffrisiko. Nahezu 75 beziehungsweise 65 Prozent der befragten Umweltexperten der Wirtschaft nannten dieses Risiko als wesentlich. Der Hintergrund hierfür liegt vor allem in der steigenden Nachfrage, die rund 61 Prozent für problematisch halten. Marktmacht der Anbieter und die Konzentration auf wenige Lieferländer wird von zirka 49 beziehungsweise 35 Prozent kritisch gesehen. Grenzen der wirtschaftlichen und geologischen Fördermöglichkeiten sehen ungefähr 30 beziehungsweise etwa 23 Prozent der Experten als problematisch an. Protektionismus und andere politische Risiken werden noch von rund 18 und 22 Prozent als bedeutsames Risiko gesehen.

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