Welcher Nettoeffekt sich aus sparsameren Haushaltsgeräten und besser gedämmten Häusern einerseits und einer höheren Anzahl von Geräten pro Haushalt sowie einer größeren Wohnfläche andererseits ergibt, zeigt im Rückblick auf die Jahre 1995 bis 2006 die aktuelle Auswertung der Umweltökonomischen Gesamtrechnungen durch das Statistische Bundesamt.

Entwicklung des privaten Energieverbrauchs
Entwicklung des privaten Energieverbrauchs

Über 60 Prozent des von den privaten Haushalten verursachten Energieverbrauchs entfällt in Form von Nahrungsmitteln, Gaststättenbesuchen, Flugreisen und vielem anderen auf den Konsum, nochmals gut 25 auf den Wohnbereich und die verbleibenden 13 Prozent auf den Individualverkehr. Im Konsum von Waren und in einer Verschiebung der Konsumausgaben von Gütern auf Dienstleistungen liegen große Potenziale für eine Senkung des Energieverbrauchs. In diesem Bereich waren die Verbraucher in Deutschland auch erfolgreich: Trotz eines preis-bereinigten Anstiegs der Konsumausgaben um 13 Prozent sank in den Jahren 1995 bis 2006 der mit ihnen verknüpfte Energieverbrauch um mehr als 6 Prozent. Der Anteil des Konsums am privaten Energieverbrauch verringerte sich dadurch in einem geringen Umfang.

Nicht so erfreulich ist die Entwicklung des Energieverbrauchs im Wohnbereich. Zwar gibt es sichtbare Fortschritte bei den eingesetzten Elektrogeräten, bei der Heiztechnik und bei der Wärmedämmung, doch gelingt es diesen Hebeln nicht ganz, die starken Effekte aus einer größeren Wohnfläche pro Person und einer besseren Ausstattung mit Haushaltsgeräten und Unterhaltungselektronik vollständig auszugleichen. In immer mehr Wohnungen halten Wäschetrockner, Mikrowellen und Computer Einzug; Zweitfernseher und -kühlschränke finden verstärkt Verbreitung. Am Ende steht ein deutlich gewachsener Stromverbrauch im Haushaltsbereich von plus 10,5 Prozent allein bis 2004. Eine weitgehend konstante Einwohnerzahl verteilt sich auf mehr und kleinere Haushalte, vor allem Ein-Personen-Haushalte, was ebenfalls einen Mehrbedarf an energiebetriebenen Geräten nach sich zieht. Vor allem steigt die Wohnfläche pro Kopf, und zwar um 13,8 Prozent von 35,1 Quadratmeter 1995 auf 39,5 Quadratmeter 2006. Hierfür wird mehr Heizenergie benötigt, die für rund drei Viertel des Energieverbrauchs im Wohnbereich steht. Raumwärme wird mit einer um knapp 15 Prozent verbesserten Energieeffizienz erzeugt, sodass sie 2006 insgesamt weniger Energie in Anspruch nimmt als 1995. Zusammen mit der übrigen im Wohnbereich verbrauchten Energie ergibt sich jedoch eine geringfügige Erhöhung des Verbrauchs um ein halbes Prozent.

Einen günstigeren Ausgang nimmt die Nettoentwicklung beim Individualverkehr, der die Inanspruchnahme kollektiver Beförderungsmittel, darunter auch das Flugzeug, nicht umfasst: Die Gesamtfahrleistung von Personenkraftwagen steigt von 1995 bis 2006 um 7,6 Prozent. Beispielsweise vergrößert sich der Anteil der Berufspendler mit einem Arbeitsweg von mehr als 25 Kilometern von 18,1 auf 21,4 Prozent. Der Umstieg von benzin- auf dieselbetriebene Fahrzeuge vor allem bei den Vielfahrern und Effizienzsteigerungen der Dieselfahrzeugflotte von mehr als 7 und der Benziner um knapp 9 Prozent führen in der Summe zu einem Rückgang des Energieverbrauchs für den Individualverkehr von gut 3 Prozent. Würde das Durchschnittsauto nicht immer älter werden, könnten die Einsparungen noch größer sein.

Die Bilanz dieser Entwicklung bringt bei deutlich mehr in Anspruch genommenen Leistungen einen Rückgang des direkten und indirekten Energieverbrauchs des privaten Bereichs um etwas mehr als 4 Prozent. Es ist damit zu rechnen, dass der private Energieverbrauch auch in Zukunft nicht dieselben Effizienzverbesserungen aufweisen wird wie der Energieeinsatz in der Industrie. Von der vorausgesagten Schrumpfung der Bevölkerungsgröße sind jedoch Entlastungseffekte zu erwarten, die in der letzten Dekade noch nicht wirken konnten.

Energieverbrauch der privaten Haushalte | PDFDie Nutzung von Umweltressourcen durch die Konsumaktivitäten der privaten Haushalte| PDF

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