Die Einflüsse größerer Rohstoffvorkommen auf den Wohlstand variieren von Land zu Land und im Laufe der Geschichte. Einnahmen aus dem Export von natürlichen Ressourcen können zu einer Quelle des Reichtums für die Bevölkerung werden, die Entwicklung anderer Sektoren und Branchen sowie Investitionen in Human- und Sachkapital behindern oder auch Korruption fördern. Nigeria und Venezuela werden häufig als Beispiele für den Ressourcenfluch angeführt. Zwischen den Jahren 1965 und 2000 verzehnfachten sich in Nigeria die Erdöleinnahmen pro Kopf von 33 auf 325 US-Dollar. Doch die breite Bevölkerung konnte von diesen Einnahmen nicht profitieren: Die Durchschnittseinkommen blieben fast konstant. Heute zählt Nigeria, aber auch Venezuela, trotz Ölreichtum zu den ärmsten Ländern der Welt.

„Holländische Krankheit“

Kapitalarten und Wohlstand
Kapitalarten und Wohlstand

Eine Theorie zur Erklärung eines solchen Ressourcenfluches ist die sogenannte „Holländische Krankheit“. In Ländern, die von dieser „Krankheit“ befallen sind, erhöhen die Einkünfte aus Rohstoffexporten den realen Wechselkurs der Landeswährung. Andere Wirtschaftszweige verlieren durch den für sie ungünstigen Wechselkurs an internationaler Wettbewerbsfähigkeit oder können sich erst gar nicht entwickeln. Die Abhängigkeit vom Rohstoffexport nimmt immer weiter zu, während Wirtschaft und Bevölkerung unter der fehlenden Entwicklung anderer Industrien leiden. Beobachtet wurde dieses Phänomen – daher der Name – erstmals in den Niederlanden nach der Entdeckung von Erdgasvorkommen, konnte dort aber überwunden werden. Venezuela leidet bis heute unter diesem Fluch, während die reichen OECD-Staaten ihren Wohlstand eher Finanz- und Sachkapital sowie insbesondere dem immateriellem Kapital aus Bildung, Forschung und technischem Fortschritt verdanken (Grafik).

Doch die Holländische Krankheit ist nicht die wichtigste Erklärung für den geringen Wohlstand und die große Ungleichheit in vielen rohstoffreichen Nationen. Angesichts einiger Länder, die den Rohstofffluch überwinden konnten, müssen noch weitere Faktoren eine Rolle spielen. Als Musterbeispiel für die Umwandlung des Rohstofffluches in einen Segen gilt Norwegen – der drittgrößte Exporteur von Erdöl. Ebenso wie Nigeria ist Norwegen mit einem reichen Erdölvorkommen gesegnet. Doch in Norwegen haben sich trotz steigender Ölexporte auch das Verarbeitende Gewerbe und der Rest der Wirtschaft sehr positiv entwickelt.

Prävention und Heilung durch gute Institutionen

Beruhend auf einem Vergleich zahlreicher Studien lässt sich zeigen, dass der Ressourcenfluch vor allem in Ländern mit punktuellen Quellen an Diamanten oder seltenen Erden existiert. Extrembeispiel ist der von Bürgerkriegen geplagte Kongo mit seinem Reichtum an Coltan, das für Mobiltelefone genutzt wird. Kriege und Korruption sind vielfach die Folge des Fluchs, wobei besonders präsidentielle Demokratien betroffen sind. Grundvoraussetzungen für die Überwindung des Fluchs sind effiziente politische und wirtschaftliche Institutionen, freier Handel und ein funktionierendes Finanzsystem. Gleichzeitig sollten die Gewinne aus dem Export von Rohstoffen in verbesserte Infrastruktur und das Bildungswesen investiert werden.*) Quelle: Frederick van der Ploeg (2011): “Natural Resources: Curse or Blessing?“ Journal of Economic Literature 49:2, 366-420

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