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Der Kodex soll dem Finanzmarkt zuverlässige und glaubwürdige Informationen zur Verfügung stellen und zur Bewertung der Unternehmensperformance dienen. Ziel des Kodex ist es außerdem, nachhaltiges Wirtschaften zu stärken und einen Orientierungsrahmen für die deutsche Wirtschaft zu schaffen. Bis zum 25. Februar 2011 konnten Unternehmen und Organisationen Stellungnahmen und Dialogbeiträge einreichen.

Nachhaltigkeit aus Unternehmenssicht bedeutet, in einem kontinuierlichen, dynamischen und integrativen Prozess ökologische und soziale Aspekte in die ökonomischen Aktivitäten zu integrieren. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, über welchen Weg Nachhaltigkeit wirksam in der Wirtschaft verankert und realisiert werden soll: über Push- oder über Pull-Faktoren? Also über Kodifizierung und rechtliche Verbindlichkeit der Nachhaltigkeit oder durch Marktanreize bzw. Freiwilligkeit und Selbstverpflichtung der Unternehmen und Wirtschaftsbranchen, wie es gegenwärtige Praxis ist?

Die hohe Relevanz der Nachhaltigkeit für die deutsche Wirtschaft wurde in der aktuellen Befragung des IW-Umweltexpertenpanels vom April 2011 bestätigt. Im IW-Expertenpanel haben gut 94 Prozent der 192 befragten Umweltexperten der Wirtschaft zugestimmt, dass Nachhaltigkeit ein wichtiges Thema der Wirtschaft ist. Gleichzeitig lehnten jedoch fast 45 Prozent der Experten eine rechtlich verbindliche Regelung der Nachhaltigkeit in Form eines Nachhaltigkeitskodex ab. 20 Prozent der Befragten sind gegenüber einer solchen Regelung indifferent. Die Befragung liefert weiterhin eine differenzierte Expertenbewertung bezüglich weiterer Aussagen, die im Zusammenhang mit dem Nachhaltigkeitskodex getroffen werden. So stimmten beispielsweise lediglich 5 Prozent der Experten der Aussage uneingeschränkt zu, dass es mit dem Kodex zu einer Entlastung der Unternehmen komme. Bei der Aussage, dass er zur Erhaltung der Wettbewerbsvorteile beiträgt, sind es knapp 10 Prozent. Mehrheitlich wird aber der These zugestimmt, dass der Nachhaltigkeitskodex eine stärkere Sensibilisierung der Konsumenten für nachhaltigkeitsbezogene Produkte fördern kann. Diese These wird aber auch von mehr als jedem vierten Experten abgelehnt.

Immer häufiger orientieren sich deutsche Unternehmen auf freiwilliger Basis in ihren betrieblichen Handlungen am Leitbild der nachhaltigen Entwicklung (Sustainable Development). Daran hat auch die Wirtschafts- und Finanzkrise nichts geändert. Rund 62 Prozent von 112 befragten Unternehmen gaben in einer Umfrage von PricewaterhouseCoopers und dem Center for Sustainablitity Management an der Leuphana Universität Lüneburg an, dass sie ihre Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit nicht reduziert haben. Trotz der negativen Betroffenheit von über zwei Drittel der Befragten durch die Wirtschafts- und Finanzkrise wurden diese Aktivitäten sogar in jedem vierten befragten Unternehmen ausgeweitet. In jedem dritten Unternehmen hat die Bedeutung der Nachhaltigkeit zugenommen. Den Ergebnissen der Studie zufolge wird Nachhaltigkeitsmanagement bei etwa drei Viertel der Unternehmen teilweise oder umfassend mit dem Kerngeschäft verknüpft. Dies erfolgt vor allem durch Entwicklung und Angebot von energieeffizienten Produkten, die Sicherstellung von Umweltschutz und sozialen Aspekten entlang der Lieferkette (z. B. Schulung und Qualifizierung der Mitarbeiter in Lieferländern) oder die Optimierung der Produktionsprozesse.

Dabei sind der ökonomische Erfolg und die Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen eine unverzichtbare Bedingung dafür, dass die Unternehmen ökologische und soziale Aspekte verstärkt realisieren können. Nur auf der Grundlage eines soliden ökonomischen Fundaments können in Unternehmen ökologische und soziale Herausforderungen bewältigt werden. Bereits heute zeichnet sich eine starke Reglementierung der einzelnen Bereiche der Nachhaltigkeit ab. Es gibt zahlreiche nationale und internationale Gesetze und Verordnungen, die vorschreiben, ökologische und gesellschaftsbezogene Aspekte in die unternehmerischen Entscheidungen und Handlungen einzubeziehen. Daher ist es fraglich, ob noch eine weitere rechtliche Kodifizierung erforderlich ist. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass das Prinzip der Nachhaltigkeit in der Wirtschaft zunehmend anerkannt und praktiziert wird. Auch und gerade auf weitestgehend freiwilliger Basis. Diese Akzeptanz könnte durch eine verpflichtende Kodifizierung geschwächt werden.

Pläne der EU-Kommission: Auch wir müssen mehr recyceln
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Adriana Neligan in der Alternativen Kommunalpolitik Pläne der EU-Kommission: Auch wir müssen mehr recycelnArrow

Deutschland recycelt derzeit offiziell 64 Prozent seiner Siedlungsabfälle und ist damit Spitzenreiter in Europa, schreibt IW-Ökonomin Adriana Neligan in der Zeitschrift Alternative Kommunalpolitik. Allerdings wird hier auch Abfall als recycelt gewertet, der verbrannt wird. Die EU-Kommission will in Zukunft nur noch solche Abfälle als recycelt ansehen, die auch tatsächlich wiederverwertet werden. mehr

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Nachhaltigkeit Jeder zehnte Euro für den UmweltschutzArrow

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IW-Kurzbericht, 26. August 2016

Dominik Enste Sustainable Development Goals – Freiheit ermöglicht NachhaltigkeitArrow

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