Saarland und Hessen besonders gesundheitsbewusst Image

Jeden Tag reichlich Getreideprodukte und Kartoffeln, fünf Portionen Obst und Gemüse, ein paar Milchprodukte, und ein bis zwei Mal in der Woche Fisch: So sieht gesundheitsbewusste Ernährung aus, zumindest laut den Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V.

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) befragt seit 2004 über 20.000 Bundesbürger im zweijährigen Turnus – auch nach ihrer Ernährung. Dabei zeigte sich: Im Jahr 2014 ernährten sich die Saarländer gesundheitsbewusster als die Bewohner aller anderen Bundesländer. Rund 59 Prozent der Befragten Saarländer gaben an, dass sie stark oder sehr stark auf gesundheitsbewusste Ernährung achten. Im Bundesschlusslicht Hamburg taten das nur 43 Prozent. Vor zehn Jahren hatten nach eigener Aussage noch 54 Prozent auf eine gesundheitsbewusste Ernährung geachtet. Das Saarland, Baden-Württemberg und Hessen hingegen schnitten auch vor zehn Jahren schon gut ab.

Während gesunde Ernährung keine Frage des Alters oder der Staatsangehörigkeit ist, zeigt sich, dass einkommensstarke Haushalte einen größeren Wert auf gesunde Ernährung legen. Das könnte ein Hinweis darauf sein, warum Bundesländer im Osten Deutschlands die unteren Plätze des Rankings belegen. Außerdem weist die Auswertung der Daten darauf hin, dass Frauen sich signifikant gesünder ernähren als Männer, ebenso wie verheiratete, gebildete und politisch interessierte Bürger unabhängig von ihrem Einkommen.

Viele Menschen wollen sich gesünder ernähren – und gesunde Ernährung geht tatsächlich mit höherer Lebenszufriedenheit einher. Gesunde und gesundheitsbewusste Ernährung, vor allem bei Kindern und Jugendlichen, möchte auch die Politik fördern. Einen bestimmten Lebensstil sollte sie nicht vorgeben, sie kann aber die Rahmenbedingungen verbessern, wie durch Qualitätsstandards bei Kita- und Schulessen. Schließlich ist nicht nur die Hälfte aller Erwachsenen Bundesbürger übergewichtig, sondern schon 15 Prozent der Drei- bis Siebzehnjährigen (Statistisches Bundesamt (2014), Robert Koch-Institut (2010)).

Auf individueller Ebene zeigen verhaltensökonomische Untersuchungen – aus deren Sicht der Mensch kein rationales Wesen ist – wie schwer es Menschen fällt, ihre Gewohnheiten und ihr Verhalten zu ändern und sich gesünder zu ernähren. Denn aufgrund des Status Quo Bias (Enste et al., 2016) bleiben die Menschen lieber bei dem Verhalten, das sie kennen, als etwas zu verändern. Auch durch die Politik verbesserte Rahmenbedingungen werden nicht ohne weiteres das Verhalten ändern können. Hilfreiche Tipps, um auf individueller Ebene das gesundheitsbewusste Ernähren zu erleichtern, gibt die Verhaltensökonomik aber auch. Die Schokoladenriegel am Arbeitsplatz sollten durch einen Obstkorb ersetzt werden. Alles, was nicht vorhanden ist, wird auch nicht gegessen. Ein verbesserter Zugang zu gesunden Lebensmitteln durch gezielte Platzierungen in der Kantine und im Supermarkt erhöht auch dessen Verbrauch. Dabei ist es hilfreich, auf Freiwilligkeit und Einfachheit und zu achten, um einer möglichen Reaktanz der Bürger und Verbraucher, wie beispielsweise bei dem Vorschlag Veggie Day, entgegenzuwirken.

IW-Kurzbericht

Mara Grunewald: Gesundheitsverhalten – Saarland und Hessen besonders gesundheitsbewusst

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Literatur

Enste, Dominik H. / Ewers, Mara / Heldman, Christina/ Schneider, Regina, 2016, Verbraucherschutz und Verhaltensökonomik - Zur Psychologie von Vertrauen und Kontrolle, IW-Analysen Nr. 106, Köln

Robert Koch-Institut, 2010, Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland, Bundesgesundheitsblatt

SOEP – Sozio-oekonomisches Panel, 2014, Daten der Jahre 2004–2014, Version 31, Berlin

Statistisches Bundesamt, 2014, Jeder zweite Erwachsene in Deutschland hat Übergewicht

Ansprechpartner

IW-Kurzbericht, 1. Dezember 2016

Oliver Stettes Gute Arbeit: Höhere Arbeitszufriedenheit durch mobiles ArbeitenArrow

Digitale Technologien ermöglichen die Flexibilisierung von Arbeitsort und Arbeitszeit und vergrößern damit den Spielraum für ein selbstbestimmtes Arbeiten. Die IW-Beschäftigtenbefragung 2015 bestätigt, dass mobiles Arbeiten in der Tat mit mehr Zeitsouveränität im Job einhergeht. Die Arbeitszufriedenheit von Beschäftigten, die mobil arbeiten, ist auch aus diesem Grund signifikant höher als die ihrer Kollegen, die nie mobil arbeiten. mehr