EU-Ziel der Luftreinhaltung
EU-Ziel der Luftreinhaltung

Um einer Versauerung und Überdüngung von Böden und Gewässern und der Bildung des gesundheitsschädlichen bodennahen Ozons zu begegnen, wurde beschlossen, die Emissionen von Schwefeldioxid, Stickoxiden, Ammoniak und flüchtigen organischen Verbindungen (ohne Methan; NMVOC) im Schnitt um 70 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Nationale Maßnahmenprogramme sollen die Erfüllung dieser Zielwerte gewährleisten.

Für alle vier Schadstoffklassen können seither Reduzierungen beobachtet werden, allerdings mit deutlich unterschiedlichen Erfolgen. Am schnellsten und am stärksten konnte in Deutschland die Emission von Schwefeldioxid zurückgefahren werden. Im Jahr 2007 wurden nur noch 494 Kilotonnen oder 9 Prozent der Menge von 1990 ausgestoßen, bereits weniger als die Zielmarke von 520 Kilotonnen. Hierbei spielte die Ausrüstung ostdeutscher Braunkohlekraftwerke mit modernen Rauchgasentschwefelungsanlagen nach der Wiedervereinigung eine wichtige Rolle, ebenso der Einsatz schwefelfreier Kraftstoffe im Verkehrsbereich. Zudem sorgte eine stetig steigende Energieeffizienz dafür, dass trotz wachsender Produktionsmengen insgesamt nicht mehr Energie verbraucht wurde.

Geringere, aber sehr beachtliche Fortschritte konnten im Bereich der flüchtigen organischen Verbindungen gemacht werden. Diese werden vor allem beim Einsatz von Lösungsmitteln, aber auch bei Verlusten beim Kraftstofftransport und beim Betanken von Kraftfahrzeugen freigesetzt. Bis 2007 sank ihr Ausstoß auf etwa 34 Prozent des Basiswertes. Der Zielwert liegt bei 995 Kilotonnen. Das sind knapp 300 Kilotonnen weniger als zuletzt gemessen.

Noch nicht am Ziel ist die Verringerung des Ausstoßes an Stickoxiden, bei denen eine Verringerung auf 1.051 Kilotonnen angestrebt wird. Bis zum Jahr 2007 wurde eine Verminderung auf rund 45 Prozent erreicht. Stickoxide entstehen hauptsächlich bei Verbrennungsprozessen in Industrieanlagen, bei Energieerzeugern und bei Kraftfahrzeugen. Die Emissionen im Verkehrsbereich konnten im betrachteten Zeitraum halbiert werden. Dennoch bleiben sie die wichtigste Einzelquelle von Stickoxid.

Eine nur sehr geringe Entlastung konnte in den letzten 17 Jahren bei Ammoniak erreicht werden: Die zuletzt gemessenen bundesweiten Emissionen lagen bei 624 Kilotonnen beziehungsweise bei 87 Prozent des 1990-er Wertes. Der Zielwert beträgt hier 550 Kilotonnen. Ammoniak entsteht in erster Linie bei der Viehhaltung, genauer bei der Lagerung und Ausbringung von Exkrementen als Gülle auf die Felder. Hier bestehen durchaus noch Verminderungsmöglichkeiten wie eine emissionsarme Lagerung oder eine Änderung der Zusammensetzung der Futtermittel. Eine weitere Entlastung ist durch die erwartete Reduzierung des Viehbestands zu erwarten.

Im gewichteten Mittel ist in Deutschland bereits eine Reduzierung der Luftschadstoffe um 56 Prozent gegenüber 1990 erreicht. Die noch nicht vorliegenden Werte für 2008 und 2009 dürften aufgrund des starken Negativwachstums der Wirtschaft im Jahr 2009 den ehrgeizigen Zielen der NEC-Richtlinie sehr nahe kommen. Da die Wirtschaftskrise jedoch eher für eine zeitlich begrenzte Schwächephase und für keine größere Niveauverschiebung stehen dürfte, ist davon auszugehen, dass die restliche Strecke bis zur vollständigen und dauerhaften Zielerreichung nur durch zusätzliche Maßnahmen zurückgelegt werden kann. Hierzu zählen die ab 2010 geltenden strengeren Grenzwerte für den Stickoxidausstoß durch die Kraftfahrzeugsnorm EURO 5.

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