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Die Messung der Lebenszufriedenheit hat sich in den vergangenen Jahren als Forschungsfeld der Wirtschaftswissenschaften etabliert. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die Europäische Kommission messen neben Wachstum und Wohlstand auch regelmäßig das Wohlbefinden. Viele Studien untersuchen zudem die Einflussfaktoren der Lebenszufriedenheit. Nur wenige berücksichtigen jedoch den entgegengesetzten Effekt einer hohen Lebenszufriedenheit auf ökonomische Faktoren.

Eine dieser seltenen Studien stützt sich auf Laborexperimente. Die These lautete, dass eine höhere Zufriedenheit auch zu höherer Produktivität führt. Demnach sind glückliche Arbeiter pragmatischer, kooperativer, hilfsbereiter und freundlicher. Außerdem fehlen die Zufriedenen seltener, wechseln seltener ihren Job und arbeiten sorgfältiger. Vor allem sind sie engagierter bei der Arbeit, verstehen sich besser mit Kollegen und Kunden und verdienen ein höheres Gehalt. All diese Faktoren sollen zu einer höheren Arbeitsleistung führen.

Der britische Ökonom Andrew Oswald und seine Co-Autoren konnten diese plausiblen Annahmen in verschiedenen Studien im Labor empirisch nachweisen: Die Produktivität von zufriedenen Teilnehmern war signifikant und deutlich höher als von unglücklichen. Zunächst wurden zwei Gruppen gebildet: 700 Teilnehmern wurde entweder ein lustiger Videoclip gezeigt oder Schokolade, Früchte und Getränke angeboten, um deren Wohlbefinden zu steigern. Die andere Gruppe wurde in eine traurige Stimmung versetzt, in dem zum Beispiel nach Tragödien in ihrem Familienumfeld gefragt wurde. Das Ergebnis: Die glücklich gestimmten Teilnehmer waren in der anschließenden Arbeitsphase um durchschnittlich 12 Prozent produktiver. Sie arbeiteten schneller bei gleich hoher Qualität. Schnelligkeit und Gründlichkeit waren für sie also kein Gegensatz.

Eine weitere Studie hat diesen Zusammenhang auf gesamtwirtschaftlicher Ebene erforscht. Dabei wurde in 20 Ländern der Einfluss der Lebenszufriedenheit auf die totale Faktorproduktivität untersucht – ein Maß, das zeigt, wie gut ein Land die Arbeitskraft und das Humankapital für die Produktion nutzt. Mittels ökonometrischer Verfahren können der luxemburger Ökonom Charles Henri DiMaria und Co-Autoren für den Zeitraum von 2004 bis 2010 einen kausalen, positiven Zusammenhang feststellen. In vielen Ländern steigt die Produktivität und Effizienz: Deutschland, Frankreich und Polen können das Wachstum durch eine höhere Lebenszufriedenheit am stärksten steigern, nämlich durchschnittlich zwischen 3,5 und 4 Prozent, wenn die Lebenszufriedenheit um eine Einheit steigt (Grafik). Nur in sieben untersuchten Ländern (Slowenien, Slowakei, Estland, Dänemark, Finnland, Norwegen und Irland) hat die Lebenszufriedenheit keinen oder nur einen geringen Einfluss auf die Produktivität. Welche Gründe für den großen Einfluss etwa in Deutschland verantwortlich sind, ist noch nicht geklärt.

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Die Briten wollen den harten Brexit: raus aus dem Binnenmarkt und raus aus der Zollunion. Das machte Premierministerin Theresa May in ihrer heutigen Rede klar. Doch auch das muss nicht das Ende des freien Handels zwischen der EU und Großbritannien bedeuten. Vielmehr ist ein Freihandelsabkommen 3.0 – also einer neuen Generation – denkbar. Dafür müssen aber beide Seiten aufeinander zugehen. mehr

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IW-Unternehmensbefragung Keine Angst vor dem BrexitArrow

Die große Mehrheit der Unternehmen in Deutschland reagiert gelassen auf den drohenden Brexit. Nur rund jedes 50. Unternehmen befürchtet starke Produktionseinbußen, wie eine IW-Umfrage zeigt. Die britische Regierung kann in den Austrittsverhandlungen folglich nicht darauf setzen, dass sich die deutsche Wirtschaft für weiche Kompromisse zugunsten der Briten einsetzt. mehr

Digitaler Binnenmarkt
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Daten sind die Währung des digitalen Zeitalters. Um das Potenzial einer europäischen Datenwirtschaft optimal zu nutzen, möchte die Europäische Kommission die Datenrechte weiter vereinheitlichen. Das ist längst überfällig, um den Anschluss an die USA nicht völlig zu verlieren. mehr