Lebenszufriedenheit Image

Bereits der griechische Philosoph Aristoteles propagierte mit seiner Idee der „Eudamonia“ ein tugendhaftes Leben als Lebensziel. In einer Studie der Universität zu Köln haben Olga Stavrova und andere nun den Zusammenhang zwischen individueller Tugendhaftigkeit, die sie als Ehrlichkeit gegenüber staatlichen Institutionen messen, und Glück untersucht. Die Empirie zeigt, dass sich tugendhaftes Verhalten lohnt – aber nur, wenn das gesellschaftliche Klima stimmt: Nur in vertrauensvollen Umfeldern wird es honoriert. Außerdem untersuchen die Wissenschaftler, inwiefern in bestimmten Ländern kooperatives Verhalten nicht unterstützt, sondern bestraft wird.

Das Ergebnis ist eindeutig: In Ländern mit einer prosozialen Einstellung der Bevölkerung ist die Korrelation zwischen individueller Tugendhaftigkeit und Glück beziehungsweise Lebenszufriedenheit positiv, hier macht tugendhaftes Verhalten glücklich. In Ländern, in denen die Menschen einander wenig vertrauen und die Gesellschaft prosoziales Verhalten bestraft, macht Tugendhaftigkeit unglücklich und unzufrieden. In diesen Ländern sind Betrüger und Steuerhinterzieher glücklicher und zufriedener. Abbildung 1 zeigt diesen Zusammenhang zwischen der durchschnittlichen Tugendhaftigkeit eines Landes und der Stärke des Zusammenhangs zwischen individueller Tugendhaftigkeit und Lebenszufriedenheit. So gibt es beispielsweise in Russland, der Ukraine und Griechenland eine geringe durchschnittliche Tugendhaftigkeit: Der Unehrliche hat bessere Chancen und mehr Reichtum. Umgekehrt ist es in Australien, Dänemark und der Schweiz: Die Ehrlichen sind zufriedener. Außerdem gilt in tugendhaften Gesellschaften das Prinzip der indirekten Reziprozität: Tugendhaftes Verhalten sorgt nicht nur für einen guten Ruf und soziale Anerkennung, sondern auch dafür, dass tugendhafte Individuen in schwierigen Zeiten eher mit sozialer Unterstützung rechnen können.

Auf Unternehmen übertragen bedeutet dies, dass eine vertrauensvolle Unternehmenskultur, die tugendhaftes Verhalten fördert, nicht nur gut für die Reputation und den langfristen Erfolg des Unternehmens ist, sondern auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigert. Anreizstrukturen und Bonifikationen, die dieser Kultur widersprechen, können vielleicht kurzfristig die Rendite steigern und Marktanteile sichern, aber das Reputationsrisiko ist hoch – wie zurzeit Volkswagen erlebt.

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Mara Grunewald Zufriedenheit von Kleinkindern – Vorlesen macht klug und glücklichArrow

Glücksforscher untersuchen meist die Zufriedenheit der Erwachsenen und welche Einflussfaktoren diese fördern und verbessern. Doch Förderung kann bei den ganz Kleinen besonders fruchtbar sein. Dabei zeigt sich, dass nicht das Haushaltseinkommen, sondern gemeinsame Aktivitäten für das Glück der kleinsten Bürger Deutschlands entscheidend sind. mehr

14. Dezember 2016

Pressefreiheit Wenig Vertrauen in die Medien Arrow

Die EU-Kommission hat untersucht, inwieweit die EU-Bürger Vertrauen in die Arbeit der Medien haben. In Deutschland schneiden die Berichterstatter gut ab. Andernorts sind die Menschen deutlich skeptischer. mehr auf iwd.de

IW-Kurzbericht, 1. Dezember 2016

Oliver Stettes Gute Arbeit: Höhere Arbeitszufriedenheit durch mobiles ArbeitenArrow

Digitale Technologien ermöglichen die Flexibilisierung von Arbeitsort und Arbeitszeit und vergrößern damit den Spielraum für ein selbstbestimmtes Arbeiten. Die IW-Beschäftigtenbefragung 2015 bestätigt, dass mobiles Arbeiten in der Tat mit mehr Zeitsouveränität im Job einhergeht. Die Arbeitszufriedenheit von Beschäftigten, die mobil arbeiten, ist auch aus diesem Grund signifikant höher als die ihrer Kollegen, die nie mobil arbeiten. mehr