Zudem soll die bisher den Ländern zustehende Kfz-Steuer ab Januar 2010 dem Bund zufallen, der damit alle autospezifischen Steuern kontrolliert. Die Länder erhalten als Ausgleich jährlich etwa 8,9 Milliarden Euro. Doch das heißt auch, dass die Reform um ein weiteres Jahr verschoben wurde. Damit wurde die Chance verpasst, die Kfz-Steuer schon heute als Anreiz zu einer Erneuerung des Fahrzeugparks zu nutzen. Denn gerade hier hat sich die Kfz-Steuer bewährt, wie die Erfahrungen bei der Einführung der Schadstoffnormen EURO 1 bis 4 gezeigt haben, die sich in Deutschland sehr schnell im gesamten Fahrzeugbestand durchsetzten und so zu erheblichen Emissionsrückgängen bei Schadstoffen führten. In Anbetracht dessen, dass die deutsche Fahrzeugflotte von über 41 Millionen Pkw rasant altert und der Altersdurchschnitt der Pkw bereits 8 Jahre beträgt, wäre eine schnellere Reform zu begrüßen gewesen.

Die zweite wichtige Entscheidung stellt ein deutsch-französischer Kompromiss über die Einführung von europaweiten Kohlendioxidemissionsgrenzwerten für Pkw dar. Bislang hatten sich diese beiden Länder scharf über die Grenzwerte gestritten, da ihre Hersteller sehr unterschiedlich von den geplanten Regeln betroffen wären und der Verdacht bestand, dass hier Industriepolitik auf dem Umweg über die Umwelt gemacht werden sollte. Der Kompromiss, dem die anderen EU-Regierungen aber noch zustimmen müssen, beinhaltet mehrere Abweichungen vom bisherigen Vorschlag der EU-Kommission, der ab 2012 für jeden Automobilhersteller eigene Emissionsgrenzwerte vorsieht, die aus dem durchschnittlichen Gewicht der verkauften Neuwagen abgeleitet werden. Bei Grenzwertüberschreitungen sollten ab 2012 Strafen an die EU gezahlt werden. Die Strafen pro Gramm Überschreitung und verkauftes Fahrzeug sollten von 20 Euro im Jahr 2012 auf 95 Euro im Jahr 2015 steigen. Der neue Kompromiss beinhaltet längere Übergangsfristen und reduzierte Strafzahlungen. So ist eine stufenweise Einbeziehung aller Fahrzeuge ab 2012 geplant. Eine weitere Erleichterung stellt die Möglichkeit dar, Öko-Innovationen, wie beispielsweise Leichtlaufreifen, mit 6 bis 8 Gramm anzurechnen. Ein zusätzlicher wichtiger Unterschied besteht darin, dass die geplanten Strafen vom Grad der Grenzwertüberschreitung abhängig gemacht werden sollen. Erst bei einer deutlichen Abweichung sollen die Strafen in voller Höhe greifen.