Klimaschutz im Gebäudesektor Image

Ende Februar 2015 hat der Koalitionsausschuss die geplante steuerliche Förderung von energetischen Gebäudesanierungen wieder gestoppt. Und das, obwohl diese im Herbst 2014 im Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) gemeinsam vereinbart wurde. Damit scheitert der Versuch eines Steuerbonus nun schon zum zweiten Mal, nachdem im Jahr 2011 der Bundesrat das bereits beschlossene Gesetz kippte. Damals wie heute wollen sich die Länder nicht in großem Umfang an den Kosten beteiligen. Dabei übersehen sie, dass sie durch mehr Sanierungsaktivitäten unter anderem mit mehr Mehrwertsteuereinnahmen rechnen können. Fortsetzung folgt.

Wie groß die Potenziale sind, zeigt eine aktuelle Studie vom Volkswirtschaftlichen Institut für Mittelstand und Handwerk (ifh) an der Universität Göttingen, die im Rahmen eines dreijährigen Forschungsprogramms in Kooperation mit dem IW Köln und der Schwäbisch Hall-Stiftung erstellt wurde.* Untersucht wurden die 18 relevanten Bau- und Ausbaugewerke, die für die Umsetzung der Energiewende im Gebäudesektor entscheidend sind und mit knapp 2 Millionen Beschäftigten eine zentrale Rolle in der deutschen Volkswirtschaft spielen. So kann das Handwerk bis zum Jahr 2050 ein Umsatzvolumen von 738 Milliarden Euro aus Aufträgen zur energetischen Sanierung erwarten – jedoch nur wenn die aktuelle Sanierungsgeschwindigkeit deutlich angehoben wird. Schließlich lassen sich nur dann die Klimaschutzziele erreichen (siehe Abbildung). Bleibt das Investitionsvolumen auf derzeitigem Niveau, sind es 288 Milliarden Euro weniger. Dieses Szenario ist aktuell das realistischere, da die politischen Rahmenbedingungen nicht stimmen und ein Teil der notwendigen Renovierungsarbeiten nicht ausgeführt werden. Die Studie benennt auch den zunehmenden Fachkräftemangel im Handwerk als ein Problem, das dem rechtzeitigen Erreichen der von der Bundespolitik gesetzten Klimaziele entgegenstehen könnte.

Um die Unsicherheiten für die Immobilienbesitzer und Handwerksbetriebe zu verringern, ist eine langfristige (Förder-)Strategie notwendig. Diese sollten nach einer ebenfalls im Rahmen des Forschungsprogramms veröffentlichten Studie folgende Elemente enthalten**:

(1) Anhebung und Verstetigung der bewährten Förderprogramme zur Gebäudesanierung von KfW und BAFA bis mindestens zum Jahr 2020, (2) Einführung einer dauerhaften steuerlichen Förderung von Gebäudesanierungen, die starke Anreize für Sanierungen auf einen möglichst hohen Effizienzhausstandard setzt, (3) Reform des Mieterhöhungsrechts, (4) Stärkung der Energieberatung und (5) Erhöhung der Markttransparenz, unter anderem durch die Zusammenführung und Verpflichtung bedarfs- und verbrauchsorientierter Energieausweise.

IW policy paper

Ralph Henger: Handlungsempfehlungen zur Umsetzung der Energiewende im Gebäudesektor

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