Trotz der Bemühungen der Wirtschaft und Politik im Klimaschutz lässt sich der Klimawandel nicht vollständig aufhalten. Der Klimawandel ist kein kurzlebiges Ereignis und seine Umkehr ist nur innerhalb von längeren Zeiträumen denkbar. Vor diesem Hintergrund und unter Berücksichtigung der gegenwärtigen und der zu erwartenden Betroffenheit von Wirtschaftsbereichen und Regionen ist die Anpassung an die Klimafolgen zwingend erforderlich. Ohne rechtzeitige Anpassung sind in der Zukunft erhebliche ökonomische und soziale Folgekosten zu erwarten.

Anpassung an den Klimawandel
Anpassung an den Klimawandel

Welche Strategie wird durch die Wirtschaft favorisiert? Mit welcher Strategie soll die Wirtschaft ihren Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel leisten? Diese Frage war auch Gegenstand der IW-Onlineumfrage im September 2008, an der sich 182 Umweltexperten aus Unternehmen und Verbänden beteiligten. Für jeden Fünften der Befragten reicht die Verfolgung der Mitigationsstrategie aus, während fünf Prozent die Strategie der Anpassung an mögliche Klimafolgen vorziehen. Nach Ansicht von fast drei Vierteln der Umweltexperten soll aber die Wirtschaft dem Klimawandel mit den beiden Strategien der Vermeidung und der Anpassung begegnen.

Im Vergleich zur Emissionsminderung ist die Anpassungsthematik allerdings neu; Forschung und Praxis sind nicht so ausgeprägt wie im Klimaschutzbereich. Benachteiligt wird die Anpassungspolitik auch dadurch, dass Anpassung an mögliche Klimafolgen oft als passive und defensive Strategie und die Vermeidung und Verminderung von Treibhausgasen als eine aktive und offensive Klimaschutzpolitik propagiert werden. Es wurde übersehen, dass die gegenwärtige und zukünftige Betroffenheit und Verletzbarkeit trotz der Klimaschutzpolitik eine aktive Anpassungsstrategie braucht, die sowohl reagierend als auch vorausschauend ist. Eine solche Strategie soll nicht als Widerspruch zur Klimaschutzpolitik gesehen werden. Beide Strategien ergänzen sich gegenseitig.

Auf der Unternehmensebene kann die Anpassung an ein verändertes Klima zusätzlich durch weitere Einflussfaktoren erschwert bzw. verhindert werden. Lässt man das politisch-rechtliche Umfeld als Einflussfaktor außer Acht, kommen zahlreiche physikalisch-natürliche und marktliche Aspekte in Betracht. Hierbei ergibt sich aus den Umfrageergebnissen ein differenziertes Bild. Die Umfrage zeigt die besondere Bedeutung des Zeitfaktors in zweierlei Hinsicht: Zum einen nannten 47 Prozent der Befragten an erster Stelle den langen Zeithorizont für Investitionen im Bereich der Anpassung als Hindernis. Zum anderen ist für 32 Prozent der Umweltexperten der kurzfristige Zeithorizont der Unternehmensplanung ein Problem. Neben der Zeit sind auch sichere und zuverlässige Information und Daten eine wichtige Einflussgröße. So sind für gut 44 Prozent der Befragten mangelnde Daten über Klimafolgen und für 28 Prozent fehlendes Wissen über den Klimawandel selbst ein Hindernis. Jeder vierte Experte sieht geringe eigene Betroffenheit, mangelnde Ressourcen sowie mangelnde Unterstützung durch die Politik als Ursache dafür, dass die Anpassung erschwert wird. Die mangelnde Nachfrage nach Anpassungsprodukten wird von knapp 23 Prozent der Befragten als Hindernis angesehen. Bei mangelndem Anpassungsbewusstsein von Entscheidungsträgern waren es 21 Prozent. Dem Faktor mangelnde Unterstützung durch die Forschung wird mit acht Prozent eine eher geringe Bedeutung beigemessen. Zusätzlich zu den genannten Faktoren wurden auch weitere Hindernisse wie Preis- und Kostendruck genannt. Immerhin knapp 11 Prozent der Umweltexperten sehen keine Anpassungshindernisse.